Christliche Themen für jede Altersgruppe

Als Kinder des Lichts leben

1. Thessalonicher 5,1+2+4–6 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Ihr aber, liebe Geschwister, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Impuls zum Drittletzen Sonntag des Kirchenjahres: 1. Thessalonicher 5,1–11.  Von Thomas Oesterle

Thomas Oesterle ist Pfarrer an der Pauluskirche in Schorndorf.

Der Pfarrer Christoph Blumhardt hatte immer eine fahrbereite Kutsche. Mit dieser wollte er seinem Herrn Jesus Christus, wenn er wiederkäme, unverzüglich entgegenfahren. Er wollte dann von Boll in Richtung Göppingen aufbrechen, denn für ihn war klar, dass der Herr aus östlicher Richtung – wie der Sonnenaufgang – kommen würde.

Mit diesem Spleen war Blumhardt ganz nahe bei dem, was Paulus und die ersten Christen von Thessalonich erhofft haben. Denn auch sie erwarteten das Kommen Christi in allernächster Zukunft noch vor ihrem Tod. Doch schon damals tauchten erste Fragen auf, als nämlich die Wiederkunft Christi immer länger auf sich warten ließ und die ersten Christen verstarben, ohne den „Tag des Herrn“ erlebt zu haben.

Sind wir nach über 2000 Jahren nun einfach realistischer und vernünftiger geworden? Wir beten im Vaterunser zwar noch „dein Reich komme“ und bekennen im apostolischen Glaubensbekenntnis „von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten“, aber konkret im Alltag rechnen wir nicht mit diesem Ereignis. Wie singt Manfred Siebald: „Wir beten laut: ‚Herr komm doch wieder‘ – und denken leise: ‚Jetzt noch nicht.‘“

Ist also der Predigttext überholt durch die Verzögerung der Wiederkunft Christi? Schon Paulus widersetzt sich der Vorausberechnung eines Termins für die Wiederkunft. Nicht der Zeitpunkt ist letztlich entscheidend, sondern die Frage, wie die Hoffnung auf Jesus Christus unser Leben verändert und prägt. Es geht nicht um die Quantität von Zeit, sondern um die Qualität von Zeit.

Qualität bedeutet nicht, dass man sich von einer Aktivität in die andere stürzen muss, ständig auf der Suche nach Neuem und Aufregendem. Eine sinnvolle Antwort auf die Frage zu finden, wie Lebensqualität aussieht, das bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Wir würden auf uns allein gestellt an dieser Aufgabe auch scheitern. Uns würde es nicht gelingen, aus dem Bruchstückhaften unseres Lebens ein Ganzes machen. Wir könnten noch so heroisch versuchen, unser Leben zu meistern, ohne die Liebe und Vergebung Jesu würde eine entscheidende Qualität im Leben fehlen.

Wir haben es im Leben und im Sterben mit Jesus Christus zu tun. Von daher fällt ein neues Licht auf unser Leben. Wir sitzen nicht mehr hilflos im Schatten des Todes, sondern wir existieren im Licht eines neuen Tages, einer neuen Zeit. Dieser Tag kommt nicht erst in Zukunft, sondern ist in Christus schon angebrochen.

Alles, was wir zu tun haben ist, dies in unserem Leben ernst zu nehmen, zu realisieren und durchscheinen zu lassen. Wie das aussehen kann, dafür ist gerade Christoph Blumhardt ein gutes Beispiel. Weil er fest mit dem Kommen seines Herrn gerechnet hat, hat er gerade auch die Dinge dieser Welt ganz ernst genommen. Er ist um die Jahrhundertwende in die sozialdemokratische Partei eingetreten und hat sich in den Landtag wählen lassen, um die Interessen der Industriearbeiter vertreten zu können. Er nahm Leid und Not dieser Menschen wahr und sah sich in der Pflicht, ihnen zu helfen. Das hat ihm ziemlichen Ärger eingebracht unter anderem mit der damaligen Leitung der Landeskirche.

Und Blumhardt hat schon vor mehr als 100 Jahren Predigten zum Thema „Umweltschutz“ gehalten. Schon damals hat er für einen schonenden Umgang mit der Natur plädiert. Die Freundlichkeit Gottes muss durch uns Menschen hindurch die Natur erreichen, sonst häufen sich die Störungen, das war seine Überzeugung.

Seine Worte haben für uns heute einen prophetischen Klang. Er war also kein religiöser Spinner, sondern ein Mensch der versucht hat, als Kind des Lichts und des Tages zu leben, getragen von der Kraft seines Glaubens. Oder mit Worten von Friedrich von Bodelschwingh gesprochen: „Es ist nicht wahr, dass die Ewigkeitshoffnung die Christen zu Träumern und Phantasten macht. Im Gegenteil – je entschlossener wir auf die neue Welt warten, desto praktischer, nüchterner und schlichter wird sich unser Leben hier gestalten.“

 

Ihr Gebet

Gebet

Gott allen Lebens,
du weckst in uns die Sehnsucht nach Erneuerung unserer Welt.
Lass uns erkennen, wo dein Reich heute schon
unter uns ist.
Gib uns die Kraft und den Mut zu tun,
was dem Frieden dient.
Durch Jesus Christus, unsern Herrn.
Amen.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 401.









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