Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Advent ist eine Fastenzeit

Zum Thema Advent fallen uns in der Regel als erstes Zimtsterne, Flötenspiel, volle Kaufhäuser und ­blinkende Christbäume auf öffentlichen Plätzen ein. In unserer Serie erinnern wir an die Ursprünge des Advents und daran, worauf es in der Adventszeit wirklich ankommt.


Fasten kann wenig oder gar nichts essen heißen. Fasten heißt auf jeden Fall, sich von Ballast befreien.

Advent ist eine schöne Zeit im Jahr. Ihre Bräuche machen sie besonders. Zu den Bräuchen mit Adventskränzen und Adventskalendern für Groß und Klein gehören auch Lebkuchen und Zimtsterne, Spekulatius und Printen, Früchtebrot und Kekse. Und auf den Weihnachts- oder Adventsmärkten auch Gewürztee, Glühwein und Punsch. Besonderes Essen und Trinken sind schöne Traditionen. Und ein ganz alter Adventsbrauch ist das Fasten.

Fasten? Im Advent? Wie soll denn das funktionieren? Und warum eigentlich ausgerechnet im Advent? Ist das Verzichten ein heidnisches Tabu oder christlich, katholisch oder abergläubisch? Wo kommt das her und seit wann? Passt ein Adventsfasten zu uns oder ist’s völlig überholt?

Für die Antworten braucht es etwas Geduld. Denn sie reichen tief in die Kirchengeschichte zurück. Sie hängen mit der Entstehung von Advent selbst als Brauch zusammen.

Erst im vierten Jahrhundert konnte die Adventszeit als Vorbereitung auf Weihnachten entstehen – vorher überlebte das Christentum nur im Untergrund –, und sie entstand in einem längeren Prozess. Er sollte ein halbes Jahrtausend dauern.

Eine Woche Advent, vierzig Tage oder vier Wochen – wie lang ist richtig? Ich vermute, Christen in der Spätantike haben sich damals genauso auch inhaltlich gefragt, wie soll man sich eigentlich angemessen auf Weihnachten vorbereiten. Wenn wir feiern, dass Gott Mensch wird und zur Welt kommt, was passt da für uns Menschen, was für eine Einstellung ist da bei uns angebracht? Was für Menschen sind wir eigentlich, müssen wir uns nicht ändern? Außerdem wollen wir im Advent nicht nur zurücksehen auf die Ankunft des Herrn, wie sie uns als Weihnachtsgeschichte in der Bibel überliefert ist, sondern möchten auch voraussehen auf die zukünftige Ankunft des Herrn als Herrscher dieser Welt und Begründer des Neuen Jerusalem.

Wir können heute sagen, in der Spannung zwischen beiden erfahren wir im Advent unseren Herrn als den, der auf uns zukommt, der sich uns immer wieder neu zuwendet, und der uns zur Änderung, zur Umkehr zu ihm hin einlädt – in Kirchensprache „zur Buße“. Darum schmücken jetzt als Zeichen für Einkehr und Umkehr lila Paramente die Altare und Kanzeln in den Kirchen.

Bei „Fasten“ denken manche reflexartig an Diät, an Verbote oder zwanghafte Frömmigkeit. Aber was wäre, wenn man dauernd Gänsebraten mit Rotkohl und Grünen Klößen essen würde, vier Wochen lang „Fettlebe“, wie es in Luthers Sachsen heißt!

Fasten im Advent verstehe ich gut. Gerade im übertragenen Sinne. Das Besondere von Fasten als Festvorbereitung liegt darin, dass ich mich besser besinnen und besser konzentrieren kann. Darum möchte ich schauen, worauf ich jetzt verzichten kann bei all den Reizen, sei es Handy, Sonderangebote oder dauernde Erreichbarkeit.

Ich will darüber nachdenken, was mich fest im Griff hat, dass ich ständig reagieren muss und zu wenig Zeit für mich selbst habe. Und so oft zu wenig Zeit für mein eigenes Fragen!

Durch Reizreduktion bewusster leben – wenn man das Fasten im Advent so sieht, kann’s jeder eher verstehen. In den Bildern der Computersprache lässt sich dieser Sinn von Advent als ein Zeitraum geistiger Reinigung für einen Neustart sehen. Was erwarten wir eigentlich? Verlangt die Welt wirklich nach einem Neuanfang? Wie soll die Welt aussehen, wie sollen wir uns vorbereiten, wenn der Herr wiederkommt? Und was würde meiner Seele eigentlich guttun? Kurskorrektur.

Paul Gerhardt wird sich nach der Katastrophe des 30-jährigen Krieges mit seinen Massakern in Gottes Namen gefragt haben: Noch an Gott glauben und feiern – wie soll man das, wie kann ich das? Und seine Adventsfragen klingen nun nicht mehr bloß barock und veraltet: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir, / o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?“ Wir können in diesen Fragen auch unsere formulieren. Nehmen wir uns die Zeit.



Serie

In unserer vierteiligen Serie „Advent“ beleuchtet Pfarrer Roland Spur vier Aspekte der Adventszeit.
Teil 1: Eine Fastenzeit.


Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

THEMA - Angst überwinden

Ausgabe 4/2017

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.