Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Geheimnis des Glaubens

1. Korinter 2,1–7  Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit.


Impuls zum Predigttext für 2. Sonntag nach Epiphanias: 1. Korinther 2,1-10.  Von Jochen Maier


Jochen Maier ist Pfarrer an der Martinskirche in Kirchheim unter Teck.


Hauptsache man beeindruckt! Das ist zu einem Hauptmotiv unserer massenmedialen Zeit geworden. Vom Bundestagswahlkampf über die Menge der Facebook-Follower bis hin zu den allgegenwärtigen Einflüsterungen der Werbung – es geht um Wirkung und Einfluss in der ständigen Konkurrenz um Aufmerksamkeit. Um Wahrheit geht es weniger. Das ist nicht neu. Auch damals zurzeit von Paulus trafen in der Weltstadt Korinth ganz unterschiedliche Kulturen und Anschauungen aufeinander und standen miteinander in Konkurrenz. Und auch auf die etwa um 50 n. Chr. entstandene junge christliche Gemeinde färbten diese vielen Strömungen ab. Es bildeten sich verschiedene Richtungen heraus. Alle meinten, ihr besonderer Glaubensstil oder ihre besondere Glaubenseinsicht sei das Allerwichtigste.

Paulus muss sich und sein Verständnis der Botschaft von Jesus Christus verteidigen. Er macht es, indem er das eigentliche Fundament des christlichen Glaubens in Erinnerung ruft. Zuallererst erinnert Paulus daran, dass es im Glauben an Jesus Christus um etwas völlig Anderes geht als um einen gefälligen Modetrend oder eine beeindruckende Philosophie. Paulus konnte offensichtlich nicht einmal selber beeindruckend „rüberbringen“, was er weitergeben wollte. Er war, wie er im Predigttext zugibt, selber ängstlich und unsicher. Er hatte keine Botschaft mit Showcharakter. Er hatte nur die Botschaft vom gekreuzigten und dann auferstandenen Jesus Christus. Das aber ist, zumindest auf den ersten Blick, keine Botschaft, die einen glänzenden Eindruck macht! Der Glaube an den Gekreuzigten ist nicht leicht, denn das Kreuz fordert dazu heraus, die dunklen Seiten unserer Existenz – Bosheit, Schuld, Unrecht, Leiden, Tod – nicht einfach bequem auszublenden. Wer an Jesus Christus glaubt, sieht sich auf einen Weg gerufen. Auf einen Weg, auf dem sich nicht nur einfach „leichter“ leben lässt, sondern auf dem das glaubende Vertrauen sich gerade auch in den Dunkelheiten des Lebens als gnädiges Getragensein erweist. Der Glaube an Jesus Christus ist auch nicht glänzend, wenn man zum Beispiel auf die Geschichte der christlichen Kirche schaut. Es ist vielfach eine Geschichte von Schuld und Verirrung. Es ist eine Glaubensgeschichte, in der die Wahrheit immer wieder verloren wurde und neu gefunden werden musste. Und der christliche Glaube ist nicht unbedingt eingängig und einfach, sondern ins Glauben muss man gewissermaßen mehr und mehr hineinwachsen. Und zwar nicht dadurch, dass man irgend­einen Glaubensstil absolut setzt. Sondern dadurch, dass ein Mensch Gottes Geist Raum zu geben lernt, damit Gott in ihm wirken kann.

Hier liegt der entscheidende Punkt: Im Glauben lernt man sein Leben als Geheimnis sehen. Paulus benützt im Text ausdrücklich dieses Wort „Geheimnis“. Im Glauben an Jesus Christus zu leben bietet nicht einfach des Rätsels Lösung, sondern lockt auf einen Weg. Wohin werde ich im Glauben bewegt? Dahin, dass ich mehr und mehr mein Leben und diese Welt als großes, tiefes Geheimnis begreife, in das mich Gott im Glauben einweihen will. Zu diesem Geheimnis gehört, dass ich mich aufgehoben wissen darf in der Barmherzigkeit des Gekreuzigten. Dass ich gewiss sein kann, dass ich einen unverlierbaren Platz habe im großen Geheimnis Gottes mit dieser Welt. Ja, ich bin nicht nur meine Sorgen, meine Unzufriedenheit, meine Schwachheit! Gott hat meinem Leben eine viel größere Weite und Tiefe zugedacht: etwas sein zu können zum Lob seiner Herrlichkeit! Und im Glauben lerne ich mich statt klein zu sehen und klein zu machen, mich als gewürdigt zu sehen und reich durch Gottes Gnade.

Gebet
Herr Jesus Christus,
du rufst uns heraus aus den Fesseln unserer Sorgen in die Weite deiner guten Verheißungen.
Wir dürfen uns bleibend aufgehoben wissen in
deiner Barmherzigkeit. Schaffe in unserem Herzen Raum für die Gelassenheit, dass du auf allen Wegen auf uns wartest.
Amen.

Evangelisches Gemeindeblatt

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