Christliche Themen für jede Altersgruppe

Dankbar sein

5. Mose 26,1–11 (in Auszügen) Wenn du in das Land kommst, das dir der Herr, dein Gott, zum Erbe geben wird, so sollst du nehmen die Erstlinge aller Feldfrüchte, die du von deinem Lande einbringst, und hingehen an die Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählen wird und sagen: Ich bekenne heute dem Herrn, dass ich gekommen bin in das Land, das der Herr, wie er unsern Vätern geschworen hat, uns geben wollte. Dann sollst du sagen vor dem Herrn, deinem Gott: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. Und der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt. Nun bringe ich die Erstlinge der Früchte des Landes, das du, Herr, mir gegeben hast. Und du sollst fröhlich sein über alles Gut, das der Herr, dein Gott, dir gegeben hat, du und der Fremdling, der bei dir lebt.

Impuls zum Predigttext für Erntedank: 5. Mose 26,1-11.  Von Gabriele Walcher-Quast 


Gabriele Walcher-Quast ist Leiterin der Heimvolkshochschule Hohebuch und Landesbauernpfarrerin.


„Früher fühlte ich mich wie ein Fremder,“ sagt Mahmud. „Hier im Garten habe ich Erde, die ich fühlen kann, einen Platz, wohin ich gehen kann und wohin ich jemand einladen kann. Da habe ich eine Heimat.“ Mahmud hat ein Stück Land bekommen, eine Parzelle im Interkulturellen Garten. Da pflanzt er Zwiebeln, Lauch, Paprika und vieles mehr. Da feiert er Erntedank zusammen mit den anderen 17 Gärtnerinnen und Gärtnern aus 15 verschiedenen Ländern, mit Freunden und Interessierten.
Nur ein Stück Land? Auf einem Stück Land kann ich Wurzeln schlagen, neue Wurzeln nach Vertreibung und Flucht, nach Migration und Umsiedlung, nach Umzug und Auswanderung, nach Angst und Not. Ich kann säen und kultivieren und hacken und jäten und ernten. Und mit jedem Spatenstich, mit jedem aufkeimenden Sämling, mit jeder geernteten Frucht, werde ich mehr und mehr Teil des Landes. Lebe inmitten von dem, was um mich lebt, wächst und gedeiht.

Israel erinnert und erzählt beim Erntedankfest seine wechselvolle Geschichte von Verdorren und Wachsen, von Not und Scheitern, Bedrückung und Befreiung. Es feiert die Rettung aus der Not der Väter in einem Dankopfer. Es feiert Gott, auf den Verlass ist, der seine Verheißung erfüllt. Es feiert das gottgegebene, neue Land, das neues Leben möglich macht: es kann wieder gepflanzt und geerntet werden. Es kann wieder etwas wachsen und das Volk selbst kann wieder Wurzel schlagen. Dieser Neuanfang soll dem Volk Israel immer im Gedächtnis bleiben.

An Erntedank lassen auch wir uns erinnern. Wir verdanken uns nicht der eigenen Kraft und Tüchtigkeit. Rettung, Lebensraum und Ernte sind Gottes Werk und Gabe.

Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern auf dem wir leben. Auch wenn die gelebte Wirklichkeit eine andere Sprache spricht, tun wir gut daran, dies nicht zu vergessen. Das Stück bebautes Land, die fruchtbare Erde, das Wachsen und Reifen kommt nicht von uns selbst. Und als ein Akt der Demut verstehe ich die „Darbringung der Erstlinge“.  Weil es von Gott kommt, soll ich das Erste von dem, was mir zuwächst, hergeben. Nicht den Rest, nicht das, was ich entbehren kann, wenn ich selber genug habe und wenn dann noch etwas übrig ist.

Das Erste hergeben: die erste knackige Frucht, die ersten reifen Tomaten. Oder was könnte man noch hergeben?  Das erste Gehalt? Zum Dank für alle überstandenen Prüfungen und Entbehrungen? Was auch immer: dieses Hergeben fördert eine Haltung dankbarer Demut gegenüber den anderen und gegenüber Gott.

Backofenduft streicht durch den Garten. Es ist Brot im Ofen und auf einem Blech liegen Fladen. Aus dem fröhlichen Stimmengewirr am großen gemeinsamen Essplatz tönt der sonore Bass von Mahmud. Es ist Zeit, die Ernte zu genießen, zusammen zu kochen und zu essen. Zeit, miteinander fröhlich zu sein. Teilen, danken, sich an all dem Guten erfreuen und Gott feiern, der uns, Einheimische und Fremde, so reich beschenkt.

Gebet
Gott, segne uns mit Dankbarkeit für alles,
was du uns gibst. Segne uns mit Demut vor dem, was wir ernten. Lass uns mit den Gaben freizügig und verschwenderisch umgehen.
Lass uns Lebendigkeit und Freude finden,
wenn wir unser Leben teilen wie das Brot.

Evangelisches Gemeindeblatt

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