Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Liebe Jesu vertrauen

Johannes 5,39+40  Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.



Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 5,39–47.  Von Andreas Streich

Bildunterschrift: Andreas Streich ist Pfarrer in Filderstadt-Plattenhardt.




„Leben aus der Quelle“ – das wollten die frommen Männer Israels von ganzem Herzen. An diese Quellensucher wendet sich Jesus. Sie wussten, worauf es ankommt: auf das Leben, ewiges Leben. Das war ihr Ziel: Das zu gewinnen, was meinem Leben dauerhaften Sinn gibt. Danach zu trachten, dass mein Leben vor Gott Bestand hat, dabei zu sein, wenn Gottes Reich endgültig und allumfassend Gestalt gewinnt.

Jesus sieht ihre Sehnsucht und ihren Eifer. Doch er weiß, dass Menschen trotz ihres Eifers und ihrer Entschlossenheit am Ziel vorbeigehen können. Er sieht, wo sie zu kurz sehen und das Wesentliche gar nicht erst in den Blick bekommen. Johannes überliefert klare und streitbar klingende Worte von Jesus. Sie entstammen tatsächlich einem Streitgespräch in Jerusalem. Doch sie klingen zugleich auch wie eine Einladung auf eine Entdeckungsreise – eben zur Quelle des ewigen Lebens. Jesus zeigt einen anderen Weg als den, den die, die ihn kritisieren und in Frage stellen, schon kennen. Diesen Weg mitzugehen, kostet Überwindung. Denn dazu müssen Menschen einige ihrer tiefsten Überzeugungen aufgeben und grundlegend eine andere Sichtweise bekommen.

Zum Beispiel im Verständnis der „Schrift“, das wir als Altes Testament kennen. Jesus bescheinigt den frommen Kritikern in Jerusalem, dass sie sich ernsthaft um ihre Bibel bemühen. Sie forschen und suchen, sie studieren und lernen die Heiligen Schriften. Die Schrift, die Bibel – davon geht auch Jesus aus – ist tatsächlich der einzige Zugang für uns Menschen, um Entscheidendes über den unsichtbaren Gott zu erfahren. Sie ist voll von Zeugnissen, die davon berichten, wie der lebendige Gott Menschen begegnet ist. Wie er zu ihnen gesprochen hat und mit ihnen seine Geschichte geschrieben hat. In der Schrift – da lässt sich Gott von uns finden. Da lässt sich auch das ewige Leben finden. Nun kommt es aber entscheidend auf das Vorzeichen an, unter dem wir in der Schrift nach dem Leben suchen.
Die Pharisäer waren überzeugt: Die Bibel, das ist so etwas wie eine Gebrauchsanweisung für unser Leben. Für sie gingen die Gebote Gottes über alles. Steht doch im 3. Mosebuch (18,5): Ihr sollt meine Satzungen halten und meine Rechte. Denn der Mensch, der sie tut, wird durch sie leben. Also schlossen die frommen Männer: Der Weg zum Leben – der führt über das Einhalten der Gebote. Das ist zwar schwer, wussten sie, aber man muss sich wohl nur anstrengen. Unsere Entschlossenheit, unser Eifer, unsere Kraftanstrengung ist gefragt. Das ewige Leben erreichen – das ist somit unsere Aufgabe: Wir müssen uns bemühen, so zu leben, wie es Gott gefällt. Wir müssen seine Gebote hören und tun. Es liegt an uns: das ewige Leben. Gott gibt es uns, wenn wir uns nur genug anstrengen.

Für die Pharisäer wurde die Schrift letztlich zur ultimativen Handlungsanweisung an uns: Streng dich an, lebe so, wie Gott es will. So wie Piloten vor dem Start ihres Flugzeugs eine Checkliste abarbeiten, um alle technischen Geräte im Flugzeug noch einmal auf Funktionstüchtigkeit zu prüfen, so verstanden sie die Schrift. Als klare Prüfliste: Wenn wir das alles nur einhalten, dann haben wir das ewige Leben.
Ist das wirklich die Hauptsache, wenn es ums Verstehen der Schrift geht? Jesus weist eine andere Spur: Sie ist’s, die von mir zeugt. Niemals hat er die Gültigkeit der Gebote Gottes geschmälert. Bis heute bilden viele der Gebote, die uns im Alten Testament begegnen, die Grundlage für unser Miteinander in der Gesellschaft. Doch die Mitte der Schrift, das ist nicht eine Handlungsanweisung und ein Appell an uns. Die Mitte der Schrift, das ist der einzigartige Sohn Gottes, auf den Gottes ganze Geschichte zu unserem Heil zuläuft. Die Gebote einzuhalten, das war nur einzig ihm möglich. Er stellt keine Zugangsbedingungen zum Reich Gottes auf, sondern lädt uns einzig ein, seiner Liebe zu vertrauen. Das Leben, ewiges Leben – das gibt es nur bei ihm und nur geschenkt – von und durch Jesus Christus.



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