Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bei Gott sind alle gleich

Lukas 14,16–24 (in Auszügen) Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

Impuls zum Predigttext für den 2. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 14,16–24.  Von Anna Greve

Anna Greve ist Pfarrerin in Oberaichen.

Das Fest muss gefeiert werden! Wer in der antiken Welt der Einladung zu einem Fest nicht gefolgt ist, hat dem Gastgeber den gehörigen Respekt verweigert. Er hat ihn sein Gesicht verlieren lassen. Dadurch, dass der Geladene nicht zum sozialen Anlass des Fests erscheint, zeigt er sich auch als Person nicht sichtbar dem Gastgeber zugehörig. Das Ausschlagen einer Einladung zu neutestamentlichen Zeiten ist ein wesentlich derberer Fehltritt als heutzutage. Da genügt schon ein geplanter Urlaub als Grund für eine Absage bei der Hochzeit eines guten Freundes.

Nachdem kein Gast übriggeblieben ist, wäre es für den Gastgeber die logische Schlussfolgerung, das Fest abzusagen. Doch der Anlass ist ihm so wichtig, dass er beschließt, fremde Gäste aufzuspüren. Das Fest muss gefeiert werden! So sendet der Gastgeber seinen Boten aus, damit dieser alle einladen soll, die er findet. Jeder, der möchte, darf kommen. Nachdem die Freunde des Gastgebers abgesagt haben, trifft der Gastgeber eine zweite Wahl. Er sendet seinen Diener auf die Straßen und Gassen der Stadt und an die Hecken und Zäune.
Wen wird der Bote dort antreffen? Während die ursprünglich Geladenen derselben Gesellschaftsschicht wie der Gastherr angehörten, verbringen die neu Geladenen offenbar ihre Zeit auf den Landstraßen und an den Zäunen. Im Lukastext ist ferner von Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen die Rede. Der Gastgeber wendet sich an eine andere Gesellschaftsschicht. Er lässt sich auf ein soziales Gefälle ein.
Als Jesus seinen Jüngern dieses Gleichnis erzählte, stand noch ein weiterer Aspekt im Raum. Das große Abendmahl des Gastherrn stand für die Gegenwart Gottes. Wer durfte diese Gegenwart genießen? Welche Menschengruppe durfte an religiösen Festakten und Gottesdiensten teilnehmen? Die Gottesnähe war im Umfeld Jesu auf Juden beschränkt und auf Proselyten, also auf gebürtige Heiden, die sich dem Judentum zuwandten. Im Gleichnis finden wir den Hinweis, dass sich Gott, im Bilde der Gastherr, einer zweiten Klientel zuwendet, nachdem die ersten Ansprechpartner ihm den Rücken gekehrt haben. Durch Jesus, durch sein Leben und Wirken und durch sein Sterben, dürfen auch Heiden am Reich Gottes teilhaben.
Diese Hinweise finden sich im Neuen Testament immer wieder, etwa in der Erzählung von einer Vision, die der Apostel Petrus in der Stadt Joppe von Tieren hatte, die für Juden als Speise verboten sind (Apostelgeschichte 10). Heiden wie Juden dürfen sich gleichermaßen dem Heiligen Gott nahen. Es gibt keine äußeren Umstände, die einen Menschen von Gott fernhalten können, jeder ist zum Fest geladen.

Zu Gottes Fest darf jeder kommen, Jude und Heide, Mann und Frau, Arme und Reiche. Unabhängig von Entscheidungen, die einer getroffen hat und von Leistungen, die er erbracht hat – bei Gott sind alle gleich geliebt, und jeder Mensch ist gleich viel Wert. Diese Anerkennung, die wir bei Gott haben, vermissen wir oft im täglichen Leben. Dies darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir bei Gott in höchster Achtung stehen. Gott liebt und würdigt uns in unserer ganzen Person, auch mit unseren Schwächen und Brüchen. Wir sind von Gott angenommene Menschen. Deshalb hat jeder Mensch seine Würde. Vielleicht wäre es nicht verkehrt, wenn wir dies auch im Umgang miteinander beachteten.

Es mag sein, dass gesellschaftliche, kulturelle und geschlechterspezifische Unterschiede sich nachteilig für einzelne und für ganze Gruppen auswirken. In der Kirche darf dies nicht so sein. Im Gottesdienst darf ein Obdachloser neben einem Firmenchef sitzen, und im Abendmahl wird die christliche Gemeinschaft spürbar.

Ihr Gebet

 

Gebet

Herr, unser Gott, dankbar sind wir,
dass wir deine Kinder heißen dürfen.
Dankbar, dass vor dir nicht Rang und Namen gelten.
Egal, was wir getan und was wir unterlassen haben
– du möchtest uns bei deinem Fest.
Lass uns nicht vergessen,
es ebenso zu tun an unserem Nächsten.
Führe uns die Würde des anderen vor Augen
und lass uns diese Würde wahren.
Amen.














Evangelisches Gemeindeblatt

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