Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf der richtigen Spur

2. Petrus 1,16+19 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Impuls zum Predigttext für den Letzten Sonntag nach Epiphanias: 2. Petrus1,16–19.

Bernhard Elser ist Pfarrer in Zainingen im Kirchenbezirk Bad Urach/Münsingen.

Auf der Weltbühne sind fantastische Fabelerzähler aufgetreten. Äsop war wohl der erste und der größte unter ihnen. In Äsops ausgeklügelten Kurzgeschichten können Füchse erstaunliche Einsichten vermitteln und flinke Hasen trägen Menschen auf die Sprünge helfen. Nichts läge ferner als Äsops Fabeln für bare Münze zu nehmen. Es geht ihnen nicht um Geschichte im Sinne von geschehenen Ereignissen, sondern um die Geschichte in Bezug auf ihre Moral, also ihre Aussage.

600 Jahre vor Christus war Äsops Reich der Fabeln bereits entstanden. Und in genau dieses Reich der Fabeln, Mythen und Legenden wollten Menschen im Umfeld des 2. Petrusbriefes die Botschaft von Christus und ihren umfassenden Anspruch bequem entsorgen. Ihnen tritt Petrus mit diesen Zeilen scharf entgegen.

Petrus ist Augenzeuge. Er hat „die Kraft und das Kommen“ von Jesus Christus selbst erfahren, ja sogar „seine Herrlichkeit selber gesehen“. Er selbst wurde Zeuge, wie Gott durch Jesus Geschichte geschrieben hat. Die Botschaft von Christus ist für ihn keine von historischen Tatsachen entkernte Hülse, sondern eine kernige, nachprüfbare Spur.

Diese Spur bricht nicht ab bei den ersten Adressaten dieses Briefes. Diese Spur führt hinein bis in den Alltag von Menschen, die heute bezeugen: „Wir haben Gottes Spuren festgestellt.“ Sie fabulieren nicht von einem fabelhaften Leben, sondern können erzählen von einer spannenden, nachprüfbaren Geschichte, die Gott mit ihnen geschrieben hat. Diese Geschichten sind nicht raffiniert ausgeklügelt, sondern laufen gerade quer zu dem, was eigentlich zu erwarten, vorherzusehen oder zu wünschen war. Wie bei dem, was Petrus zu erzählen weiß, geht es nicht um nette Geschichtchen, sondern um überraschende Geschichte. Es geht eben nicht nur um die „Moral von der Geschicht“, sondern um das, was tatsächlich gesehen und gehört wurde. Es geht nicht nur um Ansichtssachen, sondern um nachprüfbare Tatsachen.

Aber wer sind nun eigentlich die Fabel-erzähler? Petrus und mit ihm alle, die der Christus-Botschaft uneingeschränkt vertrauen? Oder die, welche die Bibel mit Stumpf und Stiel ins Reich der Fabeln verweisen? Der Theologe Klaus Berger erklärt das so: „Das Kriterium für die Wahrheit der Botschaft ist immer das Ende. Das gilt zunächst für das Ende der Geschichte Jesu in der Auferstehung, dann für das Ende, dass seine Botschaft ins Auge fasst, also das Ende der Geschichte. Der Beweis steht aus – mit seiner Wiederkunft und mit der Rettung der Gerechten.“

Bis zu diesem Ende empfiehlt Petrus der Gemeinde, allen Widerständen zum Trotz „am prophetischen Wort“ festzuhalten. Dieses Wort „ist ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort“. Es ist der alleinige Orientierungspunkt in der Finsternis, in die sich die Welt in ihrer Ablehnung Gottes und seines Wortes selbst abgrundtief hinein manövriert hat. Auf diesen festen Grund stellt Petrus die Gemeinde und bewahrt sie vor dem Abgrund, in den ihn die Feinde der Gemeinde mitreißen wollen. Das Festhalten am Wort der Propheten bleibt die Devise der Gemeinde, bis sich Jesus, „der Morgenstern“, selbst ihrer annimmt.

Es ist wohl die Ironie der Geschichte, dass kein Brief von den Kommentatoren mehr kritisiert, zerpflückt und verächtlich behandelt wurde wie der 2. Petrusbrief. Dass Petrus selbst der Verfasser gewesen sein soll, wird genauso als Märchen abgetan, wie die sich nahelegende Vermutung, dass der Brief schon im Jahr 50 nach Christus entstanden sein könnte.

Deshalb wird eines zu beachten sein: Wer mit dem 2. Petrusbrief am prophetischen Wort in letzter Konsequenz festhält, wird mit keinem Applaus rechnen können, sondern mit einem Sturmwind der Kritik. Wer sich diesem Gegenwind ausgesetzt sieht, darf sich aber mit den Propheten und Aposteln in guter Gemeinschaft wissen. Der Theologe Manfred Spieker bringt es auf den Punkt: „Es liegt in der Natur des Prediger- und Prophetenjobs, dass man damit eher auf den Index kommt als auf die Einladungsliste bei einem Gala-Dinner. Falls doch, sollte das einem zu denken geben.“

Lied

Wir haben Gottes Spuren festgestellt
auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt,
Hoffnung, die wir fast vergaßen.
Zeichen und Wunder sahen wir geschehn
in längst vergangnen Tagen,
Gott wird auch unsre Wege gehn,
uns durch das Leben tragen.

Diethard Zils. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 656.

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