Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Weg zum Frieden

Lukas 19,41–43+45–47 Und als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen. Und er ging in den Tempel und fing an die Händler auszutreiben, und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus soll ein Bethaus sein“; ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht. Und er lehrte täglich im Tempel.

Impuls zum Predigttext für den 10. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 19,41–48.  Von Michael Volkmann

Der promovierte Sozialwissenschaftler Michael Volkmann ist Pfarrer für das Gesprächzwischen Christen und Juden in der Landeskirche.

Wer heute nach Jerusalem reist, kommt in der Regel von Westen und sieht die Altstadt später. Jesus, seine Jünger und die anderen Wallfahrer kommen von Osten. Sie steigen durch die Wüste hinauf, erreichen den Kamm des Ölbergs. Vor ihnen liegt die Stadt und in ihr auf seinem weiten Plateau der Tempel, ihr Ziel. „Wer den Tempel des Herodes nicht gesehen hat, hat kein schönes Bauwerk gesehen“, sagt man damals.

Viele brechen in Jubel aus. Jesus nicht. Er fängt an zu weinen, als gelte es eine Totenklage anzustimmen. Er beginnt zu der Stadt zu sprechen: Du, Jerusalem, Friedensstadt, erkennst nicht, was dem Frieden dient. Deinen Augen ist’s verborgen. Dich werden Feinde belagern. Ein Dutzend Mal „du“, „dein“, „dich“. Jesus spricht mit Jerusalem wie mit einem Menschen. Er weint um die Stadt wie um eine Geliebte.

Unser Text ist ein Beziehungsdrama, eine Liebesgeschichte. Wer weint bei uns um eine Stadt? Im Februar war in der Tagesschau ein weinender Mann zu sehen, als in Dresden der Zerstörung vor 70 Jahren gedacht wurde. Mir ist zum Weinen, wenn ich an einem der vielen Synagogendenkmäler in unseren Städten vorbeikomme. In der Ostukraine, in Syrien und im Irak weinen Menschen um ihre Städte. Wir sehen es von fern und wissen nicht, was dem Frieden dient.

„Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen“, sagt Jesus. Vor den Jüngern ist’s verborgen, dass Jesus sterben wird, hören wir im Kapitel davor. Vor den Bewohnern Jerusalems ist’s verborgen, dass die Stadt in 40 Jahren zerstört werden wird. Gott hält vor uns Menschen verborgen, was in der nächsten und in der ferneren Zukunft liegt. Was für eine Gnade! Doch erkennt die Stadt auch den nicht, der sie jetzt betritt. Eine verpasste Chance? Jesus klagt nicht an und wirft nichts vor, er trauert. Denn er kann nicht abwenden, was die Zukunft bringt. Er kann nur jetzt in diesem Moment der Stadt zutiefst zugewandt und verbunden sein – den Jüngern und uns zum Zeichen, dass der himmlische Vater der Stadt Jerusalem treu ist.

„Wünschet Jerusalem Glück!“, lehrt uns der 122. Psalm, wie wir für Jerusalem beten und der Stadt Frieden wünschen sollen. „Es möge wohl gehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen! Um meiner Brüder und Freunde willen will ich dir Frieden wünschen. Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes, will ich dein Bestes suchen.“

Nach Wallfahrersitte geht Jesus zuerst zum Tempel: Er muss in dem sein, was seines Vaters ist. Das erklärte er seinen besorgten Eltern, als sie ihren Zwölfjährigen nach dreitägiger Suche im Tempel, vertieft ins Lehrgespräch mit den Weisen, fanden. Hier war er als Säugling den Priestern dargestellt und von Simeon und Hanna freudig begrüßt worden. Jetzt beginnt Jesus unter Berufung auf Gottes Worte durch die Propheten Jesaja und Jeremia die Händler aus dem Tempel hinauszuweisen: „Mein Haus soll ein Bethaus sein.“

Jesus kommt täglich in den Tempel und lehrt, obwohl er dort Feinde hat, die auf ihre Chance warten. Das Volk will ihn hören. Durch Beten und Lehren weist Jesus den Menschen einen Weg zum Frieden. Das Volk und seine geistlichen Führer aus der pharisäischen Bewegung teilen Jesu Anliegen, den Tempel als Bet- und Lehrhaus zu nutzen. Solange der Tempel steht, gehen Jesu Jünger hin zum Beten und Lehren. Fanatiker werden dann den Aufstand gegen die römische Herrschaft provozieren. Eine Katastrophe. Aber nicht das Ende. Heute sind in aller Welt Synagogen und Kirchen, in denen gebetet und gelehrt wird, Orte des Friedens und Zeichen von Gottes Treue zu seinem Volk Israel und zur Christenheit.

Ihr Gebet

 

Gebet

Wünschet Jerusalem Glück!
Um meiner Brüder und Freunde willen
will ich dir Frieden wünschen.
Um des Hauses des Herrn willen, unseres Gottes,
will ich dein Bestes suchen.
Amen.

Aus Psalm 122

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 49/2017

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