Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aus Liebe zum Leben

1. Johannes 5,9–12 Wenn wir der Menschen Zeugnis annehmen, so ist Gottes Zeugnis doch größer; denn das ist Gottes Zeugnis, dass er Zeugnis gegeben hat von seinem Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, der hat dieses Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, der macht ihn zum Lügner; denn er glaubt nicht dem Zeugnis, das Gott gegeben hat von seinem Sohn. Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.


Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach dem Christfest.  Von Matthias Treiber

Matthias Treiber ist Pfarrer an der Matthäus­gemeinde in Heilbronn-Sontheim.


Wenn sich die Menschen an der Frage, wie man Gott erkennen kann, doch nur die Zähne ausgebissen hätten! Aber sie haben sich deswegen allzuoft, man verzeihe den Ausdruck, gegenseitig den Schädel eingeschlagen, und einige tun dies bis heute. Die Geschichte der Religionen scheint in zwei Welten parallel gelaufen zu sein, auf der einen die dunkle Seite der Fundamentalisten und Besserwisser, die für den richtigen Glaubenssatz anderen Gewalt anzutun bereit sind, und auf der anderen Seite die leuchtende Seite des Glaubens, der die Menschen zum Guten geführt und so die Welt zu einem besseren Ort gemacht hat.

Wo also kann man Gott erkennen? Oder anders gefragt: Woher können wir wissen, welches Leben richtig ist? Der 1. Johannesbrief kennt darauf nur eine Antwort: In Jesus Christus. Also wieder Grund für Streit der Religionen? Ich habe darauf keine Lust mehr. Aber soll man die Antwort, die man gefunden hat, verschweigen und alles für gleich gültig halten? Das geht nicht und das wissen wir genauso gut wie der Autor des biblischen Briefs, denn wir sind als Menschen auf der Suche nach einem gelingenden Leben, nach einem Leben, das mehr ist als Arbeit und Essen, nach einem Leben das erfüllt ist, das einen Sinn hat und Freude macht.

Aber wie kann Leben wirklich gelingen? Wo finde ich das Leben, das auch in der Krise nicht zerbricht? Wo finde ich Leben mit Zukunft? Wo finde ich ein Leben, das gehalten ist, auch mit Zweifeln und in Schwäche?

Leben, meint der erste Johannesbrief, finden wir nicht in Theorien, nicht darin, dass wir bestimmte Sätze für wahr halten, sondern Leben finden wir in einer Person, in Jesus, der ein Mensch wie du und ich war, „wahrer Gott und wahrer Mensch“.

Jesus hat sich gefreut und getrauert, hatte Schmerzen und empfand Glück. Die Menschen konnten ihn sehen und hören und mit ihm sprechen. Und doch war er nach dem Zeugnis der Bibel nicht nur von dieser Welt, sondern kam von Gott. In Jesus berühren sich Himmel und Erde, Ewigkeit und Zeitlichkeit, Vollkommenheit und Begrenztheit. Gott selbst kommt in ihm zur Welt.

In Jesus begegnen wir also nicht nur einem edlen und vorbildlichen Menschen, in Jesus können wir Gott selbst entdecken. Für diese Grundüberzeugung möchte ich als Christ auch argumentativ einstehen ohne andere damit zu bedrängen. Ich kann sagen, dass ich einen Gott, der sich uns Menschen als Mensch offenbart, wirklich empfinden kann. Gott als Idee wäre mir nur ein abstrakter Gedanke, und Gott als fernes Über-Wesen, das nur Priester oder Propheten vermitteln können, immer fragwürdig, denn ich muss ihm selbst begegnen.

Die Überzeugungskraft des Christentums liegt in seiner unmittelbaren Menschlichkeit, im Gedanken, dass wir Gott in der Liebe erkennen, wie Jesus sie gelebt hat und wie sie heute ist. Gott mag mehr und größer sein als all die Geschichten des Neuen Testaments, aber in Jesus ist er für uns Menschen sichtbar und berührt uns, und tut dies in jeder Liebestat auch heute noch.

Jesus vergibt dem Gelähmten souverän seine Sünden, wie Gott! Er sagt selbst von sich: Ich und der Vater sind eins, und er hat so gelebt, dass wir ihm das glauben können. Wo wir Jesus ansehen, wachsen Liebe und Vertrauen. Wo wir Jesus ansehen, entdecken wir das Leben! Wir spüren: unser Leben ist von Gott gewollt und von seiner Liebe umhüllt. Dadurch erhält es seinen Sinn und seinen Wert: Nicht weil wir den Willen Gottes tun, ist unser Leben sinnvoll, sondern weil Gott es uns gegeben hat.

Wir lieben das Leben, weil Gott uns als liebendes Leben in Jesus Christus begegnet ist. Das können wir ruhig und gelassen allen sagen, die uns nach unserem Glauben fragen. Wir lieben das Leben und können uns nicht vorstellen, dass Gott anderen Menschen Böses will. Wir lieben das Leben und wollen es jeden Tag im Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit erfüllen. Wir lieben das Leben und ahnen, dass es ewig ist, über alles Leid, alle Gewalt und allen Tod hinaus.


Ihr Gebet

 


Gebet

Du herrlicher und freundlicher Gott,
ergreife uns jetzt durch deinen Geist,
dass wir dich empfangen, rühmen und ehren,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist ein Gott bist in Ewigkeit.
Amen

Luthers-Familienzeit

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THEMA - Die Bergpredigt

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