Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Wichtigste im Blick

Lukas 10,40–42 Marta trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Estomihi: Lukas 10,38–42.  Von Lucie Panzer

Lucie Panzer ist Rundfunkpfarrerin und Mutter von vier Kindern.


Familienfeste machen mich unruhig, sogar, wenn andere aus der Familie sie vorbereiten – und erst recht, wenn ich selber zuständig bin. Ich kann dann nächtelang nicht gut schlafen. Habe ich auch an alles gedacht? Ich meine nicht mehr, ich müsste selber kochen und backen. Aber habe ich mit dem Restaurant alles richtig abgesprochen? An die Vegetarier gedacht? Die kleinen Kinder? Sind alle ordentlich untergebracht? Braucht man Tischkarten? Und wo frühstücken wir am nächsten Tag? Wieviel Brötchen soll ich bestellen?
Ich bin hin- und hergerissen von den vielen Sorgen, die mir durch den Kopf gehen. Genau wie Marta, von der es ausdrücklich heißt, sie sei von dem vielen Dienst zerrissen. Und das geht ja nicht nur bei solchen Gelegenheiten so. Jeden Tag zerrt der Alltag an einem, wenn man Beruf und Familie, Ehrenamt und Hobby unter einen Hut bringen will. Da könnte Marta auch genauso gut Thorsten heißen, Markus oder Fabian.
Die vielerlei Aufgaben sind anstrengend, machen einen nervös und unruhig. Und dann sagt auch noch einer: „Du machst dir so viele Sorgen. Mach dir doch nicht so viel Arbeit! Ist doch gar nicht nötig!“ Der hat leicht reden, denke ich dann. Was wird das für ein Chaos geben, wenn ich mich nicht um alles kümmere?
Aber jetzt höre ich Jesus: „Du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not.“ Das heißt nicht: Ist doch gar nicht nötig. Jesus erkennt an, was Marta tut und was ich tue. So kann ich auch seine Anfrage hören, die dann kommt: „Eins aber ist nötig!“ Ja, frage ich mich auf einmal: Was ist denn wirklich nötig? Warum mache ich das alles? Ich will doch, dass die anderen sich wohlfühlen. Dass sie gute Laune haben und sich freuen, wie entspannt wir zusammen sein können. Dass sie spüren, wie sehr sie zusammen gehören und wie schön es ist, dass wir füreinander da sind.
Und nun bin eigentlich ich es, die am wenigsten entspannt ist. Wahrscheinlich denken die anderen: Die hat so viel zu tun, da will ich mal lieber nicht stören. Weil ich so nervös bin, merken sie gar nicht, wie sehr ich mich über das Zusammensein freue. Wie Marta fühle ich mich irgendwie allein gelassen, und wahrscheinlich merken die anderen die heimlichen Vorwürfe, auch wenn ich verbissen schweige. Mark Twain fällt mir ein, der erkannt hat: „Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.“
„Eins aber ist not!“ Ich möchte, dass wir gern und entspannt zusammen sein können. Dass sich alle schon auf den nächsten Anlass zu einem Treffen freuen. Wie also kann es anders gehen? Marta selbst zeigt mir einen Weg: Sie redet. Sie redet vom Helfen, genauer, davon, dass die andere sich der Sache auch mit annehmen soll.
Reden also: schon im Vorfeld wahrscheinlich am besten. Dann geht es ohne Vorwurf. Könnt ihr mir beistehen? Was könnt ihr tun? Bei meinen erwachsenen Kindern sehe ich, wie gut das geht, wenn alle zusammen helfen. Ich bin oft ganz überrascht, wie sehr auch die jungen Väter begreifen, was jetzt geschehen sollte. So kann dann jeder tun, was Maria tut: wählen! Jeder kann wählen, was er für das gemeinsame Fest tun möchte. Jeder kann wählen, was ihm wichtig scheint. So haben alle Freude an dem gemeinsamen Fest. Und jeder hat genug Zeit, den anderen zuzuhören und mit ihnen zu reden. weil keiner und keine immerzu denken muss: Hoffentlich klappt alles.
Und Jesus? Ist das nicht doch eine ganz besondere Situation, wenn Jesus kommt, wie bei Maria und Marta? Hat er denn nur Ratschläge gegeben für überlastete Manager und Managerinnen des gemeinsamen Lebens?
Aber ist das wirklich zu wenig, wenn Jesus mich fragt: Warum machst du das alles? Hast du vielleicht das Wichtigste aus dem Auge verloren: die Liebe zu denen, für die du dich so zerreißt? Marta hat schließlich all den Aufwand für Jesus betrieben! Es könnte sein, dass mir einfach diese Erinnerung manchmal fehlt: Vergiss die Liebe nicht. Wahrscheinlich wäre es gut für mich, wenn ich mich öfter von ihm daran erinnern lasse. Deshalb: „Heute habe ich viel zu tun. Deshalb muss ich viel beten.“


Gebet

Vater im Himmel,
du hast uns die Fürsorge ins Herz gelegt.
Du willst, dass wir füreinander und miteinander leben,
damit wir gut leben können.
Fürsorge macht das Herz weit und reich.
Zeig uns, wie wir einander beistehen können.
Amen



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THEMA - Die Bergpredigt

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