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Karl Haag

Der Sprachgelehrte Karl Haag überwand in der Mundartforschung das völkische Denken

 

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Pfadfinderlager auf dem Schachen führt 1000 Jugendliche zusammen

Jugendliche in einem Pfadfinderlager

Jugendliche in einem Pfadfinderlager

Das Duschen fällt aus, die Zähne werden erst morgen geputzt. Und wenn es regnet? Dann wird man halt nass. Tagsüber gilt: Wandern, toben, basteln, spielen. Und singend bis in die Nacht hinein am Lagerfeuer sitzen. Rund 1000 Jugendliche leben gerade so im Landeslager der Pfadfinder  auf dem Schachen über dem Lautertal bei Münsingen-Buttenhausen.

Eine riesige Zeltstadt ist auf dem Schachen entstanden: 150 Zelte beherbergen gut 1000 Jugendliche, darunter die Lagerkirche, das Café Bohne, der i-Punkt für alle wichtigen Informationen und dem Lagermarkt, der einem organisatorischen Wunder gleicht. Die Zelte sind schwarz mit beweglichen Öffnungen nach oben, denn in ihnen wird gekocht – auf offener Feuerstelle.

Wohin das Auge auf diesem Platz auch reicht: Hier haben Kinder und Jugendliche das Zepter in der Hand, hier laufen die Uhren anders. Hier bleiben Füße dreckig. Manch einer mag sich ein wenig zurückträumen in Jahre, in denen Luxus eine nicht so bedeutende Rolle gespielt hat: Als das Gras noch nicht so piekte, Mücken nicht eklig waren, die nackten Füße wohlig im Schlamm patschten, der Kopf nach drei Tagen ohne Dusche trotzdem nicht juckte, Durst sorglos mit Wasser aus dem Bach gelöscht, mit nassen Haaren und nassem Hemd bei Regen im Freien gespielt wurde.

Isomatten, Handtücher, Schlafsäcke, Getränkeflaschen, Schuhe und Kekse, Geschirr und Töpfe, es ist ein Meer von bunt durcheinander gewürfelten Utensilien inmitten von hochgeschlagenen Zelten. Doch wer hier auf dem Schachen nur den geringsten Chaos-Gedanken hegt, liegt daneben: Pfadfinder leben nach genauen Regeln, haben ihre Pflichten zu erfüllen und sind stets ins Lagerprogramm eingebunden. Vom Kochen bis zum Küchendienst und Putzen der Duschen und Toiletten ist alles dabei. So manch ein Bub hat hier das allererste Mal weit weg von Mamas Herd alleine Nudeln gekocht.

Es sind die kleinen Dienste

Und damit ist man schon bei den Wurzeln des Pfadfindergedankens: Vor gut 100 Jahren schlugen Pfadfinder in England ihr erstes Zeltlager auf. Baron Baden-Powell hatte den Gedanken, Jugendlichen die Natur und ihre Regeln näher zu bringen. Gesellschaftliche Unterschiede sollten überwunden werden und Erziehung zur Selbständigkeit und Persönlichkeitsentwicklung Früchte tragen. Dieses alles sollte durch Lernen beim Tun und durch Vorbilder älterer Jugendlicher erreicht werden.

Es ist das Aufschlagen eines Zeltes oder das Anzünden eines Feuers, es sind die kleinen Dienste und täglichen Notwendigkeiten, nach denen sich eine so große Gemeinschaft richten muss. „Die Kleinen eifern den Großen nach, sie schauen zu, wollen lernen, müssen anpacken und nehmen das Tun von Jugendlichen, die wenig älter sind, ganz anders an als die Hinweise von Erwachsenen“.

Wie bei den Inkas

Wer sich nun fragt, weswegen manch eine das Pfadfinderhalstuch über einem Badeanzug trägt oder das blaue Einheits- T-Shirt nicht mehr ausziehen mag, weswegen Pfadfinder überhaupt eine Uniform tragen, wird mit sicherer Antwort überrascht: „Es ist eine Tracht und keine Uniform“, heißt es einstimmig. Darauf ist man stolz und daran erkennt man die Zusammengehörigkeit.

Im Landeslager auf dem Schachen leben Pfadfindergruppen aus den unterschiedlichen Städten und Gemeinden,  die  man  hier  Stämme nennt, in Teillagern. Die Gruppen organisieren den Tagesablauf eigenständig, kochen selbst und regen auch die internationalen Teilnehmer an, nach deutschen Regeln den Müll zu trennen. Kleine Gruppen kommen aus Kairo in Ägypten und aus Tschechien und Norwegen. Aus Israel ist eine drusische Jugendgruppe gekommen. Schweden und Griechen sind auf der Alb. Die Verständigung erfolgt auf Englisch und funktioniert einwandfrei.

Alle Gruppen planen ihr eigenes Programm, das aber ins gemeinsame Lagerprogramm eingebunden ist. „Dieses Jahr ist geprägt von der Inka-Spielidee“, sagt Andreas Hamm vom Organisationsteam. „Die Spielwelt ist der rote Faden zwischen einzelnen Programmpunkten und ermöglicht allen eine Erlebnis- und Erfahrungswelt auf spielerische Weise zu entdecken.“ Und damit trifft sich das aus 1000 Pfadfindern bestehende Volk der Inka auf dem Schachen, dem Zentrum des Reiches, um ein traditionelles Sonnenfest zu feiern. Zehn Tage vorher beginnen die Jugendlichen als junge Handwerker, Kunsthandwerker, Baumeister, Bauern und Gelehrte mit den nötigen Vorbereitungen, zeigen ihr Geschick und Können und wetteifern untereinander.

Grundlegende Erfahrungen

Alles das funktioniert ohne Handy, MP3-Player oder Gameboy, ohne Computer und ohne Fernsehen. Ein großes Reich, das alle Sinne öffnet, Tage zum Auswildern und Ausleben. Eine Zeit, in der heimische Regeln über den Haufen geworfen werden, in der man andere Regeln gelten lässt, Verantwortung sucht und übernimmt. „Pfadfinderische Erziehung setzt aufs Lernen durch Erleben und elementare Erfahrung“, sagt Hamm. „Junge Erwachsene sollen zunehmend eigenständig entscheiden und handeln können. Aus diesem Erleben wächst ein Gewinn an Kenntnissen, Fertigkeiten und Lebenseinstellungen. Entdecken, Erproben und Handeln, das fördere den Prozess, sich der Welt mit offenen Augen, kritischem Geist und überzeugender Entschlossenheit zuzuwenden.

Draußen und zusammen

Junge Menschen sind mehr denn je zum Engagement und zur Übernahme von Verantwortung bereit, sofern sie den richtigen Zugang finden. Was im Internet an Wilderlebnisseminaren oder elementaren Erfahrungskursen für viel Geld angeboten wird, erfahren Kinder und Jugendliche bei den Pfadfindern ganz nebenbei in einer großen Gemeinschaft und in der kleinen der Gruppe. „Wir sind draußen, wir sind zusammen, wir singen und spielen, die Gruppe hält zusammen, wir haben Spaß und alles ist so locker und heiter“, sagen sie.

 


Brigitte Scheiffele



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