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Der Kampf gegen das Böse

Der Kampf um Gut und Böse wird in der Bibel im Buch Offenbarung eindrucksvoll geschildert. Der Erzengel Michael besiegt den Drachen, der ein Symbol für den Teufel ist. Michaels Kampfs greifen Maler und Bildhauer gerne auf. Im Kirchenjahr hat Michael einen eigenen Gedenktag bekommen: Am 29. September ist Michaelistag, der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt.

Die berühmteste  Michaelskirche in Deutschland: der Hamburger Michel.(Foto: pixelio)

Wer das Ulmer Münster betritt, ist fasziniert von der riesigen Statue, die mit ausgebreiteten Schwingen den Spitzbogen im Durchgang der Turmhalle zum Hauptschiff ausfüllt. Es ist Michael – übergroß, der Engel mit Schild und Schwert. Michael ist ein Erzengel. Doch mit Erz hat das Wort „Erzengel“ eigentlich nichts zu tun. Es hat sich sprachlich aus dem griechischen Arch­angelos herausgebildet. Das bedeutet soviel wie der Erste der Engel, der Oberste, der Engelsfürst, der Anführer der himmlischen Heerscharen. Und der 29. September ist sein Tag: Michaelis, Tag des Erzengels Michael und aller Engel. Es ist kein gesetzlich geschützter Feiertag, aber ein altes kirchliches Datum – auch, aber nicht nur im liturgischen Kalender.

In der Bibel werden drei Erzengel erwähnt, Gabriel, Raphael und Michael. Im Hebräischen klingt der Name wie eine Frage aus den drei Wörtern: „Wer ist wie Gott?“

Die entscheidende Bibelstelle zum Erzengel Michael findet sich in Offenbarung 12,7–9. Dort wird der Kampf zwischen Michael und dem Drachen dramatisch geschildert: „Es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.“

Dieser scheinbar ewige Kampf zwischen Gut und Böse ist letztendlich entschieden, das Böse ist besiegt. Was für eine herrliche Vision im letzten Buch der Bibel. Höllensturz wird dieser Krieg zwischen dem Erzengel Michael und dem Drachen auch genannt.

Der Michaelistag gehört bis heute zu den bekannteren kirchlichen Gedenktagen. Aber was feiern wir eigentlich am Michaelistag? Die Kirche hat seit ihrem Beginn den strengen Maßstab der Schrift an die Ehrung der Engel angelegt und nichts gestattet, was darüber hinausgehen würde. Eine Anbetung der Engel ist auf der Grundlage der Bibel nicht denkbar. Das verbietet sich schon allein wegen Offenbarung 19,9–10: „Der Engel sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. Und ich fiel nieder zu seinen Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Tu das nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an!“

Die protestantische Kirche hat den Michaelistag wohl auch deshalb übernommen, da dieser Tag früher auch als Erntedanktag begangen wurde. Er liegt nahe der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche, Verding- und Pachtverträge endeten. Die Natur gerät in dieser Zeit in Aufregung. Es brechen Gewitter und Herbststürme los – so stellt man sich den Streit im Himmel vor. Die Naturgewalten geben uns ein eindrucksvolles Bild von der Macht, mit der der Erzengel Michael für die Kirche im Kampf einzutreten vermag. Er ist es, der die Pforten der Hölle verschließt, nachdem er den Satan im Kampf überwunden hat (Offenbarung 20,3).

So hat man auch das Gedächtnis der Engel gefeiert, um deren schützenden Beistand man Gott gerne gebeten hatte. Michaels Kampf ist ein Kampf um Gottes Herrschaft. Er geht mit dem Ostersieg Christi Hand in Hand, darum ist die liturgische Farbe im Gottesdienst an Michaelis das Oster-Weiß. Die himmlische Welt hat den Sieg über die widergöttlichen Mächte errungen. Auf Erden aber geht der Kampf weiter: „Darum freut euch, ihr Himmel und die darin wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat“ (Offenbarung 12,12).

Die Kirche steht in dieser Auseinandersetzung mit dem Bösen, das personifiziert dargestellt wird. Sie bittet darum Gott, ihr durch seine Engel beizustehen. Das Buch der Johannes-Offenbarung will verständnisvoll trösten, so lautet ihre Botschaft kurz zusammengefasst: Auf der Erde gibt es noch die Auseinandersetzung von Gut und Böse, es gibt Krieg, Gräueltaten, Vertreibung und lauter Grausamkeiten. Aber das ist nicht das Ende, das Ziel der Geschichte ist anders, da ist die endgültige Überwindung des Satans festgelegt. Sogar der Tod des Todes. Und es wird Gottes neue Welt kommen, ein neuer Himmel, eine neue Erde (Offenbarung 21).

Der Erzengel Michael hat eine ganze Reihe verschiedener Spuren hinterlassen, im Schwäbischen, in Deutschland, fast überall in Europa. Der Engel mit der Posaune über der Kanzel der Stuttgarter Stiftskirche ist wohl ein Michael: „Denn er selbst, der Herr, wird, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen“ (1. Thessalonicher 4,16).

Michaelskirchen haben immer besondere Standorte. In Esslingen-Berkheim liegt die Michaelskirche nicht etwa im Zentrum, sondern außerhalb des alten Dorfkerns, auf einem Hügel und ist von einem großen Friedhof umgeben. Man vermutet, dass es an dieser Stelle eine heidnische Kultstätte gab. Als im frühen Mittelalter das Christentum auf den Fildern Fuß fasste, wurde dort eine Kirche errichtet, die dem Erzengel Michael gewidmet wurde. Michael als Drachentöter repräsentiert auch den Sieg des Christentums über das Heidentum.

Die Kirchen, die dem Erzengel Michael gewidmet sind, finden sich oft auf einem Berg: St. Michael in Schwäbisch Hall mit der großen Freitreppe, der Cleebronner Michaelsberg mit seiner Kapelle, die Michaelskapelle auf dem Michaelsberg bei Gundelsheim. In Heilbronn wird eine Pfalzkapelle St. Michael 741 urkundlich erwähnt und war damit wohl der älteste Sakralbau Heilbronns; doch wo sich die Kapelle genau befand und ob sie der Vorgängerbau der Kilianskirche ist, oder in welchem heute noch bestehenden Kirchenbauwerk Heilbronns sie aufgegangen ist, ist unter Fachleuten umstritten.

Eines der bekanntesten Michaels-Heiligtümer befindet sich in der Normandie am Mont-Saint-Michel. Das britische Gegenstück dazu ist an der Spitze Cornwalls St. Michael’s Mount, ebenfalls eine Gezeiteninsel.

Michaels Kampf gegen Gottes Feinde hat lange Wurzeln in der Schrift. Der Prophet Daniel wird auf eine abschließende Offenbarung vorbereitet. Bei Daniel heißt es unter anderem: „Michael, einer der Ersten unter den Engelfürsten, kam mir zu Hilfe, und ihm überließ ich den Kampf mit dem Engelfürsten des Königreichs Persien“ (Daniel 10,11–14).

Aus dem persönlichen Schutzengel wird der Schutzengel Israels. Im letzten Kapitel des Buches Daniel lesen wir, was Daniel durch einen Engel hört – und schaut: Michaels Eingreifen und die Auferstehung der Toten (Daniel 12,1–4)

Die Vision in der Offenbarung des Johannes nimmt dies auf, verbunden mit Jesu Wort, als die 70 Jünger zurückgekehrt freudig ihm berichten (Lukas 10,17): „Herr, sogar die bösen Geister gehorchen uns, wenn wir uns auf deinen Namen berufen!“

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