Christliche Themen für jede Altersgruppe

Danken für unser tägliches Brot

Lukas 12,16–20 Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?


Impuls zum Predigttext für das Erntedankfest: Lukas 12,13–21.  Von Jörg Dinger


Pfarrer Jörg Dinger ist Landesbauernpfarrer, promovierter Theologe und Schulleiter der Ländlichen Heimvolks­hochschule in Waldenburg-Hohebuch.



„Was soll ich tun?“ Der Reiche in Jesu Gleichnis stellt sich die richtige Frage. Er steht vor einer großen Herausforderung, will verantwortlich damit umgehen. Die Speicher reichen nicht für die Rekordernte an Getreide, Öl und Wein.

„Was sollen wir tun?“ Landwirte heute stehen oft vor gewaltigen Herausforderungen. Der trockenheiße Sommer, der bei manchen Kulturen die Ernteerträge deutlich reduzierte, bei anderen teure

Bewässerung nötig machte. Schlechte Erlöse für Milch und Schweine. Tierhalter stehen in der öffentlichen Kritik, die zum Teil auf wirkliche Probleme hinweist, zum Teil aber zu pauschal und völlig überzogen daher kommt. Mehr Tierwohl kostet nun einmal Geld, billige Lebensmittel sind aber nach wie vor gefragt in unserer Gesellschaft.

„Was sollen wir tun?“ Augen zu und durch? Den Betrieb stärker öffnen, damit die Leute sehen, wie Tiere gehalten, Lebensmittel erzeugt werden? Investieren, vergrößern? Oder aufhören? Umstellen auf Bio? Eine Selbstvermarktung aufbauen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, je nach Betrieb. Sie abzuwägen und umzusetzen ist die Aufgabe des Betriebsleiters, der Betriebsleiterin, der Landwirtsfamilie.

„Was sollen wir tun?“ Die Frage stellen sich politisch Verantwortliche, auch in Gemeinderäten und Landkreisen, weil so viele Menschen bei uns Zuflucht und bessere Lebensmöglichkeiten suchen. Viele Bürger, viele Christen nehmen die Herausforderung an, packen an, setzen sich für diese Menschen ein.

„Was soll ich tun?“ An der Frage des Reichen in Jesu Gleichnis ist nichts Unrechtes. Auch seine Entscheidung für eine große Investition ist nachvollziehbar. Kräftig Geld in die Hand nehmen, um dann für längere Zeit Ruhe zu haben. Oder überzieht er schon hier? Alles einreißen und neu bauen – als sei das, was er bisher hatte, überhaupt nichts.

Ein „Narr“, der einen tödlichen Irrweg eingeschlagen hat, ist er aber, weil

er sich nur um

sich selbst dreht. Er führt ein Selbstgespräch. Hat er keine Familie? Oder spielt die keine Rolle für seine einsame Entscheidung? Gibt es keinen Freund, keinen Berater, mit dem er sich über diese gewaltige Sache austauschen kann?

Weiter: Offensichtlich verschwendet er keinen Gedanken daran, mit dem zusätzlichen Reichtum anderen Gutes zu tun. Aus Dankbarkeit, denn die Superernte ist nicht einfach sein Verdienst, sondern letztlich eine Frucht von Gottes reichem Segen. Ihm scheint das nicht bewusst zu sein: „Keiner kann allein Segen sich bewahren, weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen“ (Evangelisches Gesangbuch 170,2).

Schließlich, und das ist der entscheidende Punkt: Er wiegt sich in falscher Sicherheit. Mit den reichen Kornvorräten will er sein Leben absichern für lange Zeit, dazu seiner Seele Ruhe und Frieden verschaffen. Er vergisst, dass wir alle Geschöpfe Gottes und sterbliche Menschen sind. Unsere Seele wird allein durch Essen und Trinken nicht satt, findet durch materielle Absicherung keinen Frieden. Wir leben in und durch Beziehungen – zu unseren Mitmenschen, zu unserem Schöpfer: „Zu dir hin hast du uns erschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es zur Ruhe kommt in dir“, schreibt der Kirchenvater Augustinus.

Erntedank feiern ist also das Gegenteil von dem, was dieser Reiche tut. Wir danken Gott für unser Leben, für die Ernte – wie schwierig das Wetter in diesem Sommer auch war –, für unser tägliches Brot, für unsere Mitmenschen, dafür, dass wir in einem vergleichsweise sicheren und wohlhabenden Land leben. Wir danken Gott dafür, denn wir wissen: Es ist alles andere als selbstverständlich.


Ihr Gebet

 

Gebet

Wir preisen dich, Gott,
denn bei dir ist die Quelle des Lebens.
In deiner Hand liegt unser Leben.
Deinem Segen verdanken wir die Ernte,
unser tägliches Brot.
Wir preisen dich, Gott,
denn bei dir ist die Quelle des Lebens.
Amen.



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