Christliche Themen für jede Altersgruppe

Partnerschaft hoch 2

Der Schmerz sitzt tief. Denn eine Trennung ist für alle Beteiligten ein einschneidendes Erlebnis. Doch Frauen und Männer müssen den Neuanfang wagen, wenn sie nicht stehen bleiben wollen. Was ihnen dabei hilft – eine Frau erzählt aus ihrer persönlichen Erfahrung.

Bild: Fotolia

Der Schock war hart. Was ich spürte, war Missachtung. Verletzung. Schmerz. Und das aus heiterem Himmel. Ich war wie gelähmt, als Thomas mir vor vier Jahren sagte, dass er mich nicht mehr liebe. Und dass er sich scheiden lassen wolle. Komisch war, dass offensichtlich noch nicht einmal eine andere Frau bei dieser Entscheidung im Spiel war. Sondern einfach nur das Ende unserer Beziehung vor uns stand, einer Beziehung, die 18 Jahre zuvor in unsrer Studentenzeit in Freiburg so romantisch und hoffnungsvoll begonnen hatte. Was hatten wir für gemeinsame Pläne gehabt! Was wollten wir alles zusammen erreichen! Zugegeben, wir haben sogar  zusammen viel erreicht: Er seine Arztpraxis aufgebaut, ich meine Bilderbuch-Karriere bei einer Bank durchgezogen, ein schönes Haus gebaut, viele spannende Reisen gemeinsam erlebt. Nur Kinder – Kinder haben wir nie bekommen können. Obwohl wir es wollten, obwohl wir es versucht haben. Woran es wirklich lag, haben die Ärzte vor 14 Jahren nicht richtig herausfinden können. Vielleicht aber haben wir beide damals es auch gar nicht genau wissen wollen.

Der Neuanfang braucht einen Abschied

Nun war es vorbei. Ich war vor den Kopf gestoßen, flüchtete mich zu meiner Mutter und meinen beiden Schwestern, die mir Mut zusprachen. Machte eine Reise, von der ich genauso unglücklich zurückkam, wie ich losgefahren war. Ich merkte, wie schwer es mir fiel, mich von meinem gewohnten Leben mit Thomas zu lösen. Er war aus unserem Haus ausgezogen, in die Nachbarstadt gegangen, wo auch seine Praxis war. Allein hielt ich es nun in diesem Haus, mit diesen Erinnerungen nicht aus. Ich bestellte kurzerhand einen Makler, räumte meine persönlichen Dinge aus dem Haus und vermietete es fortan halbjahresweise möbliert an Gastwissenschaftler der Universität. Dieser zweite Abschied tat mir gut: Ich nahm mir eine hübsche Wohnung in einem Jugendstilhaus unterm Dach – mit einer Terrasse und Panoramablick über die Stadt, kaufte mir hier und da mal ein Möbelstück, das mir gefiel. Und ich begann, nach einem Jahr meine Trauer langsam hinter mir zu lassen. Diese Zeit brauchte ich, um wieder offen zu werden für einen anderen Menschen, für neue Begegnungen.

Vertrauen in die Zukunft muss wachsen

Ich gestehe zu: Ich war argwöhnisch geworden. Etwas, das mir im Kontakt zu anderen Menschen eigentlich noch niemals eigen gewesen war. Aber jetzt war ich vorsichtig. Nach Thomas – für wen sollte ich mich da interessieren? So dachte ich anfangs. Er war meine große Liebe gewesen. So meinte ich. Und so eine große Liebe – die kommt nur einmal im Leben. Das dachte ich auch. Bis mir eine Freundin die „Anleitung zum Unglücklichsein“ des österreichischen Psychologen Paul Watzlawick als Geburtstagsgeschenk in die Hand drückte. In seinem Kapitel „Vier Spiele mit der Vergangenheit“ stellt der Autor in seinem eigentlich ironisch gemeinten Anti-Ratgeber fest: Wer unglücklich sein will, muss nur dauernd die Vergangenheit verherrlichen. Und sich einreden, dass jetzt und in Zukunft absolut nichts Neues, Spannendes mehr in seinem Leben geschehen wird! Bravo, dachte ich: Du bist auf dem besten Wege dazu, dich selbst unglücklich zu machen. Ich versuchte seit der Lektüre fortan, lieber in die Zukunft zu schauen. Und nicht dauernd nach hinten zu trauern.

Neue Begegnungen zulassen!

Dieser innere Schritt half mir sehr. Denn offensichtlich merkten auch die Menschen um mich, dass ich weniger in der Vergangenheit lebte als vorher. Zwei Monate nach meinem Aha-Erlebnis mit Paul Watzlawicks Buch  lernte ich auf einer Nachbarschafts-Fete in unserem Haus Mathias kennen. Einen Ingenieur, so alt wie ich, ein bisschen struppig und sogar schon mit einem kleinen Bauch versehen, aber mit glänzenden Augen und einem hinreißenden Humor. Damit fesselte er mich im Gespräch den ganzen Abend. Als ich um drei Uhr früh in meine Dachwohnung stieg, hatte ich seine Telefonnummer in der Tasche.  Und ein Kribbeln im Bauch. Natürlich sahen wir uns schon zwei Tage später wieder. Er lud mich ganz brav zum Essen ein, dann bummelten wir durch die alten Gassen der Stadt, tranken noch ein Glas Wein, redeten, erzählten von unseren Leben. Brav lieferte er mich wieder zu Hause ab. Über fast ein Vierteljahr pflegten wir diesen innigen freundschaftlichen Kontakt – bis ich wusste: Ich will nicht länger mehr allein in meine Dachwohnung steigen.

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