Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf Gottes Wort hören

5. Mose 6,4–5 Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis: 5. Mose 6,4–9. 

Siegfried Jahn ist Dekan des
Kirchenbezirks Blaufelden.

Israel ist ganz Ohr, denn es beginnt sein Bekenntnis mit dem Hören! Nicht das Reden des Menschen, nicht sein Wissen, nicht seine Fähigkeiten und Möglichkeiten stehen am Anfang, sondern die klare Ausrichtung auf Gott, der spricht. Und sein Wort macht Menschen zu Angesprochenen.

Noch eine Woche, dann sind zahlreiche Gäste aus der weiten Welt und unserer Landeskirche eingeladen zum Landesmissionsfest in Blaufelden. „Hunger nach Brot, Gerechtigkeit und Gott“ – unter diesen drei Aspekten werden zahlreiche Veranstaltungen und Angebote dazu einladen, zu hören. Gott soll in der Mitte des Festes stehen. Gott allein soll Gott sein, damit wir Menschen Menschen sein können.

Von unseren jüdischen Schwestern und Brüdern können wir lernen, dass das Hören auf Gott uns wahrhaftige Orientierung und Wegweisung zum Leben vermitteln kann. Unser Leben ist ein Hören und Horchen, es ist zuallererst ein Nehmen und kein Geben. Jeder Gottesdienst und jede Gruppenstunde, ja unsere gesamte Gemeindearbeit und unsere Kirche ist dazu bestimmt, Gott den Schöpfer und Herrn der Welt auch in aller Welt zu Gehör zu bringen.

Wer ihn hört, der gehört ihm. Jesus spricht: „Ich lebe – und ihr sollt auch leben!“ In der Hörweite seines Wortes und der biblischen Botschaft bleiben wir Sein – in guten und in schweren Zeiten, in den Herausforderungen unserer Zeit und genauso im Sterben. Deshalb lädt das Landesmissionsfest uns zum Hören auf Gottes Wort ein. Wir erbitten uns von Gott eine lebendige und fröhliche Feier seiner Gegenwart – auch als Bekenntnis zu dem Gott, von dem wir singen: „…es ist ja doch kein anderer nicht, der für uns könnte streiten, denn du unser Gott – alleine!“

Am Bekenntnis des Volkes Israel wird noch ein Zweites ersichtlich: Es geht um die Gemeinschaft, also um „unseren“ Gott. Glaube gelingt nicht in der Einzahl. Das Bekenntnis zu dem einen Gott braucht als Gegenüber das Leben in der Gemeinschaft der Vielen. Das Hören auf den Herrn der Welt schenkt auch ein Gehör dafür, was die Gemeinschaft der Menschen zum Leben braucht. Deshalb ruft das Bekenntnis zu Gott auch zur Liebe – und zwar zu ganzer Liebe.

Dreimal heißt es „ganz“: mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Wie man Gott nicht nur ein bisschen, sondern nur ganz gehören kann, so sind wir auch in eine entschlossene und beherzte Nachfolge gerufen.

Wer Gott hört, bekommt auch ein Ohr für die Menschen. Er oder sie spürt, was Menschen brauchen, wo ihre Nöte liegen, wo wir in der Freude und in einem gesunden Humor einander zu Gehilfen werden können. Mit dem Herzen sollen wir bei Gottes und der Menschen Sache sein, unsere Seele bei uns selbst und anderen empfindsam mitschwingen, und unsere Kraft, also unser Vermögen, rege eingesetzt werden. Und das „ganz“, denn Halbherzigkeiten sind Gottes Sache nicht.

Der Prediger Wilhelm Busch hat einmal gesagt: „Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn.“ Wer nur halbherzig dient, wird bald ganz resigniert aufgeben. Das kann immer wieder passieren, eben dann ist das Hören auf Gottes Wort und die Teilhabe an der Gemeinschaft in bestimmten, vielleicht sogar sonntäglichen Abständen, unumgänglich.

Was wir sind und haben, alles steht im Eigentum des Schöpfers und dient ihm zur Ehre und den Menschen zum Segen! Das Hören auf Gott bleibt nicht bei sich selbst, sondern führt zum Dienst für die Gemeinschaft der Menschen.

Beim Landesmissionsfest kommen deshalb auch elementare Lebensfragen zur Sprache: Wir bringen unsere Sorge vor Gott, dass viele Menschen das Lebensnotwendige nicht haben und Schwestern und Brüder ihren Glauben in vielen Ländern nicht öffentlich leben können, ihn sogar mit ihrem Leben bezahlen.

Wir wollen in diesen Tagen aber auch die Freude unseres verschieden geprägten Glaubens teilen und uns Möglichkeiten zeigen lassen, mit denen wir den Hunger nach Gott, nach Brot und Gerechtigkeit stillen können. Gott schenke uns dafür Ohren zum Hören.

 

Ihr Gebet

Gerechter und barmherziger Gott,
Herr Jesus Christus,
lass mich hören,
was mich in deine Gegenwart führt.
Schenke mir ein Ohr,
das offen ist für die Nöte der Menschen.
Und gib mir Freiheit, um zu dienen.
Amen

















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