Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zwei Kirchen – eine Stiftung

LEONBERG – Um die Stadtkirche und die Michaelskirche langfristig erhalten zu können, haben sich zwei Kirchengemeinden zu einer Stiftung zusammen geschlossen. Schirmherren sind der ehemalige VfB-Präsident Erwin Staudt sowie Helmut Rilling, langjähriger Leiter der Bachakademie. Das Konzept hat beim Fundraisingpreis in der Kategorie „Stiftungen“ den ersten Preis bekommen. 


Dekan Wolfgang Vögele und Pfarrerin Claudia Trauthig freuen sich über die Stiftung, die für die Stadtkirche in Leonberg und die Michaelskirche in Eltingen gegründet wurde. (Foto: Dorothee Fauth)

Sie begleiten Menschen von der Taufe bis zum Tod, sehen Generationen und Jahrhunderte kommen und gehen, bewahren Kunstschätze und Gebete: historische Kirchen wie die Stadtkirche Leonberg und die Michaelskirche im Ortsteil Eltingen. Doch der Zahn der Zeit, der an ihren Mauern nagt, frisst auch die Finanzen der Kirchengemeinden. Nun sind die schützenswerten Kleinode unter die Fittiche einer gemeinsamen Stiftung geschlüpft. „Es war ein Gebot der Stunde“ sagt Claudia Trauthig, Pfarrerin der Michaelskirche, „nicht zuletzt aufgrund sinkender Gemeindemitgliederzahlen.“

Kirchenstiftungen sind so alt wie die Kirchengeschichte. Das Besondere am  Leonberger Konzept ist, dass zwei Kirchengemeinden eine gemeinsame Stiftung gründeten. „Das war schon eine besondere Herausforderung“, sagt die Pfarrerin, „denn jede Gemeinde hat ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Selbstbewusstsein.“ So galt es nicht nur, ein gemeinsames ansprechendes Logo zu finden, sondern auch eine professionell gestaltete Broschüre zu erarbeiten, die das Gemeinsame betont und dabei der Eigenständigkeit beider Kirchengemeinden gerecht wird.

Anstifter der Stiftung war eine Arbeitsgemeinschaft, die bereits 2008 erstmals über die Finanzierung erhaltenswerter Gebäude nachdachte. „Wir wollten zu Kirchensteuer und Zuschüssen der Landeskirche eine dritte Säule aufbauen, die uns Luft verschafft“, erklärt Mitinitiator Wolfgang Vögele, Dekan des Kirchenbezirks Leonberg. Geld, das nicht einmalig, sondern dauerhaft zur Verfügung steht – aufgeteilt in ein Grundstockvermögen, aus dessen Zinsen der bauliche Erhalt der beiden Kirchen bestritten wird, sowie ein Verbrauchsvermögen für die Ausstattung oder einen Orgelneubau. Ziel war und ist es, zwischen der Auftaktveranstaltung im Frühjahr 2014 und der Stiftungsgründung ein Jahr später ein Kapital von 200.000 Euro aufzubauen, das sich bis 2025 auf eine Million Euro erhöhen soll. Dabei wurde ein Gründungsstifterbeitrag von mindestens 2000 Euro festgesetzt. „Er sollte schon ein Gewicht haben“, sagt Vögele.

Für dieses Ziel haben sich die Stiftungsgründer, unterstützt von prominenten tatkräftigen Schirmherren – dem ehemaligen VfB-Präsidenten Erwin Staudt sowie dem langjährigen Leiter der Stuttgarter Bachakademie Helmuth Rilling –, mächtig ins Zeug gelegt. Mit einem Benefizkonzert, Lesungen sowie einem musikalisch-literarischen Abend haben sie schon auf sich aufmerksam gemacht. Weitere so unterhaltsame wie hochkarätige Veranstaltungen sollen folgen, bei denen sich die beiden Kirchengemeinden „mischen und gegenseitig durchdringen“. Das sei auch eine Chance, meint Pfarrerin Trauthig, aus dem gewohnten Trott auszusteigen.

Die ersten zehn Gründungsstifter wurden sogar exklusiv zu einem Essen eingeladen, bei dem der Oberbürgermeister Schuler kellnerte. „Als wir kurz vor Ende des Gründungsjahres eine Turmbegehung mit Sekt und einem Essen veranstalteten, brachte uns das innerhalb von zwei Wochen 29.000 Euro“, erzählt Dekan Wolfgang Vögele stolz. Kommunikation und Ideen mit Strahlkraft, da sind sich die Pfarrerin und der Dekan einig, sind der Schlüssel, um im Gespräch zu bleiben und weitere Zustifter zu gewinnen.

Rund 80 Prozent der Stifter sind Privatpersonen. Wie tief diese Menschen mit ihren Kirchengebäuden verbunden sind, davon kann Pfarrerin Claudia Trauthig viele Geschichten erzählen. Wie jene von der alten Dame, die ihre spärlichen Finanzen hin und her gerechnet hat, bis sie den Betrag von 2000 Euro zusammenkratzen konnte, um Stifterin zu werden.

Der Erfolg gibt dem Konzept recht. Stand März 2016 betrug das Stiftungsvermögen bereits 426.000 Euro. Davon profitieren auch die Turmfalken, die seit 15 Jahren im Turm der Michaelskirche nisten. Für ein Interview waren sie nicht zu erreichen. Aber der Mesner hat einen guten Draht zu den kleinen Greifvögeln: „Die finden das super.“

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