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Auf den Spuren der Mönche
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Petra Ziegler

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Kurioses aus Kirche und Internet Frisch Fromm Frei präsentiert interessante, aber auch skurrile christliche Internetangebote und Nachrichten – wenn auch "anders verpackt". Die "frischen vier Minuten" sind eine Kooperation des Evangelischen Medienhaus und der Evangelische Gemeindepresse GmbH in Stuttgart.

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Thema der Woche


Geist, der das Leben bestimmt

Gott in allen Dingen suchen und finden oder wie christliche Spiritualität praktisch wird

Kreuz am Wegesrand

Kreuz am Wegesrand

Sie wollen sich, ihr Leben und die Geschehnisse im Alltag verstehen? Mehr noch: Sie wollen wissen, worin der Sinn der schönen oder schweren Ereignisse liegt, die Sie betreffen? Sie finden Antworten. Manchmal in ganz kurzen Sätzen.

Stellen Sie sich vor, es ist Freitag, der 13. August 2010. Herr M. freut sich auf das Wochenende. Er will mit seiner Familie ins Grüne fahren. In der Natur sein, den Vogelstimmen lauschen, abends den Sternenhimmel betrachten, all das wird er genießen. Er gehört keiner Kirche oder Religion an, doch in solchen Momenten fühlt er sich eins mit Gott und dem Universum. Frau K. dagegen wird heute nichts Besonderes unternehmen. Es ist ja Freitag der 13. In ihrem Horoskop hat sie zwar gelesen, sie solle sich ruhig mehr zutrauen. Aber an so einem Tag will sie das Schicksal nicht herausfordern. Anders Herr G.: Gelassen kommt er ins Büro. Er hat am Morgen schon eine Stunde meditiert. Das hilft ihm, die Hektik des Alltags besser zu bestehen und achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen.
Die drei Menschen leben Spiritualität im Alltag auf ganz verschiedene Weise. Den christlichen Glauben brauchen sie dazu nicht. Doch sie  ahnen oder wissen: Die Welt ist mehr als Materie und kein Mensch lebt vom Brot allein. Wir brauchen etwas, das größer ist als wir selbst.
Viele fragen und suchen danach; das Interesse an „Spiritualität“ ist groß in unseren Tagen. Spiritus, das lateinische Wort für „Geist“, steckt darin. Es geht also um die Frage: Welcher Geist bestimmt mein Leben? Und wie kommt das, was ich glaube, in meinem Tun und Lassen zum Ausdruck? „Frömmigkeit“ hieß das früher oder auch „geistliches Leben“.
Christliche Spiritualität will den Alltag im Geist Jesu Christi gestalten. Sie erwächst aus dem Glauben an Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Im Unterschied zu vielen anderen Weisen spirituellen Lebens richtet sich unser Glaube auf ein göttliches Du, genauer gesagt: auf den Gott, der aus Liebe zu uns Mensch wurde, um uns und diese Welt zu erlösen. Wie wirkt sich dieser Glaube nun aus auf das Leben an jenem Freitag, dem 13. August 2010. Vielleicht so: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud … an deines Gottes Gaben“, sagt sich Frau N. und bricht auf zu einem Spaziergang. Im Paul-Gerhardt-Jahr 2007 hat sie dieses Lied (Evangelisches Gesangbuch 503) neu entdeckt. Mit offenen Sinnen geht sie durch Wald und Wiesen wie einst der Liederdichter. Von ihm lernt sie, die Schönheit der Schöpfung auch als einen Vorgeschmack auf die himmlische Welt zu sehen (Strophen 9 bis 11). Und der Gedanke, dass sie schon jetzt „ein guter Baum“ und eine schöne Blume (Strophe 14) im Garten Christi sei, gefällt ihr. Mit diesem Lied wird ihr Spaziergang zum Gottesdienst.
Herr L. sitzt mit schwerem Kopf über den Geschäftszahlen. Harte Monate liegen hinter ihm. Mehrere Mitarbeitende mussten entlassen werden. Manche gaben ihm die Schuld. Die Verantwortung bedrückt ihn. Auch die Vorwürfe, obwohl er weiß, dass sie nicht berechtigt sind. Seit dem letzten Sommer waren die Auswirkungen der Finanzkrise deutlich spürbar. „Gott, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen“. Wo hat er das nur gehört oder gelesen? Ach ja, vor einiger Zeit stand es im Schaukasten am Pfarrhaus. Er kann sich nicht vorstellen, wie das gehen soll: Last in Segen. Trotzdem ist dieser Gedanke plötzlich da. Er nimmt ihn auf, macht ihn zu seinem Gebet – für die Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, für die Angestellten seiner Firma, für sich selbst. „Segen – das ist mehr als Erfolg“, denkt er, „manchmal wohl auch etwas anderes.“
