Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie Eltern ihre Kinder heilen können

Weil die frühtraumatisierten Kinder unter großer Angst leiden, versuchen sie, diese in Griff zu bekommen. Bettina Bonus unterscheidet vier Angstbeseitigungsstrategien, die Kinder anwenden, um ihre Angst unter Kontrolle zu bekommen:

1. Ich beeindrucke den Gegner, indem ich zerstöre und wüte.

2. Ich werde aggressiv und greife die Eltern an.

3. Ich stelle mich tot: unauffällig oder dumm.

4. Ich flüchte.

Dies zu wissen, hilft schon mal weiter. Aber wie sehen die Heilmittel dagegen aus? Auch hier gibt Bettina Bonus Antworten:

1. Die Angst durch Liebe klein machen. Also: Liebe zeigen! Das tut zwar allen Kindern gut, ist aber bei den hochproblematischen Pflege- und Adoptivkindern lebensnotwendig. Liebe zeigen: Was heißt das? Es geht ganz konkret um Mimik, Gestik, Tonfall: „Ich lächle. Das wird zu meiner zweiten Haut“, erklärt Bettina Bonus. Der Tonfall ist warm. Das Kind darf keine Angst bekommen, auch nicht durch die Gestik. Bettina Bonus rät: „Sagen Sie, wenn Sie ihr Kind sehen: Da geht die Sonne auf.“ Auch dann wenn das Kind gerade nicht liebenswert ist. Das heißt nicht, dass man nicht auch einmal mit der Faust auf den Tisch schlagen kann. Aber wenn, dann kontrolliert und nicht in Wut.

2. „Eins werden mit dem Kind“. Das ist nicht als Symbiose gemeint, sondern es geht um das Sich-Hineinversetzen ins Kind, die Welt mit den Augen des Kindes sehen. So können die Eltern Nähe und Zuwendung geben. Auch wenn die Mutter einen Schlag ins Gesicht dabei bekommt. Die Aufgabe besteht darin, das Kind von innen zu verstehen und zu merken: Wenn ich das alles erlebt hätte, würde ich auch so reagieren.

3. Sich selbst rausziehen zu können ist ein weiteres Heilmittel – nach der Liebe und der Nähe. „Sie müssen über sich und dem Kind schweben wie ein Engel“, formuliert es Bettina Bonus. So kann man die Fallen entdecken, die das Kind einem stellt und dem Geschehen „von oben“, von einer höheren Warte aus, zusehen. Und dann ist eines angesagt: „Geduld, Geduld, Geduld.“ Die beste Waffe gegen die Überlebensstrategie ist, sich selbst aus den negativen Gefühlen rauszuziehen, verstandesgemäß zu handeln und Liebe zu zeigen.

Aber Liebe, Nähe und Rausziehen reicht nicht. Denn so wird nur die Angst aufgelöst, aber nicht der Selbstwertverlust. Das Herzstück für Bettina Bonus ist die höchste Bildung für diese Kinder. „Erst sie macht diese Kinder gesund“, denkt sie. Dabei muss man vielleicht die Abneigung überwinden, die manche gegen Bildung haben. Ohne Bildung gehen die Kinder später verloren an die Straße oder ans Bett, das sie nicht mehr verlassen wollen, warnt Bonus. Schule, Musik und Sport, alles auf höchstem Niveau: das ist die beste Prävention.

Buch-Tipps


Bettina Bonus: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen – Band 1: Zur Entstehung einer Frühtraumatisierung bei Pflege- und Adoptivkindern und deren möglichen Folgen.
BoD, Norderstedt, 2006,
200 Seiten, 19,90 Euro.
ISBN: 978-3-8334-6086-9

Bettina Bonus: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen – Band 2: Die Anstrengungsverweigerung.  BoD, Norderstedt, 2008,
352 Seiten, 39,90 Euro.
ISBN: 978-3-8370-1843-1

Bettina Bonus: Mit den Augen eines Kindes sehen lernen – Band 3: Liebe und nachtragende Konsequenz – eine spezielle Pädagogik für aggressive, regelverletzende, grenzüberschreitende Pflege- und Adoptivkinder.
BoD, Norderstedt, 2011,
364 Seiten, 39,90 Euro.
ISBN:978-3-8423-2829-7

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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