Christliche Themen für jede Altersgruppe

Tankstelle Gottesdienst!

Seit 17 Jahren feiert die Friedenskirchengemeinde Ludwigsburg die Nachteulengottesdienste. Oft sind die 1000 Sitzplätze der Kirche belegt. Reporter Heiko Schw öbel fragt Pfarrer Georg Schützler nach dem Erfolgsrezept.

Bild: privat

Begonnen hat alles im Jahre 1994.

Zu dieser Zeit wurden die Gottesdienste in der Friedenskirche von etwa 50 bis 100, meist weiblichen Gläubigen im Alter von 55 und mehr Jahren besucht. „Schade eigentlich!“, dachte sich Pfarrer Georg Schützler. Denn in seine Kirche passen über 1000 Besucher.

Zur gleichen Zeit überlegte sich Prof. Dr. Siegfried Zimmer von der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, dass seine Studenten eigentlich keine richtige Gelegenheit hatten, in Ludwigsburg altersgerechte Gottesdienste zu besuchen.

Zwei Menschen, ein Gedanke:

Es muss ein Gottesdienstangebot her, das die jungen Theologiestudierenden ab 20 und die säkularen Städter ab 30 erreicht. Beide von der Überzeugung motiviert, dass Kirche tatsächlich Quelle der Kraft und Inspiration sein kann. Im Gespräch zwischen Pfarrer Schützler und dem Professor entstand der Gedanke eines Zweitgottesdienstes. Die Idee war nicht neu, aber in der Ausprägung besonders: Schnell war klar, ein solches Angebot kann es nur am Sonntagabend geben. Die Wochentage sind für die meisten Menschen belegt. Der Samstag ist dem Einkauf, der Kultur, dem Kneipenbesuch und Freunden vorbehalten. Am Sonntagvormittag wird ausgeschlafen. Die Kleidung Jogginganzug und Schlappen. Also bleibt der Sonntagabend. „Ein guter Tag und guter Zeitpunkt“, sagt Pfarrer Schützler. „Der Sonntagabend wird von vielen als langweilig und deprimierend empfunden. Unser Angebot: Eine Tankstelle für Seele und Geist, um die Belastungen in der Woche besser zu bestehen. Schöpfen Sie Kraft im Gottesdienst.“ Dies geschieht in Ludwigsburg mit moderner Musik, Körperübungen und Meditationsformen in Verbindung mit den klassischen Elementen eines Gottesdienstes. Der Nachteulen-Gottesdienst war erfunden.

Mit Mini-Weisheitsgeschichten oder anderen kurzen Texten werden die Besucher auf den Gottesdienst eingestimmt. Das Besondere: Nach dem Eingangslied folgt in der Regel eine Körperübung, die mit einer stillen Zeit endet. Das darauf folgende Gebet wird in hoher Intensität erfahren. Die Besucher sind vorbereitet, Kraft zu tanken. Die Öffnung der Herzen erreicht die Liturgie der Nachteulen-Gottesdienste zusätzlich mit einer geführten Meditation. Die Besucher werden zu einer spirituellen Traum- oder Fantasiereise angeregt, auf der es zu inneren Begegnungen mit einem Selbst oder dem Göttlichen kommen kann. Besonders wichtig ist die Auswahl der Themen dieser Gottesdienste. Sie kommen immer aus dem prallen Leben – und der Lebenswirklichkeit der Besucher. Diese ist bei Studenten und Menschen in der Lebensmitte oft von Hektik, Stress, Belastung und Verwerfungen geprägt.

Hierzu gilt es einen Kontrapunkt zu setzen – kurzum: Menschliches und Göttliches in Verbindung zu setzen.

Die musikalischen Elemente werden von der sogenannten „Nachteulen-Combo“ gestaltet in der Besetzung Keyboard, Oboe, Querflöte und Percussion. Doch zuhören allein reicht nicht. Mit Elementen der Chorleitung wird zum Mitsingen verführt. Wie bei Körperübung, Meditation und Thema gilt hier: Mitmachen und Auftanken. Entstanden ist eine Kultur des gemeinsamen Singens. Die Gäste des Gottesdienstes genießen dieses Erlebnis. „Als wir im Oktober 1994 mit diesem Konzept starteten, kamen bereits 450 Besucher. Ein paar Monate später war die Kirche voll!“, sagt Pfarrer Georg Schützler. Heute sind die Nachteulen-Gottesdienste fester Bestandteil der Ludwigsburger Citykirchenarbeit. Die Besucherzahlen pendeln zwischen 500 und 1100. Die „Nachteule“ wird inzwischen als ökumenischer Gottesdienst erfahren: denn ca. 30% der Besucher sind Katholiken. Das Durchschnittsalter liegt bei 44 Jahren. Und die Frauenquote beträgt nur 77%. Immerhin 33 % der Besucher sind Männer. Die Seelsorge der Gottesdienste wird einmal im Monat in den sogenannten „Kellergesprächen“ fortgesetzt. Aus den Gottesdiensten heraus kam es zu einigen Kircheneintritten. Aus dem Umfeld der Nachteulengottesdienste sind inzwischen drei Personen im Kirchengemeinderat aktiv. Die Ausstrahlungseffekte auf die bürgerliche Gemeinde und Region sind groß. Manch ein Stuttgarter geht zum inneren Auftanken mittlerweile nach Ludwigsburg in den Abendgottesdienst.

„Mit diesen Gottesdiensten sind wir der Volkskirche wieder ein ganzes Stück näher gekommen,“ sagt der Pfarrer im Rückblick auf die 17-jährige Geschichte. Die Nachteulen- Gottesdienste sind eine sinnvolle Ergänzung der Gottesdienstlandschaft. Das Beispiel Nachteulen-Gottesdienste beweist einmal mehr, dass Württemberg die führende Rolle als Exportland für gute Ideen in Deutschland zurecht innehat. Denn inzwischen sind die Nachteulen-Gottesdienste eine Exportidee. Sie gibt es in Berlin, Leipzig, Flensburg, Zweibrücken, Gotha, Heidelberg, Mühlacker und an anderen Orten. Der Beweis ist erbracht: Auch Geist kann exportiert werden.

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