Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom liebenden Gott erzählen

AICHWALD (Dekanat Esslingen) – Es sind ganz unterschiedliche evangelische Kirchen, die von der Vier-Kirchen-Stiftung Aichwald getragen werden. Das Konzept hat die Jury des Fundraising-Preises überzeugt; es wurde dritter in der Kategorie „Stiftungen“. Ein Besuch. 


Konrad Steinbach vor der evangelischen Kirche in Schanbach. (Foto: Brigitte Jähnigen Burst)

Seit den 1970er Jahren gehören die Ortschaften Schanbach, Aichelberg, Aichschieß, Krummenhardt und Lobenrot zur bürgerlichen Gesamtgemeinde Aichelberg. 2009 zog die Landeskirche nach: Aus fünf protestantischen Gemeinden wurde eine – die Kirchengemeinde Aichwald. „Natürlich ist die Fusion ín den Köpfen der Menschen präsent, es hindert sie aber nicht daran, besonders starke Wurzeln zu ihren jeweiligen Ortskirchen zu haben“, sagt Konrad Steinbach, Vorsitzender des Kirchengemeinderates Aichwald.

Vier Kirchen gibt es in der Kirchengemeinde, die alle kunsthistorisch etwas zu bieten haben. So bezaubert die Feldkirche „Zu unserer lieben Frau“ in Aichelberg, erstmals 1460 urkundlich erwähnt, den Besucher durch ihre Fresken. Die Pfarrkirche „St. Gereon und Margaretha“ in Aichschieß ist eines der wenigen Gotteshäuser im süddeutschen Raum, die im 12./13.Jahrhundert Reliquien des Heiligen St. Gereon aus Köln erhalten haben. 1483 wird erstmals von einer „neuen Kapelle“ des Ortes Krumenhart berichtet. Aus Krumenhart wurde Krummhardt, und noch immer steht das Kirchlein mitten im Ort. Seine Deckenmalereien sind im so genannten Bauernbarock gehalten. Frisch verjüngt und dennoch historisch wirkt die evangelische Kirche Schanbach.
Um den Erhalt der architektonischen und kunstgeschichtlichen vier Kleinode langfristig zu sichern, wurde am 14. November 2014 die „Vier-Kirchen-Stiftung“ gegründet. Die Summe des Stiftungskapitals am 31. Dezember 2014 betrug 126?683 Euro, Ende 2015 waren es 130?000. Zuvor wurde eine eigene Stiftungsbroschüre entwickelt, potenzielle Stifter wurden persönlich angesprochen, über die Presse wurde die Werbetrommel gerührt. Es gab eine Stiftungsausstellung und eine große Gründungsfeier in der kommunalen Schurwaldhalle. Mehrere Konzerte fanden zu Gunsten der Stiftung statt, Erlöse aus Gemeindefesten wurden gespendet, Geld kam aus Jubiläen, Nachlässen und von Kunstausstellungen. Sogar einen Kirchenwein schenkt die Gemeinde aus.

Bei der Fundraising-Schau im April wurde die Kirchengemeinde in der Kategorie „Stiftung“ für ihre Aktivitäten mit dem dritten Preis ausgezeichnet, der mit 400 Euro dotiert ist. „Für uns ist das eine Anerkennung dafür, dass wir nach einigen Bedenken richtig entschieden haben“, sagt Konrad Steinbach, der selbst Gründungsstifter ist.

Am Anfang stand nämlich erst einmal die Frage: Sollte es bei dem derzeit so niedrigen Zinsniveau überhaupt noch sinnvoll sein, Geld langfristig anzulegen? Doch mittlerweile spielt das keine Rolle mehr, denn schon eineinhalb Jahre nach der Stiftungsgründung hat das Kapital 3000 Euro Zinsen erwirtschaftet. Diese hat die Gemeinde direkt in konkrete Bauvorhaben investiert. Die Skeptiker sind beruhigt.

Die Stiftung wurde von Anfang an von ganz unterschiedlichen Seiten getragen. So habe sofort nach der Vorstellung der Idee auch die katholische Kirchengemeinde Unterstützung versprochen. „Ein schönes Zeichen der Ökumene“, sagt Steinbach zufrieden. Und Bürgermeister Nicolas Fink sagte: „Unser Beitrag soll ein Startschuss sein, der hoffentlich viele Nachahmer findet.“ Die bürgerliche Gemeinde hat 5000 Euro gespendet und will darüber hinaus die Verpflichtungen, die sie schon immer gegenüber der Kirchengemeinde übernommen hat, nicht vernachlässigen. Auch Vereine, Firmen und Organisationen unterstützen die Stiftung.

„Das Gemeindeleben hat sich verändert“, sagt Steinbach. Zwar muss sich die Evangelische Kirchengemeinde Aichwald mit 3500 Mitgliedern bei 7500 Einwohnern keine Sorgen um den Fortbestand machen. Doch die Ansprüche daran, was Kirche „zu leisten“ habe, hätten sich verändert, hat Steinbach beobachtet. So spiele die Kirche als Veranstaltungsort eine größere Rolle als früher, sie würde viel aufwändiger für Ehejubiläen, Taufen und Konfirmationen geschmückt. In Aichwald sei das öffentliche Leben ohnehin sehr stark mit dem Gemeindeleben verknüpft, erklärt Konrad Steinbach. Auch deshalb engagierten sich viele in der Stiftung, glaubt er.

Doch über all dem Engagement will Konrad Steinbach das Wichtigste nicht vergessen: „Mit allem, was wir tun, wollen wir vom liebenden und nicht vom strafenden Gott erzählen“, sagt er. Auch dafür lohne es sich, sich für die Vier-Kirchen-Stiftung Aichwald einzusetzen.

Am 26. Juni startet um 16 Uhr eine musikalische Führung rund um die Aichelberger Kirche mit dem Kinder- und dem Kirchenchor.



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