Christliche Themen für jede Altersgruppe

Betend durchs Leben gehen

Lukas 11,5–13 (in Auswahl) Jesus sprach: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!



Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: Lukas 11,5–13.  Von Thomas Ebinger

Der promovierte Theologe Thomas Ebinger ist Dozent für Konfirmandenarbeit am Pädagogisch-Theologischen Zentrum.




Heute ist der Haupt-Konfirmationstag für unsere Landeskirche. Rogate, betet. Das gilt für die Gemeinde: Sie ist aufgerufen zu beten für die jungen Gemeindemitglieder, die durch die Handauflegung einen intensiv spürbaren Segen Gottes zugesprochen bekommen. Das Vaterunser ist das dritte Hauptstück des Katechismus. Und so wie Luther und Brenz das erklärt und ausgelegt haben, tut es auch Lukas in seinem Evangelium. Denn er gibt gleich im Anschluss an den Wortlaut dieses ur-christlichen Gebets zwei Hinweise, wie man richtig betet.
Hinweis Nummer eins: Bete zu Gott wie zu einem Freund, den du so richtig nerven kannst, bis er dir gibt, was du von ihm haben willst. Mitten in der Nacht kann man so einen Freund  um Brot bitten und er wird aufstehen und ihm geben, so viel er braucht. Egoistisch ist diese Bitte übrigens nicht, sondern eine echte Fürbitte. Es geht um einen anderen Freund, der nach einer langen Reise nicht hungern soll. Es geht um die Rettung einer Freundschaft. Denn einem Freund die Gastfreundschaft zu verweigern ist im Orient der schlimmste Fauxpas, den man begehen kann.
Hinweis Nummer zwei: Bete zu Gott wie zu einem Vater. Längst nicht alle Jugendlichen haben Väter, die als Vorbild dienen und für ihre Kinder nur das Beste wollen, die ihre Karriere und ihr Liebesleben dem Wohl der Familie unterordnen. Für viele Jugendliche ist der Konfirmationstag ein heikler Tag: Dass es schwierige Eltern gibt, weiß auch Jesus. Aber selbst die schlechtesten Eltern, sagt er, würden ihren Kindern doch nie bewusst ein vergiftetes Geschenk machen, aber um „wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben“. 
Interessant, was Gott als Vater gibt. Nicht wie im Vaterunser die Fürsorge für Leib und Leben. Sondern Nahrung für die Seele, den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist der Geist der Weisheit und Besonnenheit, der tröstend aufrichtet, der den Weg aus der Misere weist. Der Heilige Geist spielt bei der Konfirmation eine besondere Rolle: Durch die Handauflegung wird er den Konfirmandinnen und Konfirmanden zugesprochen und symbolisch übertragen. „Nimm hin den heiligen Geist“, so beginnt die klassische Konfirmationsformel von Martin Bucer, dem Erfinder der Konfirmation.
Untersuchungen zur Konfirmandenarbeit zeigen übrigens, dass den Jugendlichen dieser Segen mindestens so wichtig ist wie das Materielle, die Geld- und sonstigen Geschenke, die es bei der Konfirmation gibt und die auch völlig in Ordnung sind. Denn ein Segen ist unbezahlbar und etwas extrem Kostbares in unserer Zeit, in der man fast alles kaufen kann außer Weisheit, Lebensmut und Gottvertrauen.
Und wie lange dauert es, bis ein Gebet erhört wird? Wie lange muss man da Geduld haben? Auch darauf geben die beiden Abschnitte Antwort: Bis der Freund tatsächlich aus seinem Bett aufsteht und sich über seine schlafenden Kinder hinwegarbeitet, dauert es. Da muss man schon hartnäckig bleiben, sonst hält der das für einen schlechten Traum. Auch gegenüber Gott ist Geduld angesagt. Nicht alle Gebete werden sofort erfüllt, viele auch anders, als wir sie gemeint haben, weil Gott besser weiß was gut für uns ist als wir selbst. Deshalb ist das Gebet auch nicht nur ein Akt, sondern vielmehr eine Lebenshaltung. „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Betend durchs Leben gehen heißt, Suchender zu sein. Nicht jemand, der meint den Stein der Weisen schon gefunden zu haben. Solche Christen empfinden nicht nur Jugendliche oft als ziemlich anstrengend. Betend durchs Leben gehen, heißt offen zu sein für das, was Gott mir geben möchte, egal ob heute oder übermorgen.


Gebet

Gott, unser Vater und Freund, wir wagen es, dich zu stören mit unseren Bitten. Sind so mutig, unser Herz zu öffnen, das gefüllt ist mit so vielen kleinen und großen Wünschen. Gib uns das, was uns gut tut und unsere Seele satt macht. Segne alle Konfirmanden, die sich heute feiern lassen. Leite und begleite sie auf ihrem Lebensweg. Amen.

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