Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was bedeutet Weihnachten?

Ludwigsburg-Eglosheim – Die Katharinenkirche in Eglosheim ist am zweiten Weihnachtsfeiertag Kulisse für eine Aufführung, die es so nicht alle Tage zu sehen gibt: Ein Weihnachtsspiel für Erwachsene, das sich die Pfarrerin Susanne Matthies zusammen mit ihrem Mann erdacht hat. 


Pfarrerin Susanne Matthies mit rosa Brille. (Foto: Markus Heffner)


Der Spätherbsthimmel wölbt sich in dunklem Blau über der Katharinenkirche, die zu den Schönsten ihrer Art gehört. Im 15. Jahrhundert erbaut, hat das spätgotische Prachtstück im historischen Ortskern von Eglosheim seither allen Widrigkeiten und Unbillen getrotzt. Einzig der alte Kirchenturm ist einem Blitzschlag zum Opfer gefallen. Seither thront ein neuer Fachwerkturmhelm auf dem Gotteshaus, das bis heute das weithin sichtbare Wahrzeichen der Gemeinde ist.

Für das weithin hörbare Geläut wiederum sorgen drei dicke Glocken namens Glaube, Hoffnung und Liebe droben im Gebälk der Kirche, unter dem an diesem Vormittag ein durchaus ungewöhnliches Schauspiel aufgeführt wird. Links vom Altar fachsimpeln drei Menschen mit Mikro über die Herausforderungen der Weihnachtszeit, während gleich darauf ein echter Engel mit Lametta im goldenen Haar durch den Raum schwebt und auf der Querflöte spielt.

Und mittendrin posiert die Pfarrerin persönlich auf den Höhen einer Malerleiter – mit rosaroter Brille, weißer Weste, Samthandschuhen und Heiligenschein. Es ist das neue Weihnachtsspiel aus der Feder von Pfarrerin Susanne Matthies, das an diesem Samstagvormittag in der altehrwürdigen Katharinenkirche in Eglosheim  geprobt wird.

Noch sitzt nicht alles ganz genau so wie es soll, aber immerhin flutscht das Stück auf einen Rutsch durch, und es bleibt ja noch Zeit für den Feinschliff.

Kommt der Text richtig rüber? Versteht man die Lieder? Wird die unterschiedliche Haltung der drei Jurymitglieder klar? Ist es hell genug? Ein paar Wochen vor dem großen Auftritt tun sich noch allerlei Fragen auf. „Ihr dürft nicht zu schnell sprechen. Lasst euch Zeit, macht Pausen, damit die Texte und die Show wirken können“, erklärt Susanne Matthies ihren Schauspielern.

Ansonsten ist sie schon ziemlich zufrieden mit dem Gezeigten, der Ablauf sitzt, die Rollen passen. „Dieses Jahr sind wir früher dran als sonst. Das macht die Adventszeit für uns ein bisschen ruhiger“, sagt die Pfarrerin der Kirchengemeinde Eglosheim, die schon einige Routine als Regisseurin hat. Bereits zum vierten Mal bringt sie ein Weihnachtsspiel für Erwachsene auf die Kirchenbühne, die Story und die Rollen dazu sind immer eigene Kreationen. „Es gibt einfach keine fertigen Stücke, die für unserer Zwecke passen würden“, betont sie.

Erdacht hat sich die Pfarrerin zusammen mit ihrem Mann nun ein Weihnachtscasting, inspiriert von den Talentshows voller Tänzer, Sänger und Models, die dieser Tage auf allen Kanälen laufen. Auch in der Katharinenkirche treten allerlei Kandidaten mit verschiedenen Kunstfertigkeiten auf, beurteilt von einer mehr oder weniger kritischen Jury, unterbrochen von nervigen Werbepausen und moderiert von der bezaubernden Isabelle, die durchs Programm führt und gleich zu Beginn dem Publikum erklärt: „Unsere Leitfrage an die Kandidatinnen und Kandidaten lautet dabei: Was bedeutet Weihnachten für Sie und was bewegt Sie dabei besonders?“

Gottlieb Baumann etwa, Verwaltungsbeamter im Ruhestand, plädiert melancholisch-schwärmerisch dafür, Omas Stollen während der Adventszeit noch im Keller zu lassen und die alten Weihnachtsbräuche wieder neu zu entdecken. Für Celeste ist Weihnachten etwas fürs Herz, weshalb sie im Engelskostüm „Stille Nacht“ tiriliert und flötet. Und Harry wiederum, der im wirklichen Leben der Mann von Susanne Matthies ist, singt als letzter der Kandidaten das Hohelied auf die Weihnachtsleckereien und das gute Essen, das ihm das Allerwichtigste während der besinnlichen Tage ist: „Kommt die Weihnachtszeit herbei, hab ich Lust auf Völlerei, Pfeffernüsse hier und ein Stollen da....“.