Frau S. ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Ihr Mann hatte einen Verkehrsunfall und erlitt einen komplizierten Beckenbruch. Gott sei Dank, sind die inneren Organe und die Wirbelsäule heil geblieben. Trotzdem ist sie sauer auf Gott. Warum hat er das zugelassen? Sie hatten sich so auf den Urlaub mit den Kindern gefreut! „Gott, ich verstehe dich nicht!“, seufzt sie. Vorgestern, am Tag des Unfalls, las sie morgens im Herrnhuter Losungsbuch: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2. Korinther 12,10) So ein Quatsch, dachte sie. Dann kam die Nachricht von dem Unfall. Schwach sein – das erlebt sie jetzt. Ob daraus eine neue Stärke werden kann? Wie hieß das doch noch mal? „Der Herr ist meine Stärke … und mein Heil.“ Lieber Gott, das musst du mir erklären!
Christliche Spiritualität lebt aus dem Evangelium. Sie braucht die Bibel. Denn dort ist aufgeschrieben, wie Gott sich Menschen bekannt gemacht hat. Am deutlichsten zeigt er sein Gesicht in Jesus Christus. Der Evangelist Johannes kann sogar sagen: In ihm ist Gottes Wort Fleisch geworden, ein Mensch von Fleisch und Blut, und wohnte unter uns. (Johannes 1,14) Heute wohnt er unter Menschen, die dieses Wort in ihr Leben aufnehmen. Das ist eine spannende Angelegenheit. Denn die Worte der Bibel können auch fremd und kalt bleiben. Erst Gottes Geist macht sie lebendig, so dass uns durch die gedruckten Worte Gott selbst anspricht. Dies ist immer wieder ein Wunder. Wir können es nicht herbeiführen. Aber wir können uns dafür öffnen, indem wir den Worten der Bibel unsere Aufmerksamkeit schenken.
Vielen sind die Herrnhuter Losungen vertraut: Für jeden Tag ein Bibelvers aus dem Alten und einer aus dem Neuen Testament. Es ist gut, diesen Worten einige Minuten still nachzulauschen mit der Frage: Gott, was willst du mir heute sagen oder zeigen? Ich selbst habe mich viele Jahre an die fortlaufende Bibellese gehalten. Dabei werden im Verlauf von vier Jahren das gesamte Neue Testament und in acht Jahren auch die Bücher des Alten Testaments gelesen.
Mittlerweile nehme ich mir gern mehrere Tage Zeit für einen einzigen Text, etwa das Evangelium oder den Predigttext des Sonntags. So können mich die Worte tiefer erreichen. Ein Beispiel: „So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ (Jakobus 5,7-8,)
Geduld. Mir kommen Situationen in den Sinn, für die ich frage: Wo bist du, Jesus? Warum tust du nichts? Das kann doch nicht so bleiben! Schmerzlich nehme ich wahr, wo ich Gott als fern erlebe. Wieder einmal merke ich: Das gehört zum Glauben dazu, Gottes Ferne aushalten und trotzdem wissen: Jesus ist auf dem Weg, er kommt! Am folgenden Tag bringe ich meine tägliche Mühe in Verbindung mit dem Bild vom Ackerbauern. Säen, das heißt hingeben, etwas einbringen, loslassen. Dann ist lange Zeit nur Staub zu sehen. Mir wird bewusst, wie vieles ich nicht „machen“, sondern nur darauf vertrauen kann, dass Gott Gutes wachsen lässt. Auch dies ist Stoff genug für eine stille Zeit. Jesus, lass mich heute guten Samen ausstreuen und hilf mir zu warten.
Am dritten Tag widme ich mich der „kostbaren Frucht der Erde“. Ein reich gefüllter Obstkorb steht vor meinem inneren Auge. In meiner Vorstellung genieße ich die Früchte, und mein Herz wird weit vor Dankbarkeit. Kostbare Frucht der Erde, das sind auch Musik und Bücher, mein Fahrrad und die Dusche – Früchte der Mühe anderer Menschen, Gottes gute Gaben. Ja, ich will sie bewusst genießen. Danke, himmlischer Vater, du hast diese Erde so reich ausgestattet!
Empfangen. Ein anderes Thema. Die Erde muss empfangen, sonst wächst nichts. Diesmal stelle ich eine leere Schale vor mich auf die Erde. Was habe ich nicht alles empfangen in meinem Leben …! Empfangen kann ich nur, wenn ich offen dafür bin. Ich halte Jesus meine leeren Hände hin – und bitte ihn um unverschämt große Gaben: Liebe für die Menschen, denen ich heute begegne, Weisheit in meinen Entscheidungen … und um Frieden auf der Erde. Wie gut, dass ich mit meiner kleinen Schale etwas von ihm fassen kann und dass er alles umfasst.
„Stärkt eure Herzen!“ Heute frage ich nach dem, was mich stärkt. Menschen fallen mir ein, die mir Kraft geben, und andere, die dringend Stärkung brauchen. Ich bete für sie. Während des Tages entdecke ich viel mehr Stärkendes als sonst. Wenn ich am Ende der Woche zurückschaue, staune ich, wie nahe mir Jesus durch diesen kurzen Bibelabschnitt gekommen ist.
Ich hoffe, Sie haben Lust bekommen, etwas Ähnliches zu probieren. Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe Menschen, mit denen Sie sich darüber austauschen können. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es nicht gleich gelingt. Schenken Sie einfach immer wieder dem Wort der Bibel Ihre Aufmerksamkeit, bis es Ihnen lebendig wird.

Die Autorin ist promovierte Theologin und Pfarrerin. Sie leitet seit 2007 das Haus der Stille im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck am Rand des Harzes. Davor war sie auch bei der Diakonieschwesternschaft Herrenberg tätig.

 


Brigitte Seifert



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