Christliche Themen für jede Altersgruppe

Weihnachtsweg statt Weihnachtsspiel

Haben Sie in Ihrer Gemeinde schon die richtige Idee für die Gestaltung der Adventszeit? Rechtzeitig vor Weihnachten hat sich Luthers-Autor Heiko Schwöbel in Ebhausen im Schwarzwald umgesehen. Dort plant man schon jetzt im Herbst den Weihnachtsweg von Maria und Josef: An vier Stationen im Ort werden die Schlüsselszenen nachgespielt. Wir haben den Weg und seine Vorbereitung für Sie begleitet

Weihnachtsspiele auf der Bühne kennen wir alle. Und jedes Jahr strömen viele Menschen in die Hallen, Säle und Kirchen, um Christi Geburt im Spiel hautnah zu erleben. Ebhausen im Schwarzwald geht dabei einen anderen Weg – im doppelten Sinn: Die evangelische Kirche, der CVJM, Schäfer, Feuerwehr und zahlreiche Gemeindeglieder laden die Gläubigen ein, den Weg der Weihnachtsgeschichte in Ebhausen mitzugehen. In Ebhausen wird so der Weg von Maria und Josef von Nazareth nach Bethlehem und die Geburt von Jesus Christus im Stall ganz ungewöhnlich und ergreifend erlebbar gemacht.

„Wir wollen unterwegs sein!“

Die Idee, die Weihnachtszeit einmal anders zu feiern, wurde aus dem Entschluss des CVJM Ebhausen und der evangelischen Kirchengemeinde Ebhausen geboren, im wahrsten Sinne des Wortes gemeinsam unterwegs zu sein. „Die Weihnachtszeit bot sich hier ganz besonders an“, betont Pfarrerin Magdalene Schüsselin. Der CVJM veranstaltete am 1. Advent schon seit Langem seine Adventsfeier mit Adventsmarkt und meistens einem Konzert des Kinder- und Jugendchors „Singing Kids und Singing Teens“; die Kinderkirche feierte – oft mit den gleichen Kindern – am 4. Advent traditionell die Kinderkirchweihnachtsfeier mit einem aufwendigen Krippenspiel. So kam der Gedanke auf, die Kräfte zu bündeln und etwas Gemeinsames an Weihnachten zu machen. „Wie die Idee aufkam, einen  Weihnachtsweg zu gehen, weiß ich gar nicht mehr genau“, sagt Pfarrer Manfred Schüsselin. „Aber als der Gedanke da war, ging alles sehr schnell und einfach!“ Schnell waren die Orte klar, die Beteiligten einverstanden und die Mitwirkenden gefunden. Die Arbeit konnte beginnen.

Jeder in der Gemeinde packt mit an

Fast 100 Kinder, Helfer, Spieler und Mitwirkende sind notwendig, um den Weihnachtsweg zu organisieren. Für die Sicherheit, das Licht und die Absperrungen sorgt die Feuerwehr. Den musikalischen Rahmen gestalten der Kinder- und Jugendchor sowie der Posaunenchor des CVJM. Kinder, Mitarbeiter und Eltern der Kinderkirche und der CVJM-Jugendgruppen übernehmen Theatereinlagen, Technik und die Beschaffung der Requisiten. In der Scheune des Aussiedlerhofs wird eine Strohballenbühne gebaut und die Bewirtung der Besucher und Aktiven im Anschluss bereitgestellt.

Am 4. Advent ist es so weit: Die Ebhäuser machen sich auf nach Betlehem. Ab kurz vor vier werden die Mitwanderer am Backhaus in Ebhausen vom Glockengeläut und dem Lied „Tochter Zion“ auf den Weg nach Bethlehem eingestimmt. In der ersten Szene beschweren sich drei wohlhabende Frauen lautstark über die nach Bethlehem strömenden Hirten. Fröhlich likörtrinkend verlassen sie die Bühne und machen so den Hirten Platz. Diese ratschen dann über die feine Gesellschaft, die sie als Hirten in Bethlehem rundweg ablehnt. Da entdecken die Hirten Maria und Josef und sehen sofort, dass es ihnen nicht gut geht. Sie wollen helfen und raten ihnen zum Gasthaus zu gehen und nach einer Bleibe zu fragen. Nun machen sich Darsteller und Besucher auf den Weg zu nächsten Station, zur zweiten Szene. Der Herberge. Hier wird die Abweisung von Maria und Josef vom Gasthaus dargestellt: Für Arme ist kein Platz. Wohlhabende sind gern gesehen. Ein Hirte nimmt sich der beiden an und schlägt den Stall auf dem Hirtenfeld als Ort der Ruhe und des Schutzes vor.

Die Stimmung im Stall ergreift alle

Die Gemeinde marschiert weiter auf das Hirtenfeld zum dritten Szenenbild. Die Stimmung ist an diesem Abend im Freien sehr ergreifend. Die Wanderer werden von Schwedenfeuern, Schafen und Hirten erwartet. Urplötzlich wird es hell über dem Hirtenfeld. Von den Scheinwerfern der Ebhäuser Feuerwehr beleuchtet, erscheint den Hirten der Verkündigungsengel: „Der Heiland ist heute geboren, Christus
der Herr! Dort droben im Stall in Bethlehem liegt er in der Krippe. Ehre sei Gott! Halleluja!“. Mit dem Lied der Singing Kids – „Ehre sei Gott“ – wird der Ort der Verkündigung verlassen.

Die Gemeinde pilgert nun zur letzten Szene: In den Stall von Bethlehem. Die Besucher erleben, den Besuch der Hirten bei Maria und Josef und Jesus Christus. Sie erleben wie Jesus die Hirten segnet und sie den Entschluss fassen: „Wir müssen hinaus und allen davon erzählen“. Mit gemeinsamem Singen, Gebet und natürlich der Bescherung der Kinder klingt dieses ungewöhnliche Weihnachtsspiel aus.

Zum Ausklang: Posaunen und Punsch

Nach dem langen Weg können sich die Besucher nun bei heißen Roten und Punsch stärken. Fast 300 kommen jedes Jahr. Über die Mund zu Mund Propaganda werden mittlerweile Besucher auch von weit her angezogen. „Es ist unsere Erfahrung: Familien gehen dort gerne hin, wo sie gemeinsam wandern und etwas erleben können. Jeder kommt so, wie er ist. Keiner stört. Und der Weg von zwei Kilometer ist fast für jeden zu schaffen“ sagt Manfred Schüsselin. Für die Pfarrersfamilie und ihre Gemeinde ist klar: Die Arbeit lohnt sich: „Denn wir haben hier einen ganz neuen und dazu intensiven Zugang zum Weihnachtsfest“.

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