Christliche Themen für jede Altersgruppe

Allein aus Gnade

Römer 9,14–21 Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Denn er spricht zu Mose: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao: „Eben dazu habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise und damit mein Name auf der ganzen Erde verkündigt werde.“ So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir: Warum beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen?

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Septuagesimä: Römer 9,14–24.  Von Friedrich Hörger

Friedrich Hörger ist Pfarrer in Wiernsheim-Pinache und Wiernsheim-Serres im Kirchenbezirk Mühlacker.

Was sollen wir nun hierzu, zu diesen Worten des Apostels Paulus, sagen? Bei vielen von uns melden sich bei diesen Worten Widerstände und Widerspruch.

Wir leben in einer Zeit, in der man auf Verlässlichkeit, Berechenbarkeit aus ist, in der Chancengleichheit gewahrt sein soll. Doch was Paulus hier über Gott schreibt, lässt viele an Willkür, Beliebigkeit und Ungerechtigkeit denken. Und so mancher fragt sich: Ist alles vorherbestimmt? Habe ich keine Verantwortung für mein Leben?

Diese Worte kommen bei vielen auch deshalb nicht gut an, weil wir Menschen mitwirken wollen, verantwortlich für unser Leben sein wollen, das Leben selbst in die Hand nehmen wollen – zumindest ein Stück weit auch in den Fragen des Heils. Doch nach diesen Aussagen ist alle menschliche Mitwirkung am Heil ausgeschlossen.

Mit dem Bild vom Töpfer und den Gefäßen, die er schafft, hat Paulus ganz eindrücklich auf Gottes Freiheit, seine Souveränität zu handeln, hingewiesen. Er hat deutlich gemacht, dass es dem Menschen nicht ansteht, über Gottes Tun zu Gericht zu sitzen. Doch auch bei diesem Bild des Töpfers kann man sich fragen: Sind wir Menschen nicht mehr als nur geformter Lehm? Sind wir nicht Menschen, denen Lebensatem eingehaucht wurde und die nun ihr Leben mitgestalten können?

Dabei ist für mich auch klar, dass niemand vor Gott so viel vorweisen kann, dass er von Gott fordern könnte, erwählt zu werden. So gesehen ist es Barmherzigkeit, Gnade, von Gott erwählt zu werden.

Dankbares Staunen über den gnädigen Gott, der aus seiner Barmherzigkeit heraus erwählt hat, macht sich bei mir Bahn.

Begreifen, was Gnade ist, das ist eine schwere Lektion. Das merke ich auch am Evangelium dieses Sonntags, am Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20,1–16), das Jesus erzählt. Denn dass diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, den gleichen Lohn bekommen wie diejenigen, die den ganzen Tag tätig waren, das ärgert uns oft mehr, als dass es uns zur Mitfreude Anlass gibt.

Dass Gott bei seinem Erwählen nicht auf menschliche Qualitäten schaut, sondern allein aus Gnade erwählt, das geht uns oft gegen den Strich. Und doch habe ich jetzt verstanden, dass diese Botschaft auch eine ungeheuer fröhlich machende und tröstliche Botschaft sein kann, weil mir hier etwas zugesagt ist, was ich überhaupt nicht verdient habe.

Aber auch das andere gibt es, dass diese Worte des Paulus Menschen nicht trösten, sondern in Verzweiflung bringen, vor allem dann, wenn sie sich über ihre Erwählung nicht im Klaren sind.

Von den Reformatoren habe ich gelernt, dass solche verunsicherte und verzagte Menschen immer wieder an Gottes Wort gewiesen werden sollen, welches ihnen ihre Erwählung predigt. Die Reformatoren berufen sich dabei vor allem auf Paulus. „Der Glaube kommt aus dem Hören“, so schreibt Paulus an anderer Stelle (Römer 10,17). So sind wir alle auf Gottes Wort gewiesen, das uns nicht im Unklaren lassen will, sondern Gewissheit in uns wirken möchte.¦

Gebet

Barmherziger Gott,
vor dir kann kein Mensch bestehen.
Lass uns nicht sehen auf das,
was wir können und leisten,
sondern darauf vertrauen, dass du uns liebst
und annimmst aus lauter Güte.
Durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
in dem uns deine Liebe begegnet,
die von Anfang an war und währt bis in Ewigkeit.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 287.

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