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Aus dem Mund des Volkes
Karl Haag

Der Sprachgelehrte Karl Haag überwand in der Mundartforschung das völkische Denken

 

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20.01.08 00:00 Alter: 3 yrs

Amerikanische Stiftung macht in Berlin Stimmen von Nazi-Opfern sichtbar und hörbar

Kategorie: Aktuelle Nachrichten

SUSANNE FETZER

Karoline, Inge und Max Krakauer

Karoline, Inge und Max Krakauer

Karoline, Inge und Max Krakauer

Karoline, Inge und Max Krakauer

Wenn die große Weltgeschichte erzählt wird, dann stehen meist die Täter im Mittelpunkt. Auch bei der schrecklichen Geschichte des Dritten Reiches ist das so. Zu kurz kommen oft die Opfer und ihre Geschichten. Beim „Visual History Archive“ (sichtbares Geschichtsarchiv) der kalifornischen „Shoah Foundation“ ist das anders. In diesem weltweit größten Video-Archiv zum Thema Holocaust bekommen die Opfer Stimme und Gesicht.

Im Jahr 1994 gründete der Regisseur Steven Spielberg eine Stiftung mit dem Ziel, möglichst viele Interviews von Holocaustüberlebenden zu sammeln. Den Anstoß dazu erhielt er durch Reaktionen auf seinen Film „Schindlers Liste“. Rund 52000 Menschen erzählten in den folgenden Jahren vor laufender Kamera ihre Geschichte. Der größte Teil von ihnen waren Juden, aber auch Sinti, Roma, Homosexuelle oder Zeugen Jehovas kamen zu Wort. Manche von ihnen sprachen zum allerersten Mal über ihre Erlebnisse im Dritten Reich. 120000 Stunden Filmaterial kamen so zusammen. Seit rund einem Jahr können sie auch an der Freien Universität in Berlin – als einzigem Ort in Europa – angeschaut werden.

Wer die Wahrheit liebt ...

„Ich hatte nie Angst vor irgendjemandem.“ Inge Stutzel ist eine resolute Frau und man glaubt ihr diese Aussage sofort. In einem englisch geführten Interview aus dem Jahr 1997 erzählt die Tochter des jüdischen Ehepaares Max und Karoline Krakauer ihre Seite der Geschichte. 1920 wurde Inge Krakauer in Leipzig geboren, ihre Eltern waren wohlhabend, die Kindheit glücklich.

Das änderte sich spätestens, als 1933 Adolf Hitler an die Macht kam. Inge erlebte mit, wie Männer in Uniform ihren Vater 1933 aus dessen Büro warfen. Die Reichspogromnacht und die drohende Verhaftung ihres Vaters, seine vorübergehende Flucht nach Berlin – davon erzählt die zum Zeitpunkt des Interviews 77-Jährige ruhig und konzentriert. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer die Wahrheit liebt, kommt schnell auf den Punkt.

Während Max und Karoline Krakauer sich in den 30er Jahren vergeb-lich um eine Ausreisemöglichkeit bemühten, konnte Inge im Januar 1939 nach England emigrieren. Sechs lange Jahre blieben Eltern und Tochter ihrem jeweils eigenen Schicksal überlassen. Max und Karoline Krakauer konnten in Berlin, Pommern und in Württemberg untertauchen. 77 Stationen umfasste ihre Flucht, sie wurden in vielen Pfarrhäusern aufgenommen. Inge dagegen fand Arbeit in einem Haushalt und in einer Bäckerei in Leeds. Später wohnte sie in Manchester, arbeitete in einem Camp. Sie heiratete, bekam einen Sohn.

... kommt schnell auf den Punkt

Erst nach Ende des Krieges erfuhr sie, dass ihre Eltern überlebt hatten. Sie reiste nach Stuttgart. Zum Empfang am Bahnhof brachte Max Krakauer einen seiner Retter mit. Doch Inge konnte dem Mann nicht die Hand geben, sie sah in ihm in Gedanken einen Nazi in Uniform. Es brauchte Jahre, bis sie bereit war, die Helfer ihrer Eltern kennen zu lernen. Doch dann entwickelten sich Freundschaften. „Ihr habt meinen Glauben an die Menschheit wieder zum Leben gebracht“, schrieb sie später an einen der Fluchthelfer.

Es sind diese persönlichen Geschichten, die die Weltgeschichte anschaulich machen. Darin liegt der große Wert des Videoarchivs. Unzählige Schlagworte und die Unterteilung der Filme in einminütige Sequenzen bieten vielschichtige Möglichkeiten zur Suche. In erster Linie soll das Archiv Studierenden, Lehrenden und Schulklassen zur Verfügung stehen. Aber auch Privatpersonen können nach Rücksprache mit den Mitarbeitern dort recherchieren. Zeitzeugen und Opfer haben hier eine Stimme über ihren Tod hinaus. Auch Inge Stutzel kann nicht mehr reden. Sie starb 2001 in den USA.  

 


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