Christliche Themen für jede Altersgruppe

Advent – Bilder der Hoffnung

Römer 13,8–12 „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns nun ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“


Impuls zum Predigttext für den 1. Advent.  Von Bernhard Ritter

Bernhard Ritter ist Pfarrer an der Stadt­kirche in
Bietigheim.


Advent ist Zeitansage. Zeitansage gegen Ängstlichkeit, Hoffnungslosigkeit und Kleinmut. Dunkelheit, Nacht, Finsternis, sie stehen hier für das, was Menschen erfahren und kennen an Leid, an Gewalt, Verletzung, Ausgrenzung und Furcht. Dem gegenüber entfaltet Paulus mit dem anbrechenden Tag ein Bild der Hoffnung und der Zuversicht. Advent, Zeit der Erwartung, die wir uns immer wieder bewusst machen, um nicht nachlässig oder „schläfrig“ zu werden. Die Zeit erkennen. Advent heißt Leben aus dem Wissen, dass Jesus kommt. Er hat unsere Welt und uns verändert von innen heraus, und das gilt bis heute.

„Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“, dichtet Jochen Klepper 1938 und nimmt auf, was Menschen Halt schenkt. Die Hoffnung auf den Tag, ein Bild für das Neue, für den Hoffnungsschimmer am Horizont einer manchmal endlos scheinenden Nacht. Advent als Zeitansage. Eine besinnliche Zeit: zur Besinnung kommen, diese Werke der Finsternis ablegen können, sie ersetzen durch andere Waffen als die, die wir kennen in unserer Welt mit ihrer Bereitschaft zur Gewalt, mit ihren ausgrenzenden und verletzenden Parolen. Das Wort „Waffen“ kann ich verstehen als bewusste Gegenüberstellung und Umdeutung. Paulus beschreibt sie als Panzer des Glaubens und der Liebe und als Helm der Hoffnung. Aber was bedeutet das? Die ersten Verse geben eine Antwort: Alles, was wir einander schuldig sind, ist die Liebe, die Liebe zum Nächsten. Mehr braucht es nicht. Alles andere folgt daraus.

Es gibt dazu eine jüdische Geschichte. Zur Zeit Jesu galten Rabbi Hillel als weitherzigerer und Rabbi Schammai als strengerer Vertreter des pharisäischen Rabbinentums. Es wird erzählt, dass eines Tages ein Nichtjude zu Rabbi Schammai kam und ihn fragte, ob er ihn die ganze Tora lehren könne, solange er auf einem Bein stehe. Rabbi Schammai erwiderte empört: „Man kann ein ganzes Leben lang die Tora studieren und immer noch dazulernen“, und jagte den Mann fort. Daraufhin ging der Nichtjude zu Rabbi Hillel und stellte ihm die gleiche Frage. Rabbi Hillel sah ihn an und sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist die ganze Tora. Alles andere ist Auslegung.“

Alles andere ist Auslegung. Mir gefällt diese schlichte Erklärung; eine Orientierung, die mir zuordnen hilft, die mich sprach- und handlungsfähig macht, die mir eine innere Haltung vermittelt. Jesus nimmt das auf in der Bergpredigt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch.“

Die Nächstenliebe ist die Erfüllung des Gesetzes, schreibt Paulus. Was kein Gebot schafft, das gelingt der Liebe. Liebe kann nicht durch ein Gesetz geboten werden, so kann sie auch nicht selbst zu Recht und Gesetz werden und gerät nicht in Gefahr, zu einem starren Schema zu werden. Und Liebe hat eine wunderbare Wirkung. Sie nimmt nicht ab, wenn wir sie weitergeben, sondern sie wächst. Manchmal ist es ganz einfach: „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses.“ Liebe, die gelebt wird, sichtbar, spürbar. Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, die am Samstag in der Turnhalle mit Flüchtlingskindern spielen. Menschen, die sich Zeit nehmen und Integration ermöglichen. Mir kommen auch weltweit Menschen in den Sinn. In Kuba etwa. Dort sind fünf Prozent Protestanten. In einer kleinen Kirchengemeinde kümmern sich die Verantwortlichen um alte Menschen, die von acht US-Dollar im Monat leben müssen. Gemeindemitglieder besorgen Nahrungsmittel, stellen eine Waschmaschine zur Verfügung, der Waschraum wird zu einem Ort der Begegnung. Traditionell ist das Opfer unserer Landeskirche am 1. Advent für das Gustav-Adolf-Werk bestimmt. In diesem Jahr auch für die kleine Gemeinde in Cabaiguán in Kuba. „Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt.“


Ihr Gebet

 
Gebet
Herr Jesus Christus, du kommst und bringst Licht in die Finsternis. Gib uns dein Licht, dass unsere Wege hell werden und unsere Herzen erfüllt von deiner Wirklichkeit. Dass Menschen nicht im Dunkeln verzweifeln und unsere Welt deine Liebe erfahre. Erfülle und verändere uns mit deiner Liebe und gib uns den Mut, in deiner Freiheit zu leben. Lass Advent werden, lass uns leben aus dem Wissen, dass du kommst. Gib, dass die Zukunft erfüllt werde von deiner Gegenwart.
Amen





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