Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Weg zum richtigen Handeln

Psalm 90,12 Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.


Impuls zum Predigttext für den Kirchentags-Sonntag: Psalm 90,12.  Von Wolfgang Kruse

Pfarrer Wolfgang Kruse ist ­Beauftragter der württembergischen Landes­kirche für den 35. Deutschen Evangelischer Kirchentag,
der im Juni in Stuttgart stattfindet.





50.000 Menschen auf dem Schlossplatz, 5000 Menschen auf dem Marktplatz, 10.000 Menschen auf dem Rotebühlplatz – nein, das ist nicht die Schreckensvision einer Pegida-Demonstration in Stuttgart, das ist der Eröffnungsgottesdienst des Kirchentags in Stuttgart am 3. Juni 2015. Und es sind alles unsere Gäste, denn wir, die Gemeinden der württembergischen Landeskirche, haben sie eingeladen, dieses Fest des Glaubens zu feiern.

Um uns selbst auf dieses Fest einzustimmen, feiern wir am 1. Februar den Kirchentags-Sonntag. „Damit wir klug werden“ lautet die Losung für den Kirchentag in Stuttgart. Dies ist ein Halbsatz aus Psalm 90,12. Der ganze Vers nach der Lutherübersetzung lautet: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Manche kennen diesen Vers aus Beerdigungsansprachen oder vom Ewigkeitssonntag am Kirchenjahresende. Aber der Kirchentag soll ja keine Trauerveranstaltung sein – im Gegenteil. Deshalb gefällt mir die wörtliche Übersetzung gut: „Lehre uns, unsere Tage zu zählen, damit wir ein weises Herz bekommen.“ Es geht also darum, die Begrenztheit, die Endlichkeit des Lebens wahrzunehmen, um sein Leben bewusst zu gestalten. Die Generalsekretärin des Kirchentages, Ellen ­Ueberschär, schreibt zur Losung: „Tage zu zählen heißt, aufmerksam zu sein für jeden einzelnen Tag, achtsam umzugehen mit unserem eigenen Leben. Das unterbricht die Logik des Todes, das wendet uns hin zu Gott, zum Lehrer des Lebens. Die Fähigkeit, Tage zu zählen, macht klug, macht das Herz weise.“

Ein weises Herz – in der Bibel hat das nichts mit romantischen Gefühlen zu tun. Das Herz ist vielmehr der Ort menschlichen Denkens und Planens, das Organ klugen Handelns. So wird der Glaube an Gott zur Quelle der Klugheit. Denn Glaube ist nicht weltfremd, er steht mitten im Leben!

In einer Welt der Datenflut und Sammelwut sind wir in der Gefahr, durchsichtig und schutzlos auf eine Nummer, einen Strichcode reduziert zu werden. Unsere Tage zu zählen, unsere Endlichkeit zu bedenken, stellt sich gegen diesen Trend und erinnert an den unendlichen Wert jedes einzelnen Menschen vor Gott.

Dietrich Bonhoeffer schreibt in seinem Entwurf zu einer theologischen Ethik: „Klug ist, wer die Wirklichkeit in Gott sieht.“ Um diesen Blickwinkel geht es. Nicht wer am meisten Wissen anhäuft, die meisten Daten sammelt, wer sich die größte Machtfülle aneignet, das größte Waffenarsenal hat, ist klug, sondern wer sich der Begrenztheit des Lebens bewusst ist und dies in der Hand Gottes sieht.

Wir Menschen sind nicht das Maß aller Dinge. Wir gehören zu Gott. Damit ist die Kirchentagslosung nicht nur eine Steilvorlage für alle Bildungspolitiker und Nachhaltigkeitsbefürworter, sondern auch für eine fröhliche Gelassenheit.

In diesem Bewusstsein greift der Kirchentag brisante Themen auf. Politik und Gesellschaft wollen von uns Christen keine fertigen, besserwisserischen Antworten. Es gilt, aus der biblischen Tradition glaubwürdige Wege zum Klugwerden und richtigen Handeln beizutragen. Was heißt Selbstbestimmung am Beginn und am Ende unseres Lebens? Können, müssen, dürfen wir einen Militäreinsatz in Krisengebieten befürworten oder nicht? Gibt es verantwortliches und nachhaltiges Wirtschaften? Und wie ist das mit den Bildungschancen für alle?

Gibt es denn Maßstäbe für ein kluges Handeln mit einem weisen Herz? Psalm 1 ist der Kirchentagspsalm, der die Gottesdienste und Gebete beim Kirchentag begleiten soll. Er erzählt von dieser „Schule Gottes“, diesem Klugwerden im biblischen Sinn: „Wohl dem, der Lust hat am Gesetz Gottes und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht.“ Ganz wörtlich heißt es da: „der knurrt über der Tora.“ So wie ein Hund einen Knochen hin und her wälzt und ihn begeistert beknurrt, so sollen wir die Tora immer wieder neu befragen und nicht aufgeben, nach ihrer wahren Bedeutung zu suchen, was sie für unser konkretes Handeln zu sagen hat.

Wenn Sie also beim Kirchentag knurrenden Menschen begegnen, dann sind das keine griesgrämigen Schwaben, sondern Menschen, die gemeinsam auf dem Weg in die Schule Gottes sind, „damit wir klug werden“.

 

Ihr Gebet

Gebet

Wir danken dir, Gott, für dein Wort,
das unserem Leben eine Richtung gibt.
Wir danken dir, dass dein Wort uns
auf den Weg zur Herzensklugheit führt.
Wir bitten dich um deinen Geist der Kraft,
der Liebe und der Besonnenheit –
zum Wohl und Heil dieser Welt.
Amen.















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