Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aus der Tiefe des Lebens

Philipper 2,5–11 Seid unter euch so gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Impuls zum Predigttext für Palmsonntag: Philipper 2,5–11.  Von Harry Jungbauer

Der promovierte Theologe Harry Jungbauer ist Schuldekan für die Kirchenbezirke Aalen und Schwäbisch Gmünd.


Ähnlich und doch anders als in diesem Lied von Jesus, dem Christus, spielen sich Lebensgeschichten bei uns ab! Menschen, die begabt, beliebt, bewundert waren, werden in Abgründe gezogen, weil sie ihre Arbeit, ihre Gesundheit oder ihre geliebten Nächsten verlieren. Sie finden sich unfreiwillig, ohne eigenes Zutun ganz unten wieder: in Depression und Verzweiflung. Mühsam arbeiten sich manche wieder hoch. Durch große Anstrengungen erreichen sie ihren früheren Stand fast wieder.

Mit Gott hat sich dagegen etwas abgespielt, was wir mit dem Lied aus dem Philipperbrief nur staunend besingen können. Da war einer ganz bei Gott, ihm gleich, und verzichtete freiwillig darauf, dass das einfach so bleiben sollte. Er wurde Mensch mit allen Folgen, bis nach ganz unten, bis zu einem schrecklichen Tod am Kreuz. Ohne eigenes Zutun wurde er daraufhin erhöht durch Gott, und zwar genau in den höchsten Stand, in dem er vorher war: Gott gleich, den alle letztlich anbeten werden.

Doch hat sich ein Teil dieses Weges bei uns, in unserer Welt, abgespielt. Denn Jesus Christus wurde Mensch und verzichtete freiwillig auf göttliche Macht, ja sogar auf menschliche Auswege. Er verzichtet freiwillig – das feiern wir am Palmsonntag. Jesus hätte den Esel auch in den Norden lenken können, wo ihm Petrus die Flucht vorgeschlagen hatte, um allem Leiden zu entgehen. Aber Jesus reitet bewusst nach Jerusalem, obwohl er weiß, was ihn erwartet: Nicht nur das vordergründige „Hosianna!“, sondern das lange geplante „Kreuzige ihn!“

Das war aber nicht das Ende. Der Gekreuzigte begegnet vielen neu, lebendig: Maria Magdalena zuerst, den Frauen, dann Petrus und anderen Freunden. Seine Kraft wirkt noch weiter, als er nicht mehr persönlich erscheint, aber den Tröster schickt, der allen, die an ihn glauben, immer wieder neuen Mut verleiht, durchhalten lässt und lebendige Hoffnung gibt.

Aus dem Staunen über das, was mit Jesus geschehen ist, keimt die hoffnungsvolle Frage auf: Wenn Gott es mit ihm so gemacht hat – was wird er dann bei mir und mit mir machen? Gewiss nicht dasselbe. Wir sind nicht Gott gleich, wir müssen uns nicht kreuzigen lassen und sollen auch niemals angebetet werden. Doch fragen wir: Ist diese ganz andere Lebenserfahrung Jesu für uns eine Chance? Könnte es auch bei uns so sein, dass Gott froh und glücklich macht, da aufhilft, wo wir ganz unten sind und die größte Anstrengung nichts mehr nützt? Könnte es sogar hilfreich sein, wenn wir einen Schritt nach unten machen? Wäre es am Ende ein Gewinn, wenn wir manches, was wir umklammern wie ein geraubtes Gut, loslassen könnten? Können wir dann anderen ganz unten aufhelfen?

Das Lied von Jesus Christus, das in der Gemeinde in Philippi gesungen wurde, ist kein moralisches Programm: „So musst du es auch machen.“ Es ist ein Bekenntnis zu Gott, der uns durch den Glauben an Jesus Christus eine neue Einstellung eröffnet. Gottvertrauen heißt: Wir glauben, unser Weg führt nach oben, zu ihm, auch wenn es im Leben steil bergab geht mit uns oder wenn wir gar selbst den Weg zu den Menschen ganz unten wählen.  Damit wird unser Leben neu, gelassen und getröstet: Schon hier auf der Erde, oder spätestens dort, wo alle freiwillig Jesus Christus als ihren Herrn bekennen.


Ihr Gebet

 
Gebet

Wir kämpfen oft um unseren Stand.
Wir wollen möglichst weit oben bleiben.
Ein Abstieg ist das Letzte.
Du, Herr Jesus Christus, hast deinen Stand nicht als Raub festgehalten.
Du hast dich möglichst weit nach unten ziehen lassen.
Dein Aufstieg blieb das Letzte.
Lass uns darauf vertrauen,
dass wir zu dir nach oben finden,
wenn wir ganz unten angekommen sind.



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