Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sich mit Gottes Wort befassen

Zu besonderen Anlässen im Leben bekommen wir Bibelverse zugesprochen: zur Trauung, zur Taufe oder auch zur Einsegnung in ein geistliches Amt. Am markantesten ist der Konfirmationsspruch, der viele Menschen ein Leben lang begleitet, über den sich aber so mancher auch ärgert.

Jugendreferent Johannes Schnürle hat seinen Einsegnungsspruch für das Diakonenamt selbst ausgesucht. (Foto: privat)

Ulrich Strohhäcker (55) aus Stuttgart fühlte sich in seiner Kindheit und Jugend stark unter Druck gesetzt, täglich in der Bibel lesen zu müssen. Wenn er einmal aussetzte, hatte er ein schlechtes Gewissen. Und dann bekam er zu seiner Konfirmation diesen Bibelvers zugesprochen: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Psalm 119,105). Für Strohhäcker damals eine Provokation, denn diese Worte verstärkten den Druck. Sie wirkten sogar bedrohlich. Strohhäcker wandte sich ab. Erst Jahre später bekam sein Konfirmationsspruch für ihn eine positive Bedeutung:  Schwere psychische Erkrankungen ließen ihn Gottesferne erfahren und führten zu „absoluten Sinnkrisen“.

Auf der anderen Seite spürte Strohhäcker eine tiefe Sehnsucht nach Heilung und Genesung, die ihn nie wieder verlassen hat. In der Folge habe er zwar nicht immer und überall, aber doch sehr oft Spiritualitat in der Therapie und in Selbsthilfegruppen erlebt. Dadurch hat sich auch sein Gottesbild gewandelt. Und das bringt er in seiner Arbeit beim Rudolf-Sophien-Stift immer wieder im Gespräch mit Klienten zum Ausdruck.

„Es hat lange gebraucht, bis ich mich selbst mit meiner Geschichte in den heiligen Schriften wiederfand“, sagt Strohhäcker. Heute ist für ihn die Lektüre der Bibel nicht nur tröstend, vielmehr glaubt er an ihre „große Transformationskraft“ für die Fragen und Widersprüche seines Lebens.
„Dass aus der ehemaligen Drohbotschaft eine Frohbotschaft geworden ist und immer wieder neu wird, die ich nicht mehr missen möchte, ist eines der größten Wunder in meinem Leben“, bekennt Strohhäcker. Allerdings habe sich an der Provokation nichts geändert. „Und das ist auch gut so.“ Denn dadurch fühlt er sich immer wieder auf positive Weise hinterfragt. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum Ulrich Strohhäcker es gut findet, wenn sich Konfirmanden ihren Spruch nicht selbst aussuchen.
Die Gemeinden handhaben das heutzutage sehr unterschiedlich. Pfarrer Eberhard Steinestel aus Fellbach beispielsweise lässt die jungen Leute ganz bewusst ihre Denksprüche selbst aussuchen, denn „so haben sie während der Konfi-Zeit Gelegenheit, sich damit zu befassen und zu überlegen, was ihnen daran besonders zusagt oder wichtig erscheint.“ Franziska Stocker-Schwarz, Leiterin des Stuttgarter Bibelmuseums Bibliorama, hat bis 2014 als Gemeindepfarrerin in der Ludwig-Hofacker-Gemeinde die Sprüche für die Jugendlichen ausgesucht, denn das sei dort üblich. Für sie war es dabei wichtig, ermutigende Verse zu finden und „die richtigen Anreize zu schaffen, dass sich der Vers im Leben des Einzelnen positiv auswirkt“. Klagen hat sie über die von ihr getroffene Auswahl nie gehört.
Wie bei Annemarie Steeb aus Blaubeuren-Wennenden. Die heute 74-Jährige war zunächst von ihrem Denkspruch enttäuscht: „Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt, der Herr hört, wenn ich ihn anrufe.“ (Psalm 4,4). „Es war für mich eine zu starke Mahnung“, erinnert sich die Hauswirtschaftsmeisterin und Bäuerin. Erst im Alter habe der Spruch ihr dann mehr gesagt. „Es ist für mich ein wichtiger Spruch geworden und ich habe ihn im Leben oft gebrauchen können.“ Etwa, als ihr Mann krank und das Leben dadurch schwierig geworden sei. Da habe sie die Zusage, dass Gott Gebete erhört, gestärkt.

Ganz anders ist es Johannes Schnürle ergangen. Der 25-Jährige hat sich seinen Konfirmandenspruch seinerzeit selbst aussuchen dürfen. Die Worte aus Zefania 3,17 „Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein“ hingen mehrere Jahre am Spiegel im Bad der Familie. Seine Mutter hatte die schön gestalteten Verse von einer Konferenz mitgebracht und dort aufgehängt. Der Spruch, berichtet Schnürle, habe ihn durch schwerere Zeiten begleitet, beispielsweise, „wenn es in der Schule mit den Klassenkameraden nicht so gut lief“. Der Vers habe ihn ermutigt, dennoch in die Schule zu gehen.

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