Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das österliche Leben

Johannes 11,17–27+40–45 (in Auszügen) Als Jesus kam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen. Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber sprach: Vater, ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich‘s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Er rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen!


Impuls zum Predigttext für den 16. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 11,1–4+17–27+40–45.  Von Eberhard Schwarz


Eberhard Schwarz ist Pfarrer an der Hospitalkirche in Stuttgart.



Marta macht sich nichts vor: Sie hat eben, am Grab ihres Bruders, die Härte und Bitterkeit des Todes erlebt und kennt den Schmerz, den der Tod eines geliebten Menschen schafft. Sie weiß um die Rituale der Trauer, die Trost spenden, und ignoriert die Realität unserer Endlichkeit nicht. Deshalb kommt die Jüngerin aus Bethanien uns so menschlich und so greifbar nahe vor. Und sie wirkt auf sympathische Weise stark. Ihr Trost ist die Zukunftshoffnung ihres Glaubens: „Ich weiß wohl, dass Lazarus auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage.“ Und zugleich ist sie als echte Anhängerin Jesu davon überzeugt, dass Jesus hätte helfen können. Der Bruder wäre nicht gestorben, wenn Jesus nur rechtzeitig da gewesen wäre. Jetzt aber ist Lazarus  tot. Schon seit vier Tagen und bis zur Auferstehung aller Toten am jüngsten Tag.

Im Gespräch mit Jesus beginnt sich etwas anderes, neues zu erschließen. Etwas, das Marta bisher nicht gesehen hat. Es geht um die Wirklichkeit des Todes und die Wirklichkeit des ewigen Lebens. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ Nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt in der Begegnung mit Jesus, mitten in der Erfahrung der Endlichkeit, erlebt Marta die Anwesenheit des ewigen Lebens. Und dieselbe Marta von Bethanien, die der Evangelist Lukas als allzu tatkräftige Schwester  Marias beschreibt, erweist sich jetzt als eine tief Glaubende, als eine wahre Jüngerin. Für sie beginnt die Herrlichkeit Gottes zu leuchten, das Erdenleben rückt in ein anderes Licht.

Ob Marta wohl ahnt, dass die Auferweckung des Lazarus das Misstrauen der Hohenpriester und Pharisäer weckt und letztendlich das Leben Jesu bedroht? Ob sie begreift, dass das, was hier mit Lazarus geschehen ist, auf das Leiden, den Tod und die Auferstehung von Jesus selbst hindeutet? So ist die Botschaft des Evangelisten Johannes: Der Weg des in Leinenbänder gebundenen und mit einem Schweißtuch verhüllten Lazarus wird Jesu Weg werden. Wenn Lazarus von den Toten auferweckt wird, ist er schon jetzt ein leibhaftiger Zeuge für Ostern.

Wochen nach Ostern, die Trinitatiszeit neigt sich schon dem Ende zu, ist nach kirchlicher Tradition gerade dieser Sonntag ein gebotener Ort, mitten in unserer Alltäglichkeit, Gewöhnlichkeit, mitten in unserer Endlichkeit vom Leben zu erzählen. Von dem, was uns von Gott geschenkt ist: vom ewigen Leben. Zum Beispiel von solch einer Begegnung mit dem gekreuzigten Auferstandenen, wie sie Marta widerfahren ist. Jener Begegnung, die das Johannesevangelium in unsere Gegenwart hinein holt und uns begreifen lässt, dass das ewige Leben keine Lebensverlängerung ins Endlose ist. Sondern: Menschliches Leben hier auf der Erde mit allen Erfolgen und Fehlgriffen, Freuden und Schmerzen  ist schon jetzt ewiges Leben, weil es von der Kraft Gottes durchdrungen, versöhnt und geheilt ist. Darin besteht die österliche Botschaft, die der Glaube hört und aufnimmt, wie Marta aus Bethanien.


Ihr Gebet

 

Gebet

Herr, erbarme dich
über uns und alle Menschen,
die wir im Schatten des Todes leben,
dass wir Heil und Erlösung finden.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 275.






















Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 3/2018

THEMA - Revolution 1918

Ausgabe 1/2018

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.