Christliche Themen für jede Altersgruppe

Demut ist mutig

1. Petrus 5,5b–14 Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Durch Silvanus, den treuen Bruder, wie ich meine, habe ich euch wenige Worte geschrieben, zu ermahnen und zu bezeugen, dass das die rechte Gnade Gottes ist, in der ihr steht. Es grüßt euch aus Babylon die Gemeinde, die mit euch auserwählt ist, und mein Sohn Markus. Grüßt euch untereinander mit dem Kuss der Liebe. Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid!

Impuls zum Predigttext für den 15. Sonntag nach Trinitatis: 1. Petrus 5,5b–14.  Von Gunther Wruck


Gunther Wruck ist Pfarrer in Erbach-Ersingen.


Ein Trostwort soll er sein, der Schlussabschnitt im ersten Petrusbrief. Für alle, die da in der jungen christlichen Gemeinde in Kleinasien bedrängt und verfolgt wurden. Die Welt, in der Christenmenschen damals leben, wird dabei keineswegs ausgeblendet. Petrus, der Verfasser des Briefes, findet für die bedrängenden Erfahrungen eindeutige Worte: Widersacher, Teufel, brüllender Löwe.

Christenmenschen leben heute in bedrängenden Welten, bebildert in ganz anderer Weise, tagtäglich.Sie brauchen Trost und sollen getröstet werden – in einem Wort, dreimal am Anfang wiederholt: Seid alle zusammen demütig. In einer Welt, in der die Hochmütigen das Sagen haben und das Geschehen lenken, in dieser Welt demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes. Werdet sorglos, denn Gott sorgt für euch!
Demut, das heißt hier aber nicht: „Kopf hoch! Das wird schon wieder!“ Demut ist vielmehr ein erster, ungeheuer mutiger Schritt zu einer Änderung, zu etwas Neuem. Ein Schritt, der im Bild vom Sorgenwerfen fast sportlich anmutet. Alleine und als Gemeinschaft der Glaubenden voller Demut einen ersten Schritt wagen – und werfen. Zum Werfen braucht man Hände. In unserem Fall sind wohl die Hände gemeint, die sich auf die Kunst des Bündelns verstehen und sich falten können, Hände, die die Kunst des Gebets beherrschen. Die Hände zu falten, ist ja die unerhört mutige Kunst, die Hände in den Schoß zu legen. Nicht nur allein, jeder Mensch für sich, sondern auch die durch Christus in Gott verbundene Gemeinde.

Die im Gebet zum Ausdruck gebrachte demütige Solidarität der Leidenden und Mitleidenden aller Zeit hat darin einen widerständigen Charakter. Die weltweite Solidargemeinschaft der betenden Menschen leistet auf gewaltlose Weise Widerstand gegen den Versuch, menschlichen Hochmut ins Werk zu setzen, den Hochmut, nur sich selbst, der eigenen Überzeugung und Fähigkeit zu trauen. Hochmut, der – wo er Macht erlangt – seit jeher eine Spur des Leidens auf dieser Erde hinterlässt. Auch dort, wo der einst brüllende Löwe eher als heimlich schleichende Katze daherkommt, die sich als subtile Macht mit unsichtbaren Fäden im Leben breit zu machen versucht. Der Löwe, ob brüllend oder schleichend, das ist das Bild für die Gefährdungen, die nur der hört und sieht, der mit offenen Ohren und wachem, ungetrübtem Blick durchs Leben geht. Darum die offene Mahnung: „Seid nüchtern, seid hellwach!“

Wer diese Haltung im Leben und im Glauben einnimmt, den wird der Widersacher, der lebenszerstörende und sorgenbringende Durcheinanderwirbler nicht überraschen, und der kann ihm auch ins Gesicht schauen. Demut – das heißt darum in doppelter Weise beides: Ungeheuer mutig hinsehen und nicht wegschauen auf das, was Sorge macht. Ungeheuer mutig hinsehen vor allem aber auf den, der alle Sorge trägt und darin die Kraft zum Widerstehen schenkt – allen, die gemeinsam daran festhalten.

Gebet

Wo unsere Füße stehen,
wohin uns unsere Schritte führen an diesem Tag,
da mögen sie in dem ihren Grund finden, der die Welt erschaffen hat.
Bei allem, was unsere Hände ergreifen,
bei allem Tun, das wir beginnen,
da mögen wir uns von der Hand dessen
gehalten wissen,
der mit seinem Tun das Heil der Welt verbürgt.
Was immer unsere Augen erblicken,
da sei uns der Friede mit Gott und untereinander
das lockende Ziel
und in unserem Herzen die treibende Kraft.

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

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