Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Glauben trägt

Markus 9, 21-24, 27 (in Auswahl) Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist‘s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Jesus aber ergriff seine (des kranken Sohnes) Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

Zum Predigttext für den 17. Sonntag nach Trinitatis: Markus 9,17-27.  Von Regina Stierlen 


Regina Stierlen ist Pfarrerin in Wittendorf und Lombach im Dekanat Freudenstadt.


Was für eine Begegnung. Ein Vater voller Sorge um sein Kind. Nicht nur das Kind wird von Anfällen hin und her gerissen. Der Vater ist zwischen Glaube und Unglaube hin- und hergerissen. Er sucht Hilfe für sich und sein Kind. Er wendet sich an Jesus. Jesus nimmt es als Glaube an, dass der Vater all sein Vertrauen auf ihn setzt. Mit seiner dauernden Anspannung findet der fürsorgliche Vater in  Jesus ein Gegenüber, dem er sich öffnen kann. Wie sehr wird er ständig mit der Frage gelebt haben: Wann kommt der nächste epileptische Anfall? Werde ich den Sohn schützen können? Zusätzlich zum Mitleiden mit dem Kranken leidet er an seiner eigenen Ohnmacht. Er kann ja nur so wenig helfen. Das zehrt an der Kraft. Er bringt ihn zu Jesus, voller Hoffnung.

Jesus erkennt die Not und wendet sie. Er kommt gerade vom Berg der Verklärung, erfüllt mit Vollmacht. Seine Jünger hatten dem Kind nicht helfen können. Der Junge ist von diskutierenden Menschen umlagert, keiner erreicht ihn. Jesus erfährt die Krankheitsgeschichte.  Der Vater kann sich das Belastende von der Seele reden und bitten: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus spricht die widergöttlichen Kräfte an, die den kranken Jungen von der Kommunikation ausschließen. Da setzt ein Anfall ein, der das Kind wie tot hinterlässt. Jesus streckt seine Hand dem Kind entgegen und richtet es auf. Es steht geheilt auf.

Die Krisen und Sorgen, die wir durchleben, haben vielfältige Zusammenhänge. Jesus begegnet uns. Er fragt nach, wie es den uns anvertrauten Menschen und uns selbst geht. Wir können erzählen. Er geht auf unsere Sehnsucht ein, Gewissheit geschenkt zu bekommen, wo der Zweifel quält. Jesus bleibt nicht auf dem Berg der Verklärung im Glorienschein. Er geht ins Leiden, in den Tod. Nur weil er unser Menschenleben so berührt, trägt er Gottes Gegenwart zu uns.

Ein Schüler, unheilbar krank, der sich nie am Religionsunterricht beteiligt. Ein unbeabsichtigter Nebensatz der Religionslehrerin: „Bei mir geht auch nicht alles glatt, obwohl ich bete!“ Plötzlich reagiert der Junge: „Ich hatte gedacht, für Sie sei alles einfach!“ Ein Wendepunkt, wie ein Schlüssel für eine verschlossene Tür. Die Gespräche sind ein Ringen zwischen Verschlossenheit und wachsendem Vertrauen. Fragen und Zweifel tauchen auf. Eine Kollegin rät: „Schreiben Sie seinen Namen in Ihren Kalender!“ Und dann ergibt sich einfach gemeinsam verbrachte Zeit in der Lebenswelt des Jungen, in der Klinik, daheim, er zeigt seine Hobbys, was ihm Freude am Leben gibt. Andere Jugendliche gehen zum ersten Mal mit auf die Kinderstation einer Klinik. Jetzt sind sie ganz still und beklommen. Alle wachsen in dieser Situation und ihr Glaube auch, ohne dass sie es merken. Sie feiern das Leben im Schatten des Todes.

Jesus Christus kann das Innerste eines Menschen erreichen mit seinen heilenden, aufbauenden Kräften. Er kann auch heute noch Wunder tun, Kranke heilen und verloren gegangene Lebendigkeit neu schaffen. Er richtet auf, segnet, stiftet Gemeinschaft unter denen, die einander zu ihm hinbringen.
Sein Friede ist auch da, wenn bei allem Beten und Glauben ein Mensch nicht gesund wird. Es kann dann niemand lieblos urteilen: Der Glaube war zu klein. Christus nimmt die Hinwendung zu ihm in bodenloser Verzweiflung als Glaube an. Wir gehören dennoch zu ihm, auch wenn wir meinen, für ihn unerreichbar zu sein. Seine Liebe ist nicht an unserem Wohlergehen ablesbar. Er verspricht, uns in Not und Ausweglosigkeit beizustehen und Geborgenheit zu schenken. Wenn wir nicht ein noch aus wissen und das Unbeantwortbare kaum ertragen, sind wir von der Fürbitte und der Hoffnung der Gemeinde und der Tragkraft des Gekreuzigten und Auferstandenen gehalten.


Gebet

Herr, vergangen bist zu schier
hinter all den Finsternissen!
Aber dennoch bist du hier,
weißt, Verborgener, von mir
mehr, als ich von mir kann wissen.
Du bist da! Und keine Not
kann dein Michumweben enden.
Nicht das Leben, nicht der Tod
mag uns scheiden, du mein Gott!
Herr, ich bin in deinen Händen!
Arno Pötzsch






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