Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Beten soll nie aufhören

2. Mose 32,7–14 (in Auszügen) Der Herr sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben‘s angebetet und ihm geopfert und gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen. Mose aber flehte vor dem Herrn, seinem Gott, und sprach: Ach Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. Da gereute den Herrn  das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Rogate: 2. Mose 32,7–14. 

Charlotte Sander ist Pfarrerin in Stuttgart-Mühlhausen.

Die Menschen auf dem Prüfstand: wieder und immer wieder. Haben sie es immer noch nicht begriffen? – Gott ist enttäuscht, mehr noch: erzürnt. Die, die er gerettet hat, sie sind es nicht wert. Sie tanzen um das goldene Kalb, das Götterbild, das selbstgeschaffene. Gott – der allmächtige – unsichtbare – unbegreifliche – das ist doch eine Illusion. Das ist doch lächerlich. Ganz und gar nicht rational. Wenn etwas uns aus der Misere hilft, dann unser eigener Witz und Verstand, unser Können und unsere Technologie. Kurz, unser goldenes Kalb! Vergessen der Bund, vergessen die Weisungen des Herrn.

Gott gerät in Rage, wieder einmal wurde er enttäuscht. Strafen will er die Menschen. Zu Recht? Zu Recht! Doch was würde das helfen?

Was tun angesichts von Vernichtung ,die unausweichlich auf einen zukommt? Die Menschen haben vergessen, wer ihnen das Leben gegeben, wer Gemeinschaft ermöglicht und Freiheit geschenkt hat.

Mir drängen sich die Bilder auf, wo wir Gott vergessen. Die goldenen Kälber des dritten Jahrtausends. Nationalistische und rassistische Verachtung, die zur Vernichtung von Menschen durch Menschen führt, rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen dieser Erde, die Ichbezogenheit, die blind macht dem Schicksal anderer gegenüber. Wenn es Gott gibt, dann kann Gott das nicht ignorieren. Unsere Phantasie ist so, dass wir durchaus Verständnis haben für göttliche Zornausbrüche. Dreinschlagen, losschlagen, „ausmisten“, das wollen wir selbst manchmal. Gibt es dann überhaupt noch eine Chance für die Menschen?

Mose gibt sein Volk nicht auf. Er widerspricht Gott und erinnert Gott daran, dass er doch gnädig und barmherzig ist. Luther hat das „zu Gott gegen Gott fliehen“ genannt. Das ist die Kraft des Gebets. Beten heißt mit Gott reden, argumentieren, rechten und streiten. Beten heißt auch, Gott an seine Verheißungen zu erinnern und mich an ihnen festzuhalten.

Mose hat Gott überzeugt, die gänzliche Vernichtung wurde abgewendet, das Erbarmen Gottes setzt sich durch. Damit die Weisungen Gottes nie mehr vergessen werden, wird Mose zwei Steintafeln vom Berg Gottes bringen, die zehn Gebote. Leitlinien für ein Leben wie es Gott gefällt: ohne Lieblosigkeit, ohne Lug und Betrug, ohne Mord und Totschlag. In diesem Rahmen sollen wir leben, als Antwort auf Gottes lebenserhaltendes Erbarmen. Und im Gebet bleiben wir in Kontakt mit Gott: fragend und klagend, zweifelnd und verzweifelt, bittend und fürbittend, staunend und dankend.

Die jüdische Dichterin und Partisanin Hannah Szenes bittet Gott darum, dass das Beten der Menschen niemals aufhöre: „Mein Gott, mein Gott, lass niemals enden: / Den Sand und das Meer, / das Rauschen der Wellen, / das Blitzen des Himmels, / das Beten der Menschen“ (übersetzt von Volker Haarmann).¦
 

Ihr Gebet

Gebet

Gib uns Moses Flehn und Beten
um Erbarmung und Geduld,
wenn durch freches Übertreten
unser Volk häuft Schuld auf Schuld.
Lass uns nicht mit kaltem Herzen
unter den Verdorbnen stehn,
nein, mit Moses heilgen Schmerzen
für sie seufzen, weinen, flehn.
Amen.

Philipp Spitta. In: Evangelisches Gesangbuch, Nummer 137,4:

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 28/2017