Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Singen der Kinder Gottes

Matthäus 21,14–16  Und es kamen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien und sagten: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus sprach zu ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet“?


Impuls für den Sonntag Kantate: Matthäus 21,14–17(18–22).  Von Philipp Dietrich

Philipp Dietrich ist Pfarrer in Neuenstadt und Kirchenmusikpfarrer im Kirchenbezirk.




„Singen und sagen“, das war Luthers Lieblingsformel, wenn es darum ging, das Evangelium zu verkündigen. Was man sich singend aneignet, bleibt nicht nur besser hängen, es ergreift auch das Herz. Deshalb dichtete der musikalische Reformator zahlreiche neue Lieder. Lieder über Psalmen oder zu den Katechismusstücken, Übertragungen alter lateinischer Hymnen genauso wie liturgische Gesänge. Wer im Gottesdienst singt, der gestaltet diesen aktiv mit und nimmt – gut evangelisch – sein allgemeines Priesteramt wahr. Und so brach ein wahrer Liederfrühling an, dessen Bedeutung für den Erfolg der Reformation gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Kinder singen ausgesprochen gern. Und was sie einmal gelernt haben, das trällern sie spielerisch-fröhlich weiter. So wird es wohl auch im Anschluss an Jesu Einzug in Jerusalem gewesen sein. Die Kinder hatten den fröhlichen Hosianna-Ruf vor den Toren der Stadt kennengelernt und gaben ihn nun im Tempelvorhof wieder: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Hosianna heißt wörtlich „Hilf doch!“ Hieraus entwickelte sich ein Freuden- und Heilandsruf, der dem gesalbten König galt.
Eben noch hatte Jesus in prophetischer Vollmacht die Geldwechsler und Taubenverkäufer aus dem Tempel vertrieben. Jetzt wird durch seine Gegenwart aus der „Räuberhöhle“ ein Ort der Barmherzigkeit. Jesus heilt Blinde und Lahme und holt sie ins gesellschaftliche Leben zurück. Und die Kinder jubilieren. Doch schon empören sich die Hohenpriester und Schriftgelehrten. Erstaunlicherweise entrüsten sie sich bei Matthäus nicht über die Vertreibung der Händler, sondern darüber, dass die Kinder Jesu Heilungen als Gottes Wunderwerke preisen. Statt selbst Gott zu loben, ärgern sich die Theologen über das Gotteslob der Kinder. Sie sehen zwar das Wunder, aber sie halten nicht staunend inne und loben Gott. Ganz im Gegenteil: Sie wollen das Gotteslob der Kinder verhindern. Offensichtlich haben sie ihren Beruf verfehlt.
Jesus weist ihren Ärger durch ein Psalmwort zurück. Das Hosianna der Kinder ist ein Lob, das sich Gott selbst aus ihrem Munde bereitet hat. Also: Unmündige statt der Profis. Das ist eine Provokation. Allerdings sollten wir uns hüten, dies am Sonntag Kantate vorschnell auf unsere kirchenmusikalische Arbeit zu übertragen. Nur noch der Gesang des Kindergartens statt dem der Kantorei oder einer Band – da würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Hier geht es nicht um die Musikpraxis, sondern darum, dass die Kinder in ihren Herzen weitaus mehr erkennen als die theologischen Profis. Kindermund tut Wahrheit kund.
Und mit ihnen, mit diesen jubilierenden Kindern, sollen sich die Hörerinnen und Hörer des Matthäusevangeliums identifizieren. Im Lobgesang der Unmündigen, da findet sich die christliche Gemeinde, da finden wir uns wieder. Im Lobpreis, den Gott selbst uns bereitet hat, da ist unser Platz. Als kleine und große, als musikalische oder auch weniger musikalische Kinder Gottes.
Oder im Reformationsjubeljahr einmal mehr mit den Worten Luthers: „Denn das Evangelium ist ein griechisch Wort und heißt auf Deutsch: gute Botschaft, gute Mär, gute Neuzeitung, gut Geschrei, davon man singet, saget und fröhlich ist.“ – Genau das tun die Kinder im Vorhof des Tempels. Und in ihr Singen und Sagen brauchen wir nur noch einzustimmen.

Gebet
Deine Wunder entdecken
dich dafür loben
das will ich, mein Gott.
Der Säugling, aufgeweckter
Tag um Tag
die Quittenblüten, den Bienen
entgegengereckt
die Alte voll lebendiger Falten
überhaupt nicht lebensmüde
Jesus, der totes Holz
wieder blühen macht.
Davon singen und sagen
Osterweisen und -worte.
Leg’ sie mir ins Herz.
Amen.



Luthers-Familienzeit

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