Gekommen ist Susanne Matthies die Idee mit den Weihnachtsaufführungen für Erwachsene vor einigen Jahren, nachdem ihre eigenen Kinder aus den klassischen Krippenspielen herausgewachsen waren. Fast 15 Jahre lang hatte sie diese Stücke zuvor in der Kinderkirche vorbereitet und aufgeführt. „Warum nicht auch mal für Erwachsene so etwas machen?“, habe sie sich hinterher gefragt, erzählt sie.

Im Jahr 2011 wurde in der Katharinenkirche dann Premiere mit dem Spiel „Die Konferenz der Engel gefeiert“, das so gut ankam, dass weitere Stücke folgten. „Seither machen wir das mit viel Freude und großem Zuspruch“, sagt Susanne Matthies.

Die Schauspielerei unter dem Kirchendach ist für alle Beteiligten zur lieb gewordenen Gewohnheit geworden, an deren Anfang stets eine Idee steht, die Susanne Matthies zusammen mit ihrem Mann in den Sommerferien entwickelt. Danach werden die Rollen ausgearbeitet und die Mitspieler angeworben, wobei die meisten Akteure Wiederholungstäter sind. „Es macht viel Spaß auf der Bühne zu stehen, außerdem kann man sich den Überredungskünsten unserer Pfarrerin kaum widersetzen“, erzählt mit einem Augenzwinkern Isabelle Brosche, die seit Beginn an zur Truppe gehört und in diesem Jahr die Moderatorin gibt.

Ob sie Lampenfieber habe? Eine gewisse Aufregung gehört irgendwie zur Schauspielerei dazu, findet sie. „Wenn ich merke, dass ich zu aufgeregt werde, suche ich den Blickkontakt zu jemandem aus dem Publikum. Meistens zu meiner Mutter“, verrät die 27-Jährige.

Für Alisa, Frieder und Jonas eignet sich diese Methode derweil nicht: Die Mutter der drei jugendlichen Laienschauspieler steht nämlich selbst auf der Bühne, als freischaffende Künstlerin Bianca, in deren Rolle Pfarrerin Susanne Matthies selber schlüpft. „Meine Kinder hatten nach den Krippenspielen einfach Lust, bei den Weihnachtsstücken für Erwachsene mitzumachen“, erzählt die Pfarrerin.

Nun steht der Name „Matthies“ gleich fünf Mal auf dem Besetzungszettel, was das Schauspiel ein wenig zum Familienprojekt macht. Anderseits würden sich dabei aber auch viele Menschen einbringen, auch hinter den Kulissen, die sich ansonsten nicht so in der Gemeindearbeit engagieren, betont Susanne Matthies. Sie sieht in dieser Art von Aufführung eine gute Form, um biblische Inhalte zu vermitteln. Das Weihnachtsspiel ist in einen Gottesdienst eingebettet. Dank der Aufführungen habe man auch am zweiten Weihnachtsfeiertag volle Kirchenbänke, erzählt die Pfarrerin.

Natürlich geht es bei allem auch darum, eine besinnliche Botschaft zu vermitteln, die Menschen auf diese besondere Art und Weise zum Nachdenken zu bewegen. „Weihnachten hat ganz verschiedene Seiten, jedem ist dabei etwas ganz anderes wichtig“, betont Susanne Matthies, die seit 2000 Pfarrerin an der Katharinenkirche ist. Sie will ihr Stück auch als Plädoyer dafür verstanden wissen, „sich von der christlichen Liebe inspirieren zu lassen und nicht nur an die Geschenke zu denken“. Oder, um es mit Frieder zu sagen, ihrem 16-jährigen Sohn, der im Stück Deutschlands jüngsten Kirchengemeinderat mit sozialkritischer Sicht und eigener Glaubensgewissheit spielt: „Weihnachten wird in der Krippe entschieden, nicht unterm Baum.“


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