Christliche Themen für jede Altersgruppe

Am Ende werden alle satt

2. Mose 16,11–18 (in Auszügen) Der Herr sprach zu Mose. Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt inne werden, dass ich, der Herr, euer Gott bin. Am Abend kamen Wachteln, und am Morgen lag’s in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Mose sprach zu den Israeliten: Es ist das Brot, das euch der Herr zu essen gegeben hat. Die Israeliten sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man‘s nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, so viel er zum Essen brauchte.

Am Ende werden alle satt: Impuls zum Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis: 2. Mose 16,2+3+11–18.

Die Geschichte vom Himmelsbrot, vom Manna lehrt uns: Menschen werden zornig und verzweifeln, wenn ihnen die einfachen Dinge vorenthalten werden. Brot und Wasser, ein Platz zum Schlafen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Menschen murren, sie begehren auf, sie verlassen ihre Heimat, sie führen Kriege.

Wenn ich in meinem Supermarkt Wasser holen will, muss ich mich entscheiden. Mit oder ohne Kohlensäure, aus dem Schwarzwald oder aus den Vogesen, Glasflasche oder Plastik. Mein Bäcker – einer von vielen in meiner kleinen Stadt – bietet mindestens zehn verschiedene Brotsorten, von Brötchen und Kuchen ganz zu schweigen. Und zur selben Zeit verhungern die Menschen in Burkina Faso, sterben an dreckigem Wasser im Sudan und fliehen vor Krieg und Gewalt in Syrien.

In was für einer irrsinnigen Welt leben wir? Eigentlich ist es unglaublich, wie wenig Menschen zu uns in unser reiches Land kommen, um teilzuhaben an unserem Luxus. Und noch unglaublicher ist es, dass wir und die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft unsere Ohren verschließen und Europas Grenzen dicht machen.

Gott reagiert anders, er gibt denen Recht, die murren. Ich habe das Murren meines Volkes gehört, so lässt er ausrichten. Er hört nicht nur, er handelt und zwar prompt. Wer Hunger hat, braucht keine guten Worte, sondern etwas zu essen und zwar bald. Noch am Abend kommen die Wachteln und am Morgen ist der Boden bedeckt mit Manna. Gott gibt allen, er gibt reichlich und er gibt schnell.

Gott führt sein Volk in die Freiheit und er erhält es am Leben. Freiheit, Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf. Grundrechte des Menschen bis heute.

Selig sind, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, sagt Jesus. Das Recht der Armen, ihr Schrei und die Antwort Gottes durchziehen die Bibel wie ein roter Faden. Und da Gott Manna vom Himmel regnen ließ, wissen wir, was wir zu tun haben. Weil wir das so gerne vergessen ist es gut, dass die Bibel uns immer wieder und mit Nachdruck und Klarheit daran erinnert.

Noch etwas wird uns deutlich gemacht. Gerechtigkeit im biblischen Sinn ist ganz einfach: Jeder hat so viel, wie er zum Leben braucht. Egal ob einer besonders eifrig gesammelt hat oder nur ein paar Hände voll. Am Ende werden alle satt. Und die, die zu viel gesammelt haben und Vorräte anlegen, die erleben, dass das duftige Manna in sich zusammenfällt und zu stinken beginnt.

„Geld stinkt nicht“, sagen wir. Offenbar sieht die Bibel das kritischer. Solange nicht alle genug haben, werden wir vor den Fragen der Bibel nicht ausweichen können. Auch wenn es uns weh tut.

40 Jahre ernährt Gott sein Volk so. Zugegeben, das ist nicht sehr abwechslungsreich. Aber vielleicht steckt darin ein heilsamer Hinweis. Es muss nicht immer etwas Neues sein, und manchmal ist es besser zu reduzieren als immer weiter und immer mehr zu wollen. Es steckt eine Ahnung in unserem Text, dass Einfachheit manchmal besser ist als Überfluss. Ein Butterbrot mehr als ein Fünf-Gänge-Menü, eine Wanderung in den Weinbergen mehr als eine Flugreise auf die Bahamas, ein gutes Gespräch mehr als ein Abend im Bierzelt. Unser Leben wird intensiver, wenn wir mit den einfachen Dingen zufrieden sein können. Das einzuüben ist eine echte Lebensaufgabe, jedenfalls für die, die nach dem Krieg geboren sind.

Manna für alle. Mich erinnert das ans Abendmahl. Auch das ist ganz einfach. Auch das steht uns immer offen. So wie Manna und Wachteln zuverlässig da sind. 40 Jahre. Ein ganzes Leben. Brot und Wein und der Satz: Du bist gut genug für Gott. Du darfst so kommen wie du bist. Und Du gehst reicher als du gekommen bist.

 

Ihr Gebet

Gebet

Gütiger Gott,

gib uns das, was wir zum Leben brauchen:

zu essen und zu trinken,

einen aufmerksamen Blick, eine gute Begegnung.

Und lass uns das, was wir von dir empfangen,

an andere weitergeben.

Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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