Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Dunkel ausleuchten

Epheser 5,1–8 (In Auszügen) So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Okuli: Epheser 5,1–8.  Von Gabriele Arnold.

Gabriele Arnold ist Geschäfts­führende Pfarrerin in Bad Mergentheim.



Erinnern Sie sich an die lauen hellen Sommernächte? Als wir abends auf dem Balkon saßen, es gar nicht dunkel wurde und dann die Glühwürmchen kamen, die mit ihrem Aufleuchten einen Zauber aus Kindertagen brachten? Und jetzt, im ausklingenden Winter, werden die Tage langsam länger, und wir gehen dem Licht entgegen. Erst seit Ende der 40er-Jahre des letzten Jahrhunderts ist ganz Deutschland an das Stromnetz angeschlossen. Seit damals ist Licht jederzeit und überall verfügbar. Wir kommen nach Hause und drücken den Lichtschalter. Für die Kinder brennt ein Nachtlicht und für unsere Alten auch.

Dunkelheit macht Angst. Wir wissen nicht, wo wir sind, finden den Weg nicht, geraten ins Stolpern, sehen nicht, wer ums Haus schleicht. Die Menschheit war Jahrtausende lang dem Wechsel von Tag und Nacht hilflos unterworfen und trotzte mit Fackeln, Öllampen und Kerzen der Dunkelheit. Was Finsternis ist, wussten die Menschen. Und Christen, so schreibt es der Verfasser des Epheserbriefes, sind Licht. Sie leuchten in der Welt. Sie machen sie hell. Wo sie sind, wird die Welt heller, vielleicht sogar besser. Aber wir leuchten nicht aus uns selbst. Wir werden erleuchtet von Christus, dem Licht. Ich bin das Licht der Welt, sagt Jesus einmal. Das heißt doch: Ich bin es einfach, auch wenn ihr es manchmal nicht glauben könnt. Ich bin es auch dann, wenn ihr es nicht seht. Ich bin das Licht der Welt. Durch mich leuchtet auch ihr. Das Licht ist da. Christus ist da. Auch wenn wir es so oft nicht sehen. Und deshalb sollen wir Licht in die Dunkelheit bringen und uns nicht von der Finsternis verschlucken lassen. Wir sollen sichtbar bleiben. Uns soll man sehen, uns Christen kann man in die Augen schauen, auch wenn es um uns herum viel Dunkel gibt. Wer wollte auch die Dunkelheit leugnen: Das Elend der Flüchtlinge weltweit, die Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte, die Hassreden und das Klima der Angst und der Abgrenzung in unserem Land, die vielen Toten, die durch Krieg und Gewalt ihr Leben verlieren, die Einsamkeit der herumirrenden Jugendlichen, die Todesangst der Kranken, das stille Leiden der Alten.

So viel Dunkelheit. Man könnte den Glauben verlieren, dass da Christus ist, dass da Licht ist. Man könnte aufgeben und sich der Dunkelheit unterwerfen. Man könnte. Aber wir tun das nicht. Christen müssen das Dunkel nicht leugnen. Wir haben das Licht und gerade deswegen müssen wir uns die Welt nicht schön reden. Wir müssen nichts tun, um sie zu vergessen. Im Gegenteil: Wir können hinschauen, ganz genau hinschauen und reden und handeln. Denn wir wissen, dass das Dunkel nicht das Geschick dieser Welt ist. Das Ziel, die Verheißung ist das Licht. Wenn wir bei Jesus sind, wenn er unser Herz erfüllt, dann haben wir das Licht und damit leben wir und leuchten die Dunkelheiten dieser Welt aus.

Der Verfasser des Epheserbriefes gibt einige allgemeine Hinweise, was es heißt, im Licht zu leben. Für uns heute bedeutet es, dass wir da leuchten, wo das Dunkel von der Welt Besitz ergreifen will. Deswegen setzen wir uns für die Flüchtlinge ein, deswegen erheben wir unsere Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit, deswegen halten wir das Recht auf Leben und Teilhabe für Behinderte hoch, deswegen teilen wir und helfen den Armen dieser Erde. Christen sind Licht-Anzünder und Lichtboten, Kinder des Lichts. Und  wir tragen nicht nur das Licht, wir werden gesehen von Christus, der das Licht ist. Er sieht unsere Wege. Er bewahrt unsere Seele. Er gibt uns Herz und Mut und Kraft und Verstand. Und wenn es sein muss, gibt er uns Trost: Licht, wenn alles andere Licht erloschen ist. Das heißt doch dann auch, dass dieses Licht selbst dann noch für mich scheint, wenn alle Lichter dunkel sind. Ich gehe ins Licht. Ich gehe selbst durch die lange Todesnacht nicht ohne Licht. Und am Ende wartet der auf mich, der das Licht ist. Wie das gehen soll, weiß ich nicht. Aber dann werde ich wissen, was ich jetzt glaube. Zwischen mir und dem Leben, zwischen mir und dem Licht wird nichts mehr sein. Dann werde ich ein Lichtkind sein, das nach Hause gekommen ist.


Ihr Gebet

 
Gebet

Lieber Vater im Himmel,
du hast uns deinen Sohn gesandt,
damit es hell wird für alle Menschen.
Hilf uns unerschrocken, das Licht zu hüten
und in die Welt zu tragen.


Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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