Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Wann ist wieder Dienstag?“

WEINSTADT-GROSSHEPPACH (Dekanat Waiblingen) – Treffpunkt Oase nennt sich die Gruppe, in der sich demenzkranke Menschen und ehrenamtliche Betreuerinnen regelmäßig treffen. Für ihr Engagement erhielten die Ehrenamtlichen den Preis „Helferherzen“.  


Das engagierte Helferinnen-Team lacht viel mit den dementen Patienten. (Foto: Susanne Haag)

„Wissen Sie noch, wie Sie letzte Woche Kuchen gebacken haben?“, fragt eine Betreuerin die Frau neben ihr. „Ja, so vergesslich bin ich auch noch nicht“, erwidert diese lachend. Fröhlich sein, singen, Kaffee trinken, das gehört dazu, wenn sich der Treffpunkt Oase im Wilhelmine-Canz-Haus der Großheppacher Schwesternschaft trifft. Jeden Dienstag ist die Diakoniestation Weinstadt mit zwei Schwestern und ehrenamtlichen Helferinnen dort zu Gast.

„Wir zeigen, dass das Leben mit Demenzkranken auch lustig sein kann, nicht nur traurig“, sagt Beate Schappacher, Schwester bei der Diakoniestation Weinstadt. Mit ihrer Kollegin And­rea Hagg leitet sie die Gruppe. Einige der ehrenamtlichen Betreuerinnen hatten selbst demente Angehörige und bringen ihre Erfahrungen in die Gruppe ein. Wer neu einsteigt, besucht eine eintägige Einführung der Alzheimer-Gesellschaft, danach findet mindestens einmal im Jahr eine Fortbildung zu unterschiedlichen Themen statt. „Zwei Betreuerinnen informieren sich gerade über Beschäftigungen speziell für Männer“, erzählt Schappacher.

Gemeinsames Singen, Basteln, Kochen, Backen, Ausflüge, aber auch körperliche Betätigungen, wie Gymnastik oder Spaziergänge stehen auf dem Programm des dreistündigen Nachmittagsangebots. Das Begrüßungslied „Kein schöner Land“ singen die meisten auswendig. „Es ist toll, was die alten Menschen noch alles wissen“, betont Sigrid Bohn. Sie hat sich für die Gruppe um den Ehrenamtspreis der Drogeriemarktkette dm beworben. Die Jury fand das Engagement beeindruckend und wählte die „Oase“ unter 44 Anmeldungen aus. Dass sie die Auszeichnung bekommen haben, verbindet Bohn mit einer Hoffnung: „Der Preis kann das Thema Demenz sichtbarer machen.“

Denn wie ihre ehrenamtlichen Kolleginnen auch hat sie die Erfahrung gemacht, dass die Betroffenen und ihre Angehörigen sich oft schämen und überfordert sind. Die Menschen vereinsamen zusehends und kommen kaum mehr aus dem Haus. Das trägt wiederum zur Beschleunigung der Krankheit bei. Im Treffpunkt Oase werden die Betroffenen nicht allein gelassen. Für drei Stunden sind die Kranken liebevoll betreut und können Aktivitäten in der Gemeinschaft genießen – das ganze Jahr, auch in Ferienzeiten. Die Betreuerinnen hören gerne zu, wenn die älteren Frauen und Männer Geschichten aus ihrer Jugend erzählen und freuen sich, wenn verloren Geglaubtes wieder an die Oberfläche kommt. Wie bei den beiden männlichen Gästen, die herausgefunden haben, dass sie Französisch können und sich nun gerne in der Fremdsprache unterhalten.

Ganz selbstverständlich werden die Eigenheiten der Gäste akzeptiert. Jeder hat seinen festen Platz, ein Namensschild und ein Foto erleichtern die Orientierung. Die Betreuerinnen als feste Ansprechperson sitzen neben „ihren“ Gästen. Wenn kein Gespräch möglich ist, suchen die Helferinnen den Kontakt, indem sie einfach nur die Hand der Frauen oder Männer halten.

Auch mit Besuchern, die leicht aggressiv werden, weiß das erfahrene Team umzugehen. „Manchmal muss man einfach warten, bis sich die Stimmung ändert“, weiß zum Beispiel Gudrun Hennecke. Die aufmerksame Helferin hat sich auch gemerkt, dass eine der Besucherinnen keinen Apfelkuchen mag.  „Ich habe zu Hause zu viele Äpfel gegessen“, erzählt die alte Frau, die in ihrer Jugend auf einem Hof mit vielen Obstwiesen gewohnt hat. Gudrun Hennecke gibt ihr einfach von ihren mitgebrachten Waffeln ab.

Dass Gäste und Betreuerinnen Spaß miteinander haben, ist deutlich spürbar. „Man gibt nicht nur, man bekommt auch etwas“, erklärt Sigrid Bohn die Motivation für das große Engagement in der Gruppe. Dass die 1000 Euro Preisgeld deshalb auch den Gästen zugute kommen sollen, ist für Sigrid Bohn selbstverständlich. Sie kann sich einen gemeinsamen Ausflug für alle vorstellen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist ein Grund dafür, dass die Gäste gerne zum Treffpunkt Oase kommen. Die Frage, „Wann ist wieder Dienstag?“, bekommen einige Angehörige regelmäßig zu hören.


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