Christliche Themen für jede Altersgruppe

Christi Geist beflügelt uns

Matthäus 28,16–20 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Impuls zum Predigttext für den 6. Sonntag nach Trinitatis: Matthäus 28,16–20.  Von Konrad Mohl

Konrad Mohl ist Pfarrer in Aichwald im Kirchenbezirk
Esslingen.

Jünger machen! Welch ein Auftrag! Können wir das? Hingehen und andere zu Jüngerinnen und Jüngern Jesu machen? Das kann wohl nur der Heilige Geist: Menschen anrühren und verwandeln. Wir können bestenfalls auf Jesus hinweisen.

Manchen beschleicht beim „Jünger machen“ die Erinnerung an fragwürdige Missionsmethoden, bei denen es oft nicht um himmlische, sondern um handfeste irdische Interessen ging. Trotzdem gilt Jesu Auftrag: „Gehet hin in alle Welt!“

Paulus hat damit Ernst gemacht, und im 18. und 19. Jahrhundert viele Missionare, auf abenteuerlichen Reisen, mit Schiffen, auf Eseln und zu Fuß. Dabei wurden auch Fehler gemacht: Nicht nur der Glauben, auch koloniales Denken und bürgerliche Moral wurden exportiert. Es sind eben Menschen, die Gottes Wort weitertragen. Doch fest steht: Ohne einen Paulus oder die irisch-schottischen Mönche wären wir heute wohl keine Christen und wüssten nichts von dem Mann aus Nazareth.

Die Jünger kehren zurück nach Galiläa. Dort im Alltag begegnet ihnen der Auferstandene. Einige Jünger zweifeln. Doch Jesus traut seinem zweifelhaften Bodenpersonal viel zu: Alle Welt soll es erfahren, dass Gott uns mehr liebt als wir ahnen, dass es Vergebung und Neubeginn gibt, dass seine Liebe stärker ist als der Tod. Diese Botschaft sollen wir nicht für uns behalten.

Mission im Sinne Jesu ist kein Befehl. Eher die Aufforderung, uns bewegen zu lassen von Jesu Lebensatem. Sein Heiliger Geist wird uns dorthin tragen, wo wir gebraucht werden, wo Jesu gute Botschaft gebraucht wird: am Arbeitsplatz oder daheim, am Krankenbett oder in der Schule, in der Jung­schar oder unterwegs.

Es müssen keine frommen Sprüche sein. Der Dichter Paul Claudel schreibt: „Rede nur, wenn du gefragt wirst – aber lebe so, dass man dich fragt!“ Christen sollten so leben, dass andere aufhorchen.

Beim Kirchentag habe ich das erlebt: Da war etwas von Gottes Geist spürbar, beim gemeinsamen Singen und Beten, beim Austausch über die Probleme unserer Zeit, beim Nachdenken über Bibeltexte, bei Begegnungen und Gesprächen. Der Geist Gottes war zu spüren, in Liedern und Bläserklängen, bei geduldigen Stadtbahnfahrern und hilfsbereiten Polizisten, bei freundlichen Pfadfindern. Einmal wurde es eng auf dem Bahnhof. Polizisten riegelten die Bahnsteige ab, es ging nicht nach vorne, und von hinten strömten jeden Augenblick hunderte Menschen nach. Eine beklemmende Situation. Jetzt keine Massenpanik, dachte ich. Da sang einer „Laudate omnes gentes“. Auf einmal stimmten Hunderte in den mehrstimmigen Taizégesang ein. Die Ordnungskräfte staunten.

„Siehe, ich bin bei euch alle Tage“, verspricht Jesus. Wie spüren wir seine Nähe, seine Geistesgegenwart? Ich spüre sie da, wo sein Geist in mir klingt, etwas zum Schwingen bringt; wo mir jemand begegnet, wo mir einer zulächelt. Wo jemand mich braucht, oder wo die Schöpfung mich anrührt. Resonanz nennt man so etwas, wenn eine Saite in mir zum Klingen kommt, wenn etwas ansprechend ist.

Resonanz heißt, Gott bringt etwas in mir zum Schwingen und lässt mich spüren: Christus begleitet uns durch Höhen und Tiefen. Sein Geist belebt und beflügelt uns, macht uns ansprechend und ansprechbar, mitten in unserem bruchstückhaften Leben.

Jesus ist auch bei den Zweiflern. Um sie kümmert er sich. Ihnen gilt seine Fürsorge, zu den Schwachen, zu denen am Rand fühlte er sich zeitlebens hingezogen. Alle Tage ist er da – auch an den dunklen, auch an den schweren, auch an den vermeintlich sinnlosen. Er ist da, auch wenn ich nichts merke. Er ist mir nah, selbst wenn ich mich fern von ihm fühle. Er ist mir nah, sogar wenn ich zweifle. So sendet er uns in die Welt: gelassen und getrost, im Vertrauen auf ihn, der bei uns ist bis ans Ende unserer Tage. Der unseren Weg kennt und uns die Kraft gibt, ihn zu gehen.

Nein – Jünger machen können wir nicht. Glauben zu schenken, das ist und bleibt das Werk des Heiligen Geistes. Wir können nur auf ihn hinweisen. Und so leben, dass man uns fragt.

Ihr Gebet

 

Gebet

Wir beten zu Gott, der uns durch seinen Geist nahe ist:
dass wir von der frohen Botschaft frei und öffentlich Zeugnis geben.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 294.



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