Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie aus dem Bilderbuch

Deufringen/Dachtel (Dekanat Böblingen) – „Kommt und geht mit“ so lautet die Aufforderung der Evangelischen Kirchengemeinden Deufringen und Dachtel für ihren lebendigen Adventskalender. ­Immer dienstags, donnerstags und sonntags um 18 Uhr öffnet sich ab dem 2. Dezember bis einschließlich 23. Dezember ein Adventsfenster. Da staunen nicht nur Kinder.  


Den Sinn des Schenkens thematisierte im Jahr 2011 ein Fenster, das andere zeigt die Weisen, die dem Stern folgen. (Foto: Kirchengemeinde)

Manchmal ist das Fenster alt, klein und durch ein hölzernes Fensterkreuz geteilt, wenn sich die Klappläden öffnen und hell erleuchtet ein adventliches Motiv erscheint. Manchmal ist es schlicht und modern aus Aluminium. Egal ob alt oder neu: Der Rollladen wird ratternd hochgezogen, und das Motiv ist wie aus einem Weihnachtsbilderbuch. Manchmal ist das Adventskalender-Türchen sogar riesengroß, weil sich vor den Menschen ein Garagentor öffnet und draußen ein „Oooh“ ertönt.

Seit vier Jahren gibt es in Deufringen und Dachtel diesen lebendigen Adventskalender. Der Gedanke schlummerte schon lange in Sabine Horn, Leiterin des Frauenkreises, dann äußerte sie ihn in dieser Gruppe und stieß auf Begeisterung. Mit den Planungen konnte begonnen werden. Dass es mit so viel Arbeit verbunden sein würde, hätten sich die Frauen am Anfang nicht gedacht. Aber dass es sich gelohnt hat und die Menschen in Deufringen und Dachtel nun immer schon auf diese besondere vorweihnachtliche Zeit warten und sich darauf freuen, das entschädigt die Frauen für alle ihre Mühen.

Da sind die Kinder, die mittlerweile schon fragen, wann sich das erste Fenster wieder öffnet. Und sie meinen damit nicht ihren eigenen Schokoladenkalender, sondern die Fenster in der Nachbarschaft, zu denen alle erst einmal hinlaufen müssen, und bei dem eine Geschichte erzählt, gesungen, manchmal sogar musiziert wird. Da sind die Eltern, die mit ihren Kindern von Fenster zu Fenster ziehen, weil es um 18 Uhr mit dem Kirchengeläut auch so kindgerecht und geschickt terminiert ist.

Hernach gibt es vielleicht daheim noch einen warmen Tee oder Kakao und wie nach dem Sandmännchen heißt es dann für die Kleinen „­husch, husch ins Bett“. Außerdem dauert es nie zu lange für Kinder. „Wir haben uns ein Zeitlimit von 20 Minuten gesetzt“, erklärt Sabine Horn: „Das ist gut für die Kinder aushaltbar, und wenn das Wetter schlecht ist, es regnet oder schneit, dann sind 20 Minuten genug.“

Aber da ist auch jedes Jahr dieser ältere Mann. Er war noch nie in der Kirche, kommt aber zu diesem Adventskalender. Freilich nicht jedes Mal und wenn, dann steht er meist in der hinteren Reihe. Kaum sind die Segensworte verklungen, ist er auch schon wieder verschwunden. „Ich halte schon immer Ausschau nach ihm und wenn ich ihn sehe, wird es mir warm ums Herz“, erzählt Sabine Horn. Ob dieser Mann vielleicht selbst einmal ein solches Fenster gestalten könnte. Er ist zu schnell weg, als dass man ihn fragen könnte. Aber in der Tat: Die Adventskalendervorbereitungen beginnen immer genau mit dieser Frage: Wer gestaltet denn in diesem Jahr ein Fenster?

Da gibt es diejenigen, die immer dabei sind, durchaus aber auch bereit wären, ihren Part an jemand Neuen abzugeben, und es kommen neue Akteure hinzu. Wie beispielsweise in diesem Jahr die neuapostolische Kirche. Die evangelische Pfarrerin Susanne Haag hatte nichts dagegen einzuwenden, wie Sabine Horn berichtet: „Wir sind von Anfang an ökumenisch gewesen, denn auch katholische Bürger schmücken immer wieder ein Fenster.“ Zum einen geschehe dies bewusst, weil in diesem Bereich die Ökumene sehr gut gelebt werden kann ohne große inhaltliche Diskussionen. Auf der anderen Seite merkt es auch nur der Eingeweihte, denn weder den Häusern noch den Menschen ist es anzusehen, ob sie katholisch, evangelisch oder wie in diesem Jahr neuapostolisch sind.

