Christliche Themen für jede Altersgruppe

Befreit von der Last der Sorge

Johannes 18,1–11 (in Auswahl) Als Jesus das geredet hatte, ging er hinaus mit seinen Jüngern über den Bach Kidron; da war ein Garten, in den gingen er und seine Jünger. Als nun Judas die Schar der Soldaten mit sich genommen hatte und Knechte der Hohenpriester und Pharisäer, kommt er dahin mit Fackeln, Lampen und mit Waffen. Da fragte Jesus sie: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus von Nazareth. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Sucht ihr mich, so lasst diese gehen! Damit sollte das Wort erfüllt werden, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber hatte ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?


Impuls zum Predigttext für den Sonntag Judika: Johannes 18,1–27.  Von Viola Schrenk

Die promovierte Theologin Viola Schrenk ist
Pfarrerin in Lorch-Wald­hausen.


Petrus hat es gut gemeint. Er wollte alles richtigmachen, Jesus zur Seite stehen, ihn verteidigen, schützen – um jeden Preis. Dass Jesus seine Aktion mit dem Schwert ablehnt, muss Petrus verwirrt und demoralisiert haben. Er wollte doch nur helfen. Viele von uns wollen das auch. Und dennoch müssen wir manchmal erleben, dass unsere gut gemeinte Hilfe nicht gut ankommt. Vielleicht hilft dann die Frage nach den Motiven von Fürsorge. Um wen geht es tatsächlich? Um den oder die Andere oder doch eher um mich selbst?

Petrus war so sehr auf seine selbstgewählte Aufgabe fixiert, dass er überhörte, was Jesus ihm sagen wollte. Jesus hatte bereits mit seiner Fürsorge für die Seinen alles Nötige getan – auch für Petrus: „Sucht ihr mich, so lasst diese gehen.“ Es hätte das Schwert nicht gebraucht.

Was treibt Petrus nach dieser Szene, der Verhaftungstruppe bis zum Haus des Hohenpriesters zu folgen? Ist es Verbundenheit mit Jesus? Oder Trotz? Oder Neugier? Auf direktes Befragen hin leugnet Petrus seine Verbindung zu Jesus. Natürlich hatte er Angst.  Angst um sich selbst. Diese Angst führt zur Verleugnung und zeigt Petrus endgültig die Brüchigkeit seiner Solidarität mit Jesus.

Die Angst um das eigene Fortkommen, Angst, selbst Nachteile zu erleiden, die Angst zu kurz zu kommen, die Angst in ihren verschiedenen Spielarten ist der große Feind von Fürsorge und Solidarität und damit auch der Feind des Glaubens. Angst verstellt den Blick auf den Anderen und sieht nur noch auf sich selber: Das geht mich nichts an. Damit habe ich nichts zu tun. Ich bin’s nicht.

Als der Hahn kräht, erkennt Petrus sein Scheitern, obwohl er doch die besten Absichten hatte. In seiner Selbstbezogenheit konnte er den Auftrag und den Willen Jesu nicht begreifen. Diese bestehen nicht im Dreinschlagen, nicht in der Ausübung menschlicher Waffengewalt, sondern im Mitgehen, Mitaushalten, Mitleiden.

„Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?“ Damit weist Jesus auf die göttliche Dimension seines Auftrags und seines Leidens hin. Jesu Weg ist Gottes Weg. Wenn Jesus sagt: „Ich bin’s“, meint er zugleich den Vater, mit dem er eins ist. Im selbstlosen Leiden Jesu und in der damit verbundenen Fürsorge für die Seinen erweist sich daher die grundlegende Fürsorge Gottes für seine Menschen.

In der ganzen Passionsgeschichte zeigt sich Jesus als der gute Hirte und geht als solcher durch Verhöre, Verurteilung und Verspottung  in den Tod. Und er geht durch den Tod hindurch! Und das ist das Evangelium, die gute Botschaft, die in dieser grausamen Geschichte voller menschlicher Abgründe, voll von Verrat, Verleugnung und Verzweiflung steckt: Jesu Fürsorge gilt und wirkt auch in den tiefen Tälern des Lebens, und sie wirkt durch sie hindurch.

Auch Petrus wird dies erfahren. Und mit Petrus können es alle erfahren, die mit dem eigenen Scheitern hadern: Petrus wird eine Chance zum Neubeginn geschenkt. Er wird befreit von der Last des Versagens und von dem Blick auf die eigenen Sorgen. Durch den Tiefpunkt der Selbstsorge hindurch wird Petrus zum Fürsorger der christlichen Gemeinde nach Ostern. – Nicht mit Waffengewalt, sondern aus der Kraft Gottes, die neues Leben schenkt.


Gebet

Dein Weg zu uns, Gott,
ist Jesu Weg –
ein Weg durch die Ungerechtigkeiten
und das Leiden dieser Welt hindurch.
Hilf uns, diesen Weg zu finden;
stärke uns, ihn zu gehen
im Heiligen Geist.

Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD,
Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 305.





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