Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bezugspunkt unseres Lebens

Römer 14,7–9 Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.

Impuls für den Drittletzten Sonntag des Kirchenjahrs: Römer 14,7–9.  Von Jörg Martin Schwarz

Auf dem Rückweg vom Friedhof machten sie halt und gingen die Schaufenster betrachten. Zwischen den modernen Zweckbauten in Beton und den aufgeräumten Fassaden befand sich noch ein altes Geschäft mit einer dunklen Holztür und Schaufenstern, die fast bis zum Boden reichten.  „Schau mal  – da haben sie dieselben Wandbilder wie Oma.“ Der kleine Junge war begeistert über seine Entdeckung. „Was meinst du denn damit?“, entgegnete der Vater. „Na, da“, sagte der Junge, „wie bei Oma über dem Küchentisch.“ Inzwischen waren auch die Mutter und die Schwester zum Schaufenster gekommen und sahen neben Bibelausgaben, Gesangbüchern, Malbüchern, Schulranzen, Tauf-  und Kommunionkerzen die kleinen Kacheln mit den Bibelversen. Sie schienen wie aus der Zeit gefallen. Unter den Versen war auch dieser eine, der einstmals bei der Großmutter über dem Küchentisch hing. Auf einem dunklen Beigeton mit dunkelbrauner Farbe stand da in einer unzeitgemäßen Schrift: „Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“

Beim Auflösen des Haushalts waren einige wenige Dinge übrig geblieben, die sie in einer Schachtel aufbewahrt hatten. Lange hatten sie nicht mehr da hinein geschaut. Erst die Kinder hatten darauf gedrängt, die Habseligkeiten der Oma noch einmal anzuschauen, und ihre persönlichen Erinnerungen mit jedem einzelnen der Stücke verknüpft. Erst war es den Eltern schwer gefallen, aber dann hatten auch sie  wieder ihre Erinnerungen zurückgewonnen: Schönes, Schweres, Belastendes, aber auch Rückblicke auf fröhliche, längst vergangene Zeiten.

Der Junge hatte die Kachel anschließend mit in sein Zimmer genommen und neben seinen anderen Schätzen aufbewahrt. Intuitiv hatte er erfasst, welche Bedeutung diese Worte für seine Großmutter hatten. In ihren Erzählungen fand er sie wieder. Die Worte hatten sie begleitet – auf einem kleinen Schmuckkärtchen, das sie bei der Konfirmation 1950 von ihrem Seelsorger erhalten hatte. Aber auch schon in den Zeiten der Flucht und der Vertreibung, später als Trauspruch, beim Tod des Ehemannes und in ihren letzten Jahren: Die Verse aus dem Römerbrief waren stille Wegbegleiter ihres Lebens.

Am Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres ist es für uns Christen an der Zeit, die Gedanken zu ordnen. Der Blick geht zurück, auf das was war, aber gleichzeitig ist er auch nach vorne gerichtet auf das, was noch kommen wird. Das Kommen des Herrn wird nun zum Thema des Kirchenjahres. Und die Frage, wie wir dem Herrn begegnen, wann er kommen wird und ob wir darauf vorbereitet sind. Nichts anderes erwarten wir ja, wenn wir im Vaterunser beten: Dein Reich komme!

Leben und Sterben sind sozusagen „exzentrisch“, so sagte es  einmal Gerhard Ebeling: Leben und Sterben unterliegen einer Macht außerhalb von uns. So hat es auch Martin Luther verstanden, wenn er 1530 in seinem Brief  an seinen Weggefährten Georg Spalatin schreibt: „Wir sollen Menschen und nicht Gott sein.“  Alles, was unser Leben ausmacht, ist dann auf Gott bezogen. Er ist ein Fixpunkt außerhalb unsrer selbst. Das ermöglicht es uns, uns nicht selbst zum Opfer zu fallen in aller unsrer Verzagtheit, in allem menschlichen Größenwahn. Wir sind uns nicht selbst ausgeliefert.

Der Apostel Paulus erinnert uns daran, dass die Herrschaft Gottes bereits in unser begrenztes Leben hineinreicht. Die Sätze aus seinem Brief könnten eine Bildunterschrift unter die Darstellung der Auferstehung Christi auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald sein: „Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er über Tote und Lebende Herr sei.“ Der Auferstandene erhebt sich wie schwerelos aus dem geöffneten Grab. Von seinem Angesicht geht ein Strahlen aus, ein überirdisches Licht, das die ganze Szenerie und auch die am Boden liegenden Menschen erfasst. Christus ist der Herr über Leben und Tod.

„Wie konnte Oma das alles eigentlich immer so mutig angehen?“, fragte der Sohn auf dem Rückweg nach Hause seinen Vater. „Ich glaube, weil sie nicht allein in diesem Leben auf Jesus Christus hoffte, konnte sie so hoffnungsvoll und lebensbejahend sein.“

Gebet

Ewiger Gott,
du hast in Christus eine neue Schöpfung begonnen,
in der Liebe und Gerechtigkeit wohnen auf ewig.
Wir warten mit Freude und Hoffnung,
dass sie vollendet werde, und beten mit Zuversicht: Dein Reich komme. Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Aus: Evangelisches Gottesdienstbuch. Agende für die EKU und die VELKD, Verlagsgemeinschaft Evangelisches Gottesdienstbuch 2001, Seite 407.

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