Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die neue Liebe zum Leben

Micha 5,1+4 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Und er wird der Friede sein.

Impuls zum Predigttext für das Christfest: Micha 5,1–4.  Von Gabriele Wulz

Bethlehem, so behauptet es der Dichter Rudolf Otto Wiemer, ist überall. Aber das ist nicht wahr. Bethlehem ist nicht überall und damit nirgends. Bethlehem ist ein Ort auf der Landkarte. Ein kleines Nest. Unübersichtlich und verwinkelt wie alle orientalischen Dörfer.
Dass wir nicht fragen müssen: „Bethlehem – wo ist denn das?“,  hat seinen Grund allein darin, dass die Bibel uns diesen Ortsnamen ans Herz gelegt hat.
Weil der Gott Israels ein Herz für das Kleine und die Kleinen hat, deshalb verbindet sich mit Bethlehem eine biblische Hoffnungs- und Verheißungsgeschichte, die bis in unsere Tage reicht und uns am Christfest Augen und Herzen öffnen will für den Frieden, mit dem Gott uns beschenkt.
Bethlehem ist nicht überall. Es ist ein Dorf, in dem Menschen leben und ums Überleben kämpfen. „Haus des Brotes“ heißt Bethlehem übersetzt, aber oft genug haben Menschen erlebt, dass es kein Brot gibt und dass es zum Leben nicht reicht.
Bethlehem ist eine kleine Stadt, klein unter den Tausenden, den israelischen Sippen und Clans, aber mit einer großen Geschichte. Die Moabiterin Ruth hat hier Zuflucht gefunden. Die fremde Frau findet in Bethlehem zusammen mit ihrer Schwiegermutter Noomi  nach der großen Katastrophe, nach Tod und Trostlosigkeit, Trost und Weiterleben.
Ruths Urenkel ist David.  In Bethlehem hütet der Knabe  die Schafe seines Vaters Isai. Das Hirtenamt prädestiniert ihn für die Aufgabe des Königs. Aber als er, der jüngste der Brüder, von Samuel zum König gesalbt wird, sind alle überrascht. Denn da waren doch Größere und Schönere. Aber der Herr sieht das Herz an, und deshalb ist der, den niemand im Blick hatte, der Auserwählte Gottes.
Aber auch das gehört zur Erfahrung, die wir Menschen machen und die die Bibel nicht verschweigt: Wir scheitern. Wir verraten unseren Auftrag, gehen in die Irre, verlieren uns in den eigenen Illusionen oder tun das, was wir eigentlich nicht wollen.
Es kann nicht immer einfach weitergehen. In Anknüpfung und Widerspruch verheißt der Prophet Jesaja seinem Volk, dass aus der Wurzel Jesse ein neuer Spross aufgeht. Der ist der Gesalbte des Herrn, der Friede auf Erden bringt. Mit der Macht des Wortes verwandelt er die Herzen der Menschen.
Vom Rand her kommt Rettung. Nicht aus den Zentren der Macht. Die Evangelisten Matthäus und Lukas knüpfen in ihren Geburtsgeschichten ganz bewusst an diese biblische Überzeugung an. Das göttliche Kind, der Messias, wird – ja muss – in Bethlehem geboren werden. Der Prophet Micha wird zum Kronzeugen: „Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll“ (Matthäus 2,6).
Gebannt starrten die Menschen zur Zeit Jesu auf Rom, auf das Zentrum der Macht. Gebannt starren wir auf die Metropolen und darauf, was dort gedacht, geplant, gesprochen und eingefädelt wird. Gebannt verfolgen wir die Kurven des Dax, die Meinungsumfragen und Statistiken. Und oft genug denken wir: Wie kann das weitergehen? Und wo wird das enden?
Am Christfest aber wird unsere Aufmerksamkeit auf anderes gelenkt. Auf den Rand. Auf die kleine Stadt. Auf das neugeborene Kind. Auf die Erfahrung von Menschen, die aufblicken und große Freude entdecken. Dabei geht uns auf: Mitnichten geschieht hier Unbedeutendes. Von Bethlehem geht eine Verheißung aus, die höher ist als alle Vernunft. Sie hat die Kraft, das Angesicht der Erde zu verwandeln.
Das Kind in der Krippe ist der Friede Gottes. Eine zarte Pflanze, ein verletzliches, zerbrechliches Wesen. Das Kind in der Krippe überwältigt die, die es sehen, und bringt selbst in harten und verbitterten Menschen eine neue Liebe zum Leben zum Vorschein.
Das Kleine hat Gott erwählt. Bethlehem ist dafür ein Gleichnis. Genauso wie die Ausländerin Ruth. Der Hirtenjunge David. Der Spross, der aus verheerter und verwüsteter Wurzel treibt, und wie das Kind in Krippe.

Gebet

Ewiger Gott,
wir finden dich in deinem Sohn,
einem Kind, zart und verwundbar.
In ihm leuchtet deine Liebe auf,
strahlend wie ein nie verlöschendes Licht,
deine Liebe, die von Anfang an war und bleiben wird,
die uns nicht verloren gibt in Ewigkeit.












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