Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den guten Hirten finden

Hesekiel 34,1–15 (in Auswahl) Des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr.


Impuls für den Sonntag Miserikordias Domini: Hesekiel 34,1–2(3–9)10–16.31  Von Ulrich Heinzelmann

Ulrich Heinzelmann ist Pfarrer an der Stadtpfarrkirche St. Martin in Biberach an der Riß.


Politikschelte im Namen Gottes aus dem Mund des Propheten! Im Fokus der Kritik Hesekiels steht der Jerusalemer Königshof samt Gefolgschaft. Wem würden nicht sogleich ähnliche Anwürfe aus unserer Zeit einfallen? Politische Skandale, persönliche Vorteilsnahme, Korruption ohne Rücksicht auf das eigene Volk. In letzter Zeit treten autoritäre Hirten wieder ganz ungeniert auf, umgeben von einer Horde bellender und beißender Hirtenhunde, die die schwarzen Schafe aus der Herde verjagen sollen. Hesekiel beschreibt solche schlechten Hirten treffend und zeitübergreifend als solche, „die sich selbst weiden“: die sich selbst zuliebe um eigenen Vorteil, um Macht und Einfluss kümmern.

Aber auch um die Herde ist es in unseren Tagen nicht gut bestellt! Das „Sich-selbst-weiden“ ist auf die Herde übergegangen, nicht im demokratischen Sinn, sondern in einer Mischung aus medialer Selbstüberhebung und Wutbürgertum, zwischen Populismus und falschen Nachrichten. Unsere westlichen Gesellschaften sind wie trunken von einem grenzenlosen Konsumismus, zugleich gefangen in Zynismus und Gleichgültigkeit. „Der Mensch ist des Menschen Gott, der Mensch ist des Menschen Wolf...“, schreibt Thomas Hobbes 1657 in seiner Lehre vom Bürger: „...beide Sätze sind wahr“!
Es ist staunenswert, wie das Bild des guten Hirten über die Zeiten hinweg noch immer berührt. Auch wenn Schafhirten weitgehend aus unserer Lebenswelt verschwunden sind, erschließt sich der 23. Psalm auch heute noch ganz unmittelbar. Der gute Hirte ist ein Leitbild des christlichen Glaubens, ein Sehnsuchtsbild nach Sicherheit und Geborgenheit in den Gefährdungen des Lebens. Der gute Hirte steht für Verlässlichkeit in den ständigen Wechselfällen des Lebens, für den roten Faden im verworrenen Lebensknäuel.

Für den Propheten Hesekiel ist Gott selbst der Inbegriff des guten Hirten. Er, so die Verheißung, wird sich nun selbst der Herde Israel annehmen, um sie aus dem Rachen der schlechten Hirten zu entreißen. Für uns Christen leuchtet in Jesus Christus das Bild des guten Hirten neu auf. In ihm hat sich Gott selbst der Menschheit angenommen; in der Art und Weise, wie Jesus Menschen begegnet, sie stärkt und aufrichtet, sie sucht und findet, „das Verwundete verbindet“ und „das Kranke heilt“.

„Wer nicht an Gott glaubt, glaubt nicht an nichts, sondern an alles mögliche“, sagt Don Camillo, der energische Hirte seiner Herde in Guareschis Erzählungen „Don Camillo und Peppone“. Besser also auf ihn zu vertrauen, als unser Leben an „alles mögliche“ zu hängen. Wenn wir an Gott glauben, haben wir einen inneren Maßstab, um die zweifelhaften Hirten unserer Tage in einem anderen Licht zu sehen. Wenn wir in Jesus Christus den Hirten unseres Lebens erkennen, finden wir mindestens konkrete Anregungen, uns in unserer eigenen Herde als brauchbare Hirten zu bewähren, in Familie, Beruf oder Gemeinde.


Gebet

Gott, du Hirte unseres Lebens,
Schaue die Zertrennung an,
der sonst niemand wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt,
alles, was sich hat verirrt.
Erbarm Dich, Herr.
Amen.


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