Christliche Themen für jede Altersgruppe

Unermüdlich geschrieben

Jörg Zink, einer der populärsten Theologen der Gegenwart, ist am 9. September im Alter von 93 Jahren in Stuttgart gestorben. Das hat seine Familie auf der Homepage von Jörg Zink mitgeteilt. Der württembergische Pfarrer wurde bundesweit durch das „Wort zum Sonntag“ bekannt.

Jörg Zink in seinem Arbeitszimmer (Foto: epd-Bild)


Jörg Zink war ein unermüdlicher Schreiber. In seinem Arbeitszimmer standen gleich mehrere Schreibtische – für jedes Buch, an dem er gerade arbeitete, gab es einen. Meistens waren es Bücher über Religion und Glaube. Landesbischof Frank Otfried July hat den Theologen und Publizisten als einen „großen Kommunikator des Evangeliums“ gewürdigt. Tatsächlich hat Zink wie kaum ein anderer mit seiner Bibelübersetzung und seinen Auslegungen viele Menschen erreicht: Er hat 250 Bücher mit einer Auflage von 21 Millionen Exemplaren geschrieben.

Bis 2009 war es bei seinen Vorträgen bei den Kirchentagen immer voll. 2011 konnte er nicht mehr reisen. Dennoch war er dabei. Fast 5000 Zuhörer kamen zur Bibelarbeit in die Dresdner Eisarena, um ein letztes Mal Jörg Zink zu erleben – in einer Live-Übertragung wurde er aus seinem Haus in Stuttgart nach Dresden zugeschaltet.

Der wissenschaftlichen theologischen Sprache stand Zink eher distanziert gegenüber. „Ich konnte mir schlechterdings nicht vorstellen, dass die Bauern und Fischer und Hausfrauen von Galiläa den Worten Jesu hätten folgen können, hätte Jesus die Art von Theologie von ihnen verlangt, die wir heute unseren Hörern zumuten.“

Zink war in der Friedens- und in der ökologischen Bewegung aktiv. Er war 1980 Gründungsmitglied der Grünen Partei. „Der Mensch ist in das Wurzelwerk der Schöpfung eingebunden“, sagte Zink, „er lebt und stirbt mit ihr.“ Er wolle verhindern, dass „die Welt verödet“.

Über 100 Mal hat er in der ARD das „Wort zum Sonntag“ gesprochen. Auch da war er für Überraschungen gut. Nach der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Oktober 1977 nach Somalia legte Zink sein Manuskript zur Seite und redete frei über die „Nacht von Mogadischu“. „Ich bitte Gott um sein Erbarmen mit uns, dieser verwirrten, kranken Menschheit, die wir nicht mehr wissen, wie wir uns vor dem Abgrund der Selbstzerstörung retten.“

Im hessischen Schlüchtern-Elm wurde Jörg Zink geboren. Seine Eltern starben, als er noch klein war. Das Abitur machte er in Ulm. Später studierte er Philosophie und Theologie an der Universität Tübingen. Der promovierte Theologe war zunächst Pfarrer in Esslingen. Fast 20 Jahre war Zink Fernsehbeauftragter der Landeskirche beim Süddeutschen Rundfunk.

Für sein Engagement wurde er oft geehrt. Zuletzt 2015: Damals würdigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann Zinks Lebenswerk und verlieh ihm den Ehrentitel Professor.

Im Alter beschäftigte sich Jörg Zink viel mit dem Thema Sterben. In einem Interview mit dem Gemeindeblatt sagte Zink: „Ich möchte auf jeden Fall eine Antwort auf die Frage, wie es im Jenseits aussieht.“ Von der Ewigkeit hatte Jörg Zink eine ganz eigene Vorstellung: „Ich stelle mir vor, dass wir in der Ewigkeit neue Aufgaben bekommen. Dass wir nicht etwa im himmlischen Sofa ausruhen, sondern dass wir neue Aufträge bekommen, die wir zu erfüllen haben.“

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Werden Sie im neuen Jahr einen guten Vorsatz umsetzen?
Ja.
Nein.
Ich bin unentschieden.