Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aus der Liebe leben

1. Petrusbrief 4,7-11 Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; den "die Liebe deckt auch der Sünden Menge". Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.

An die Freiheit gebunden: Impuls zum Predigttext für den 9. Sonntag nach Trinitatis: 1. Petrusbrief 4,7-11.

Andrea Luiking ist Pfarrerin der Versöhnungskirche Ummendorf im Kirchenbezirk Biberach.

„Christ?! …Ach! Interessant…Und was macht man da so?“ Eine Karikatur zeigt das als harmlose Frage beim Sektempfang. Der da gefragt wird schaut reichlich verdattert. Tja, was macht man da so? Christsein ist doch etwas anderes als ein Beruf: Das „Arbeitsgebiet“ ist deshalb nicht so einfach zu beschreiben.

Der Predigttext aus dem 1. Petrusbrief gibt eine einfache und verständliche Antwort. Er spricht von dem, was Christinnen und Christen ganz alltäglich machen. Nicht als Beruf, sondern als ganz praktischer Einsatz aus Glauben heraus. Kein kompliziertes Programm schreibt er auf. Er schreibt für Menschen, die neu dabei sind als Christen. Die möchten Handlungsanweisungen, klar verständlich.

Seine Antwort: „Bezieht in eurer Spiritualität die Vernunft ein. Öffnet eure Häuser für andere. Und liebt einander.“ Nüchtern sind diese Handlungsanweisungen. Jeden Tag zu tun und einzuüben.

Der Petrusbrief ist ganz realistisch: Schuld und Verfehlungen werden unter euch vorkommen. Deshalb: Übt die Liebe ein. Sie hilft, mit der Schuld umzugehen. Mit der anderer und mit der eigenen.

Zur Zeit des Petrusbriefs beschrieb dieses Verhalten eine Gegenwelt. Die christliche Gemeinde war eine kleine Minderheit. Durch ihr Handeln füreinander unterschieden sie sich von den Normen ringsum. Ihre Verantwortung war auf das beschränkt, was innerhalb der kleinen Gemeindegruppe geschah. Und Petrus nimmt an, dass die Aufgabe zeitlich begrenzt ist, dass das Ende der Zeit naht. Er hat nicht damit gerechnet, dass wir heute noch da sind und die Aufgabe weiterführen.

Heute sind wir als christliche Kirche eine Institution, die die Gesellschaft mitgestaltet. Auch die Gemeinden vor Ort sind eine Instanz, die öffentlich hörbar werden kann. Doch wie prägen wir als Christenmenschen und als Kirche die Gesellschaft und ihr Denken mit?

Gilt bei uns als Grundsatz „Jede Gabe ist eine Aufgabe!“, so wäre auch der Petrusbrief falsch verstanden. Dann unterscheidet sich das Leben als Christin wenig von dem der anderen in unserer Leistungsgesellschaft.

Dann nennen wir „Gabe“, was andere „Personalressourcen“ nennen, aus denen sie Kapital schlagen möchten. Manchmal mögen sich Engagierte in der Gemeinde so vorkommen. „Wir brauchen dich dringend, denn du kannst das doch so gut.“ Stehen wir manchmal auch als Kirche in der Gefahr, Menschen und ihren Fähigkeiten vor allem als Helfer für ein schon festgelegtes Ziel zu sehen? Dann wären auch wir dabei, andere vor allem über ihre Arbeit und Leistung zu definieren.

Wir sind aber berufen, uns tragen zu lassen von der Gnade. Alles, was wir haben, ist geschenkt von Gott. Diese Gnade können wir untereinander wachsen lassen und im Austausch entdecken, was notwendig ist.

Dafür brauchen wir einander, denn die anderen sehen, was wir selbst nicht im Blick haben. Damit in allen Dingen Gott gepriesen werde.

Nach dem Petrusbrief hat jede und jeder Begabungen von Gott bekommen. „Charisma“ heißt das Wort dafür im neuen Testament. Gnadengabe Gottes. Nicht nur Einzelne haben ein Charisma und sind von Gott beschenkt. Das ermöglicht echte Beziehungen und Begegnung auf Augenhöhe. Wir sind begabt, so miteinander umzugehen.

„Christ?! Was macht man da so?“ – falls mich mal einer das so ganz ohne Vorwissen fragt, habe ich die Antwort parat: „Christsein heißt: 1. Wissen, was ich kann und von Gott bekommen habe. Das bringe ich ein. 2. Gelassen benennen, was ich nicht kann und was mir misslingt. 3. Wissen, dass ich die anderen brauche, weil sie anders sind als ich. Kurz gefasst: aus der Liebe leben.“

 

Ihr Gebet

Gebet

Barmherziger Gott
wir leben aus deiner Kraft und der Fülle der Gaben:
Gib uns Gedanken nach deinem Sinn,
dass wir tun, was recht ist, und leben, wie es dir gefällt.
Durch unseren Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn,
der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt
und wirkt in alle Ewigkeit.
Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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