Christliche Themen für jede Altersgruppe

Anders leben ist möglich

Apostelgeschichte 2,44–47 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.


Impuls zum Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 2,41–47. Von Konrad Mohl


Konrad Mohl ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Aichelberg-Krummhardt.


Ein kleines Dorf auf einem Hügel in Burgund. Eine Bruderschaft,  die hier zusammen lebt im Geist des Evangeliums. Sie teilen alles, haben alles gemeinsam. Eine Gemeinschaft, die ausstrahlt. Tausende von Besuchern strömen jedes Jahr nach Taizé, um diesen Geist zu spüren.

Die Brüder wollen, dass ihre Liebe die erreicht, die sonst niemand liebt. Sie haben kein privates Eigentum. Sie verdienen durch ihre Arbeit, was sie brauchen, und geben alles Überflüssige den Armen. Sie beschließen gemeinsam, was jeder tun soll, und jeder gehorcht. Nicht gezwungen, sondern weil er es so will.

Vieles, was für uns selbstverständlich ist, kommt im Leben der Brüder nicht vor. Fehlt ihnen da nicht etwas? Doch sie verzichten nicht nur, sie haben etwas, was ihnen wichtiger ist: Das Leben im Geist der ersten Christen schenkt ihnen Freude und Erfüllung.

Unzählige Suchende haben in Taizé eine geistliche Heimat gefunden. Hier werden keine Dogmen verkündet, sondern Glaubens- und Lebensfragen diskutiert. Und die berührenden Gesänge, immer wieder meditierend wiederholt, öffnen buchstäblich das Herz. Viele der Lieder und Gebete sind heute in unseren Gottesdiensten lebendig. Für viele waren die Begegnungen in Taizé prägend für ihr ganzes Leben: Die Stille, der vom dreimaligen Gebet bestimmte Tageslauf, der einfache Lebensstil. Denn wer sich vom Materiellen weniger ablenken lässt, wird empfänglicher für die Schönheit des Glaubens.

Lukas beschreibt das Leben in der Urgemeinde vor fast 2000 Jahren ganz ähnlich: Eine unglaubliche Aufbruchsstimmung war zu spüren. Täglich kamen neue Anhänger hinzu. Was war so attraktiv an dieser jungen Gemeinschaft? War es ihre Einigkeit? Die Gleichheit von Armen und Reichen, von Sklaven und Freien an einem Tisch, oder der gemeinsame Besitz?

Vor allem wohl das Gefühl, Jesus auf der Spur zu sein. Und die Ahnung, dass mit Gottes Geist ein ganz anderes Leben möglich ist. Das wirkt einladend und ansteckend.

Wunderbares geschieht, wo der Geist Gottes den Alltag verwandelt. Auf vier Säulen beruht dieses Leben: Sie orientieren sich an der Bibel, sie teilen alles, sie feiern zusammen Abendmahl und sie beten miteinander.

Könnten wir so leben?  Miteinander beten, arbeiten und feiern? Auf Besitz verzichten, allen gehört alles, und jeder kriegt, was er braucht? 

Jesus traut uns zu, anders zu leben.  Es muss nicht gleich ein Klosterleben sein. Es ist schon viel gewonnen, wenn spürbar wird, dass unter uns Christen andere Regeln gelten als im gnadenlosen Wettbewerb der Welt und dem Diktat des Marktes: Dass bei uns das Wir zählt anstelle von Egoismus und Egozentrik. Kein Hast-du-was-dann-bist du-was, weil genug für alle da ist. Jesus macht es vor. Bei ihm gilt nicht: Mein Haus! Mein Auto! Meine Karriere! Sondern: Unser Nachbar, unsere Aufgabe, unser täglich Brot, unsere Schuld, unser Vater. Bei Jesus können wir das Teilen lernen. Er teilt das Brot, die Zeit, Freude und Leid, die Schuld und auch den Tod mit anderen Menschen. Das heißt: miteinander leben.

Jesus traut uns zu, so zu leben: Ja, ihr seid Kinder des Lichts! Ihr könnt anders leben, nicht weil ihr andere Menschen, bessere Menschen seid, sondern weil ich euer Leben hell mache, weil mein Geist in euch am Werk ist.

Die Welt braucht solche Leuchtfeuer. Mag sein, dass wir nur kleine Leuchten sind. Egal! Wir müssen ja nicht selber leuchten. Es reicht, wenn wir Gottes Licht widerspiegeln.

Schon kleine Schritte können viel bewirken: Ordentliche Preise für gute Produkte. Milch- und Fleischpreise, von denen unsere Bauern leben können. Artgerechte Haltung von Tieren; Kaffee und Bananen, Textilien und Rohstoffe aus fairem Handel, hergestellt  ohne Ausbeutung. Zugegeben, das kostet uns etwas. Doch es macht uns nicht arm und lindert die Armut anderswo.

Die ersten Christen standen fest auf der Erde und waren offen für den Himmel. Weil sie aus der Liebe Gottes lebten und sie weitergaben. Das können wir auch. Frère Roger, der frühere Prior von Taizé, hat einmal gesagt: Es macht nichts, wenn du nur ein Stück vom Evangelium begriffen hast. Versuche, das zu leben, was du begriffen hast!

 


Ihr Gebet

Gebet

Heiliger Geist, gib, dass wir Frieden stiften und durch unser Leben einen Widerschein des Erbarmens Gottes erkennen lassen. Ja, lass uns lieben und es mit unserem Leben sagen.

Frère Roger, Taizé


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THEMA - Die Bergpredigt

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