Zum ersten Mal mit im Boot ist als Ort für ein Fenster auch das Rathaus. Ortsvorsteherin Christel Walz hat einen Erker gleich am Eingang zur Verfügung gestellt mit drei geteilten Fenstern. „Aber ausgestalten, das müsst Ihr schon selber, meinte sie.“ „Aber zuerst will ich es putzen“, tönte es gleich von der Hausmeisterin.

Von Anfang an mit dabei ist Marga Mohr, bei ihr gibt es immer wieder die biblischen Figuren hinter dem Fenster, die hat sie aus Draht gefertigt, dann mit Filz ummantelt und Kleider genäht. In diesem Jahr stellt sie die drei Weisen aus dem Morgenland dar. „Das dürfen Sie jetzt ruhig schreiben“, sagt sie, und hat die Figuren für das Foto schon mal aufgestellt. Denn ansonsten ist es nämlich ein streng gehütetes Geheimnis, was sich hinter dem Türchen verbirgt.  Sonst wäre ja auch die Überraschung weg.

Wer sein Fenster aufwändig gestaltet, verschließt es während der ganzen Zeit mit dem Laden. „Meine Freundin hat mich schon getadelt, dass ich nur das kleine Fenster an der Seite für den Adventskalender zur Verfügung stelle“, erzählt Marga Mohr, „aber am großen Küchenfenster geht es nicht, ich kann doch nicht eine Woche mit geschlossenem Fensterläden in der Küche hantieren.“

Sabine Horn und Silke Wacha – auch sie ist von Anfang an in der Organisation – lösen das Problem am Rathaus, an dem es keinen Rollladen gibt, indem sie erst am Nachmittag die Fenster ausgestalten. Richtig zur Geltung kommt es sowieso erst, wenn es beleuchtet ist, denn die beiden Frauen wollen die Fenster mit Motiven bekleben, die dann hell strahlen.

Was, das verraten die beiden aber nicht. Bei der Motivwahl gibt es zwar Vorschläge, aber die Macher dürfen auch selbst die Motive wählen, so wie zwei Konfirmanden, die mit den althergebrachten Methoden wenig am Hut hatten und fragten, ob sie auch etwas mit Graffiti machen dürften. Es ist eines der Lieblingsmotive von Sabine Horn, die alle Adventsbilder fotografiert hat.

Ist ein Fenster erst einmal offen, bleibt es das bis zum 6. Januar und ist bis 20 Uhr beleuchtet. Nur einmal klappte es nicht, denn das Fenster war mit Lebkuchen dekoriert, die die Gastgeber noch am selben Abend großzügig verteilten. Somit war dieses Adventsfenster ganz schnell leergevespert.

Ein Ortsplan mit allen Fenstern hängt an der Ortsverwaltung Deufringen, so dass auch Ortsfremde den Weg finden. Und warum es nicht 24 Kalenderfenster gibt? „Es wäre zu viel, denn das würde auch bedeuten, dass die Menschen an 24 Tagen jeden Abend kommen sollten“, sagt Sabine Horn. „Wir möchten aber eine besinnliche, keine stressige Adventszeit haben“, sagt auch Pfarramtssekretärin und Mesnerin Monika Motzke und so heißt es in diesem Jahr eben nur elfmal „Kommt und geht mit.“





Information

Nicht nur in Deufringen und Dachtel öffnen sich in diesem Jahr die Adventskalendertürchen. Es gibt noch andere Gemeinden:

Hülben: Die Kirchengemeinde und der CVJM im Dekanat Bad Urach laden seit 2009 vor Häusern, an verschiedenen Plätzen und Orten ein.

Neckarwestheim: Zum dritten Mal wird dort im Dekanat Besigheim ein lebendiger Adventskalender täglich ab 11. Dezember, 18 Uhr, angeboten.

Roßwag: Die Kirchengemeinde im Dekanat Vaihingen/Enz lädt vom 1. bis 23. Dezember um 18 Uhr vors Rathaus ein.

Fellbach: Auch dort im Dekanat Waiblingen gibt es einen erlebbaren Adventskalender, mit dem der CVJM neue Aspekte von Advent und Weihnachten erleben lassen will.

Stetten/Filder: Die Kirchengemeinde im Dekanat Bernhausen wandert vom 1. bis 23. Dezember  um 18 Uhr von Fenster zu Fenster.



Eine Übersicht im Internet unter www.lebendiger-adventskalender.de

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