Christliche Themen für jede Altersgruppe

Frieden schaffen mit deutschen Waffen?

Gastkommentar von Friedrich Schorlemmer

Eine Kirche Jesu Christi wird immer Gewaltfreiheit, aber nicht Untätigkeit propagieren. Die Erkenntnisse von 1989 sind nicht veraltet: „Vorrangige Option für Gewaltfreiheit.“ Kirche des Friedens zu werden, erfordert eine „Lehre vom gerechten Frieden“. Der Weg ist „durch Gewaltfreiheit, Dienstbereitschaft und konfliktfähige Feindesliebe geprägt“, statt Waffen zu liefern.

Es gilt, Flüchtlinge in Zahl hereinzulassen, statt Särge von Soldaten heimholen zu müssen. Langwierige aktive, geduldige Präventions- und Deeskalationspolitik betreiben, statt militärischem Eingreifen das Wort zu reden. Strikt muss das Völkerrecht gelten, sonst werden andere sonstwo eingreifen und „einmalige Notsituationen“ ausrufen. Wer eingreift, muss sich fragen, mit welchem Ergebnis er wieder herauskommt, nicht nur, wie er kurzfristig helfen kann. Wer nach Kurdistan Waffen liefert, darf sich nicht wundern, dass diese Waffen in die Hände der Gegner geraten können.

Der Kampf gegen Unrecht muss mit Mitteln des Rechts geführt werden. Völkerrecht darf nicht wieder verletzt werden, auch nicht von den „Guten“. Es gibt Situationen, in denen nur noch eine zeitlich begrenzte Intervention mit militärischer Gewalt hilft. Aber deutsche Waffen in ein hochexplosives Krisengebiet fliegen? Wer bürgt dafür, dass die Ausnahme nicht zur Regel wird? Friedensstifter werden nicht mit bestem Gewissen vom Konflikt- und Kampffeld abtreten. Handeln heißt schuldig werden. Und Nicht-Handeln ebenso. Die Vision von den Schwertern, die zu Pflugscharen werden, gilt als „Langzeitstrategie“. Frieden bleibt der Ernstfall. Geduldige Beseitigung der Ursachen von Konflikten sowie die Suche nach gerechtem Frieden sind erste Option. Unsere Zivilisation hat es 2014 mit dem Bösen zu tun. Aber wir sind nicht „die Guten“.

Der Autor ist Theologe und war Bürgerrechtler in der DDR.

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