Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Sinn des Sonntags

Markus 2,23–28 (in Auszügen) Es begab sich, dass Jesus am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Impuls zum Predigttext am 20. Sonntag nach Trinitatis: Markus 2,23–28. Von Martin Winter


Martin Winter ist Pfarrer in Kusterdingen im Kirchenbezirk Tübingen.

Viele halten Christen für Neinsager vom Dienst: Spielverderber, die darauf hinweisen, dass man dies besser nicht tun und jenes lieber bleiben lassen sollte - zumindest, wenn man es mit dem Glauben ernst nimmt. Gerade was den Sonntag angeht, empfinden viele Zeitgenossen die Haltung der Kirche als altertümliches Verbot und nervige Spaßbremse.Ich erinnere mich an eine Studienfreundin, die für ihr Leben gern strickte. Sie erzählte mir, dass ihr diese Freude für den Sonntag untersagt war. "Das gehört sich nicht am Sonntag!" So war die Haltung im Dorf. So war sie erzogen worden. Alles, was mit Arbeit zu tun hat, darf am Sonntag nicht sein. Sollte das der Sinn von Gottes Ruhetag sein? Jede nicht unbedingt notwendige Tätigkeit hat zu unterbleiben, weil Gott ihn zur Ruhe bestimmt hat?

Fast könnte man den Eindruck bekommen, ein großes Nein sei die Hauptsache am Sonntag: "Nein, dieses geht nicht!" "Nein, jenes sollst du lassen!" "Nein, denn heute ist Sonntag!" Ist das Nein das Markenzeichen des Sonntags? Und wir Christen also vor allem Neinsager?

Verkehrte Welt! Die Grundmelodie des Sonntags ist nämlich kein beengendes Nein, sondern ganz im Gegenteil: ein befreiendes Ja. Gott sagt Ja zu uns. Das soll am Sonntag besonders hell leuchten: "Ja, ich schenke dir Zeit - Zeit, die nicht verplant und nicht verzweckt ist! Ja, ich schenke dir diesen Tag: Einen Ort in Raum und Zeit - Frei-Raum und Frei-Zeit -, damit du merkst, wie gut ich es mit dir meine! Ja, frei soll dieser Tag sein - frei von Arbeit und Sorgen!"

Für uns ist dieser Tag: "Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen."

Nun hat auch dieses Ja wie so vieles im Leben eine Kehrseite. Um das Positive aufleuchten zu lassen, muss es von Negativem freigehalten werden. Wenn die Dringlichkeiten und Sorgen des Alltags die Frei-Zeit des Sonntags an- oder gar aufzufressen drohen, oder wenn der sonntägliche Frei-Raum dem Kalkül von Markt & Co. untergeordnet werden soll, dann gilt es zu verteidigen, was Gottes Ruhetag uns schenkt. Da braucht es ein klares Nein.

Doch Vorsicht, dass dieses Nein nur ja das Ja nicht überdeckt! Denn das Ja ist die Grundmelodie - ihr zu lauschen und sie zum Klingen zu bringen, das ist der Sinn des Sonntags.

Jesus wollte den Menschen dieses Ja Gottes nahebringen. Bei der von Markus erzählten Begebenheit ist es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass Jesus seine Zeitgenossen absichtlich provoziert hat, um deutlich zu machen: Gott ist für den Menschen da - der Sabbat ist für den Menschen da!

Dieser von Gott geschenkte Tag hat seinen Sinn eben nicht im peinlichen Beachten von Regeln. Sondern: Die Freude am Leben, an Gottes wunderbarer Schöpfung, die Freude, dass Gott für mich sorgt und ich genießen darf, was sich mir auf meinem Weg bietet, das darf ich, ja, das soll ich gerade am Sonntag feiern.

Deshalb dürfen die Jünger Ähren raufen, auch wenn sie nicht am Verhungern sind. Sie sollen es sich gut gehen lassen und zwar nicht "obwohl", sondern "weil" Sabbat ist. Weil sie so Gottes Ja schmecken mit jedem Körnchen, das sie kauen.

Und was ist Christen zu raten für den Sonntag? Sie sollten auf jeden Fall etwas tun, was dem Ja Gottes Farbe verleiht. Sie sollen phantasievoll und nur ja nicht erschrocken sein, die Frei-Zeit und den Frei-Raum, den Gott ihnen schenkt, mit Leben zu füllen! Sie sollen etwas tun, was sie schmecken und erleben lässt: "Gott sagt Ja - Ja zum Leben! Ja zu mir!"

Sie sollten das Ja Gottes nachbuchstabieren und Jasager sein.

Gebet

Bleibe bei uns, Gott,
mit deinem Wort und den Gaben deiner Güte.
Dein Reich komme.
Darum bitten wir dich
im Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

Aus: Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Erster Teil, Stuttgart 2004, S. 280.

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