Christliche Themen für jede Altersgruppe

Was ist Sucht?

Sucht ist der kleine Unterschied, der Alltagskonsum zur Krankheit macht, die ganze Familien und Leben zerstört. Ein Überblick, wie Drogen wirken, wieso Menschen Freiheit gegen Abhängigkeit tauschen und warum kaum jemand orangensaft- oder bügelsüchtig ist.

Foto: ClipDealer

Ich habe einen starken Willen. Ich könnte jederzeit aufhören«, sagt der 29-jährige Alexander. Doch schleichend passiert genau das Gegenteil: Aus einer Schachtel Zigaretten am Tag werden zwei, aus dem Feierabendbier wird die halbe Flasche Schnaps am Vormittag. Immer häufiger fehlt Alexander in der Arbeit, seine Freunde trifft er kaum noch. Mit Rausch scheint ihm sein Leben erträglicher. Und bald geht es nur noch darum, wie er an Geld kommt für Nachschub. Dass Alexander sich damit selbst schadet, und sich auch seine Eltern große Sorgen machen, das merkt der 29-Jährige zwar; aber, wie gegen das Zittern und gegen die Schweißausbrüche, hilft ihm auch gegen die Schuldgefühle der Griff zur Flasche.

Wer – wie Alexander – süchtig ist, verspürt eine »unwiderstehliche Hingezogenheit zu einem Stoff oder Verhalten«, erklärt Heribert Fleischmann, Nervenarzt, Suchtmediziner und Vorsitzender der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) in Hamm. Kernsymptom jeder Abhängigkeit ist der Verlust der Freiheit und Selbstbestimmung. Alexander lebt nur noch für sein Suchtmittel – ungeachtet der Schäden, die er damit sich oder anderen zufügt. Sie sind wesentlicher Bestandteil einer Sucht; ebenso wie der Zwang, die Dosis immer weiter zu steigern, oder  Entzugserscheinungen, wenn das Objekt der Begierde ausbleibt.

Während im Alltagsgebrauch schnell allerlei zur »Sucht« ernannt wird, ist die Wissenschaft deutlich strenger. »Viele Verhaltensweisen bekommen rasch die Bezeichnung ›Sucht‹, sind aber nicht wirklich ernst zu nehmen, da sie eher mehr oder weniger harmlose Gewohnheiten sind«, erklärt Hans-Jürgen Rumpf, Psychologe, Suchtforscher und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG Sucht) mit Sitz in Lübeck. Beispiele hierfür sind Sport, Shopping oder die Lust auf
Schokolade. Einfach alles zur Sucht zu erklären, könne Menschen wie Alexander, die tatsächlich unter Sucht im Sinne einer Krankheit leiden, unrecht tun, warnt Rumpf. Gewohnheiten sind daher von
einem krankhaft zwanghaften Konsum zu unterscheiden.

FORMEN VON SUCHT

Süchte werden in zwei Kategorien aufgeteilt: stoffgebundene und verhaltensgebundene. So sind medizinisch anerkannt die stoffgebundenen Abhängigkeiten von Alkohol und Tabak, von Medikamenten (insbesondere Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerzmittel auf Opioidbasis) und von illegalen Drogen (wie Cannabinoide, Kokain, Ecstasy, Halluzinogene). Dazu kommen die verhaltensgebundene Spielsucht und neuerdings auch die Computer- und Mediensucht. »Hier gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die die notwendigen Kriterien für ein klinisches Störungsbild zweifelsfrei nachgewiesen haben«, sagt Psychiater Fleischmann.

Mehr über das THEMA Sucht erfahren Sie in unserem neuen THEMA-Heft (Wege aus der) Sucht.

Definition von Sucht

Das Wort »Sucht« stammt vom althochdeutschen »suht« ab, das schlicht »Krankheit « bedeutete. Heute wird Sucht (auch: Abhängigkeit, Konsumstörung) mithilfe des WHO-Diagnoseklassifikationssystems (ICD) definiert. Demnach liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens drei dieser sechs Kriterien im vergangenen Jahr auftraten:

• Starkes Verlangen oder Zwang, die Substanz zu konsumieren

Kontrollverlust (über Menge und Zeitpunkt des Suchtmittelkonsums)

• Körperliche Entzugserscheinungen, wenn die Substanz reduziert wird

• Für die gewünschte Wirkung braucht es immer größere Mengen der Substanz

• Andere Interessen werden vernachlässigt, es zählt nur noch die Droge

• Trotz Wissen um die schädlichen Folgen wird weiterkonsumiert

SuTHEMA-Heft-Suchtcht - das verschwiegene Thema.


Wann wird aus einer Gewohnheit ein zwanghaftes Verhalten? Wie soll ich mich verhalten, wenn ich das Gefühl habe, dass ein Angehöriger in die Suchtfalle tritt?  Was kann alles zur Sucht werden?

Der erste, entscheidende Schritt, um Süchten zu begegnen, ist sie nicht im Verborgenen zu lassen und sich zu informieren. Das ist das Anliegen des neuen THEMA-Heftes. Es hilft, seine Gewohnheiten zu hinterfragen und ist ein besonderer Ratgeber für Betroffene und Angehörige.

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