Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, kündigt überraschend seinen Rücktritt an: Seine Frau ist an Krebs erkrankt; ihr will er beistehen.

Nikolaus Schneider
Nikolaus Schneider, seit 2010 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, legt sein Amt nieder. (Foto: epd)

Über ihre Ehe haben Anne und Nikolaus Schneider ein Buch geschrieben. Sie waren stets gastfreundlich. Und als 2005 die Tochter Meike an Leukämie starb, wandte sich das Paar an die Öffentlichkeit. Betroffenen machten sie Mut, verbreiteten neue Hoffnung. Nun ist Anne Schneider selbst schwer erkrankt. Und der rheinische Pfarrer, der seit 2010 an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) steht, kündigte jetzt an, zur nächsten EKD-Synode, die im November in Dresden tagt, von allen Kirchenämtern zurückzutreten. „Wir haben ein schweres Jahr vor uns“, sagte Schneider. „Während der nun beginnenden intensiven Therapien will ich für Anne da sein.“ So viel Zeit wie möglich wolle er mit der Familie verbringen. „Dieser Wunsch ist mit meinen EKD-Ämtern nicht zu vereinbaren.“

Für die EKD ist das wie ein Blitz aus heiterem Himmel. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt der Bremische Schriftführer Renke Brahms. Der EKD geht mit Schneiders Entscheidung wieder einmal ein wichtiger Repräsentant verloren: 2010, als Schneider das Spitzenamt übernahm, folgte er auf Margot Käßmann. Im vergangenen Jahr legte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, ihr Amt an der Spitze des Kirchenparlaments nieder – und erst im zweiten Anlauf fand die EKD mit der pensionierten Bundesministerin Irmgard Schwaetzer eine Nachfolgerin.

Als Ratsvorsitzender war Nikolaus Schneider nur mäßig erfolgreich: Die Medienpräsenz eines Wolfgang Huber oder einer Margot Käßmann erreichte er nie. Im Rat der EKD sorgte er für Ärger, als er sich aus seelsorgerlichen Gründen für eine vorsichtige Öffnung der Präimplantationsdiagnostik einsetzte, obwohl die Mehrheitsposition dagegen war.

Die einzige wirklich bedeutende Veröffentlichung der Protestanten in den letzten Jahren, das im vergangenen  Sommer vorgestellte Familienpapier, geriet zum Flop. Protestanten wie Katholiken verstanden die damit vorgenommene Aufwertung homosexueller Partnerschaften als Relativierung der Ehe. Nikolaus Schneider musste zurückrudern.

In Kirchenkreisen gelten deswegen schon längst andere als Hoffnungsträger. In erster Linie der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Seit dem vergangenen Herbst gehört er bereits dem Rat der EKD an.  Doch es kämen auch noch andere Kandidaten in Frage: Der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister etwa. Und eine Premiere wäre es, würde das Amt vom Bischofsposten gelöst, und an einen Vertreter der universitären Theologie übergeben, etwa den Berliner Professor Christoph Markschies.

Wichtig aber ist vor allem Eines: Einen Übergangskandidaten kann sich die EKD nun nicht mehr leisten. Denn in knapp drei Jahren steht sie vor einem Großereignis, dem 500. Jahrestag der Reformation. Da braucht es einen starken, öffentlich wahrnehmbaren Ratsvorsitzenden.

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